Eine fürstliche Taufe in Hohenlohe

Ansicht von Langenburg, aquarellierte Zeichnung nach Merian. Vorlage: Landesarchiv HZAN GA 55 Bü 251
Ansicht von Langenburg, aquarellierte Zeichnung nach Merian. Vorlage: Landesarchiv HZAN GA 55 Bü 251

Gräfliche Tauffeiern mit wochenlangen Lustbarkeiten, das kannte man in Langenburg zwar schon aus den Zeiten Graf Wolfgangs von Hohenlohe (1546–1610), doch nach der Teilung der Grafschaft 1586 hatte dessen jüngerer Bruder Friedrich die Herrschaft angetreten. Aufgewachsen am glanzvollen Hof von Kurfürst August von Sachsen in Dresden, hatte er mit Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg eine Dame fürstlichen Rangs geheiratet. Und so war es eine besonders illustre Gesellschaft, die sich da am 9. März 1589 im kleinen Langenburg zur Tauffeier ihres Töchterchens versammelt hatte: Unter den 122 adeligen und hochadeligen Gästen waren Vertreter von vier Fürstenhöfen.

Als erster Gast war die Großmutter aus Neuenstein, Anna von Solms, bereits am Donnerstag gegen Abend angereist. Der große Besucheransturm vollzog sich dann am Samstag, als der durchleuchtige hochgeborne Fürst Markgraf Georg Friedrich mit seiner Frau Durchlaucht Gemahlin herbei geruckt [ist] und uf die 100 Pferde mit sich gebracht [hat].

Für Unterhaltung sorgten die Spielleute von Hall und die Vellbergischen Pfeifer sowie die Organisten und Musiker von Öhringen. Drei junge Spielleute von Weikersheim waren aus freien Stücken angereist – und fanden prompt bei den Fräuleins und Jungfrauen Gefallen. Die Festivitäten begannen mit der Speisung der Gäste am Samstag zum Nachtessen und dauerten bis zum folgenden Donnerstag. Am Sonntag als dem Tauftag ließ man früh morgens durch die Aufwarter den Gästen Suppe in ihre Gemächer bringen. Um 8 Uhr ertönte mit der großen Glocke das erste Zeichen, von drei viertel bis gegen 9 Uhr wurde zusammengeläutet. Als alle im Saal versammelt waren, haben die Organisten mit Stücklin geschlagen und die Musikanten hernach [...] ein Motetten gesungen. Angeführt von den Stadtpfeifern von Hall trug die 16-jährige Magdalena das Taufkind, ihre Kusine, herab und legte es der Markgräfin in den Arm. Und ist dem jungen Fräulein in der Taufe der Name Dorothea Sophia gegeben worden. Für diesen standen mit Dorothea von Dänemark, Kurfürstin Sophia von Sachsen und Markgräfin Sophia von Brandenburg-Ansbach gleich drei Fürstinnen Pate.

Nach dem Taufakt wurde der Morgenimbiss eingenommen, der sich bis zum Abend hinzog und in dessen Verlauf eine Komödie vom Präzeptor des Öhringer Stifts aufgeführt wurde. Leider kennen wir nicht das Stück. Vielleicht griff man ja die Geschichte wieder auf, die beim letzten Fest in Langenburg so großen Anklang gefunden hatte: Sie handelte von einem Bauern, dem die Nachbarn eine halbe Seite seines geschlachteten Schweines gestohlen hatten, um ihn daraufhin mit Zutun des Pfarrers durch simulierte schwarze Kunst zu überreden, sich selbst des Diebstahls zu bezichtigen.

Für die Bevölkerung Langenburgs war sicherlich der letzte Abend der Höhepunkt: Allen, die sich mit [A]ufwarten und sonsten fleißig gebrauchen lassen, war angezeigt worden, sich zum Nachtessen neben ihren Weibern herein zu verfügen und zu Fröhlichkeit den Nachtimbiss vollbringen zu helfen, wie dann sonsten die Fürnehmen im Stättlin gleichsam neben ihren Weibern berufen worden und sich in allem uf die 10 Tisch an Mann, Weibern und fürnehmsten Bürgerstöchtern erstreckt, welche auf dem Saal gespeist und denen 6 Essen geben, auch nach vollbrachtem Imbiss ein Tanz, so [...] bis in die 11 Uhr gegen Mitternacht gewährt, erlaubt worden.

Ob sich dabei auch die fürstliche Mutter unter das Volk mischte, ist nicht überliefert, wäre aber durchaus denkbar. Ihr wird nachgesagt, sie habe mit jedermann gern auf der Gassen geredet und fast allweg (weil sich ihre fürstliche Gnaden der Lüneburgischen Sprach nicht gar abtun können) gefragt, ob man ihre fürstliche Gnaden recht verstanden.

 Helmut Wörner

Quelle: Archivnachrichten 55 (2017), S. 10-11.

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