Zabergäu Haufen
von Rosalie Dörflinger
Auch in Württemberg traten Aufständische unter anderem aufgrund der Unfreiheit durch die Leibeigenschaft und der Unzufriedenheit bezüglich der zu leistenden Abgaben zusammen. Nachdem sich im Herzogtum Württemberg zahlreiche Bauern und Untertanen im April 1525 zum Wunnensteiner Haufen zusammengeschlossen hatten, kam es im Zabergäu zu einem zweiten großen Zusammenschluss von Aufständischen. Bereits am 16. April 1525, dem Ostersonntag, erhob sich der Zabergäu-Haufen, welcher im Folgenden den Anfang für die Ausdehnung der Bewegung in Richtung des Heuchelbergs über die westlichen Hänge hinweg bilden sollte. Vor Stockheim versammelten sich etwa 2.000 Untertanen, welche nicht nur aus der unmittelbaren Region des Zabergäus, sondern auch aus den angrenzenden Orten wie Besigheim, Bietigheim und Eppingen zusammenkamen. Die im Zabergäu-Haufen vereinigten Aufständischen stürmten in der Nacht zum Ostermontag das Deutschordensschloss Stocksberg, welches durch den Angriff schwere Zerstörungen erlitt. Die Bewohner des Schlosses, wie etwa Eberhard und Wolf von Neipperg, wurden Opfer gewaltsamer Plünderungen.
Die im Schloss Stocksberg versammelten Aufständischen ernannten sich am 18. April 1525 zum „Stocksberger Haufen“ und setzten Hans Wunderer als Hauptmann ein. Von Stocksberg aus erhielt der Haufen weiteren Zulauf aus den umliegenden Gemeinden. So versicherten unter anderem Aufständische aus Güglingen, Bönnigheim und Brackenheim, sich in den Haufen zu integrieren. Der Zabergäu-Haufen trat durch das Vorgehen beim Schloss Stocksberg sowie durch die Plünderung von diversen Klöstern durch ein tendenziell radikales Vorgehen innerhalb der Aufstandsbewegung in Württemberg hervor.
Nach der gewaltvollen Vereinnahmung des Schlosses zog der nun gewachsene Haufen nach Süden, wo er sich später in Bietigheim mit dem Wunnensteiner Haufen unter Matern Feuerbacher zum vereinigten Württemberger Haufen zusammenschloss. Aus dem Zabergäu-Haufen entstammte Anton Eisenhut, welcher im Verlauf des Aufstandes Unterführer des vereinigten Haufens wurde, sowie Hans Wunderer, welcher als oberster Hauptmann der vereinigten Württemberger zu einer der treibenden Kräfte innerhalb der Revolte wurde.
Der Großteil der württembergischen Aufständischen musste sich am 12. Mai 1525 schließlich bei Böblingen gegenüber dem Schwäbischen Bund ergeben. Nach der Zerschlagung des Bauernaufstandes wurden auch die Gemeinden und Städte im Zabergäu vom Deutschen Orden bestraft. So erhielt der Deutsche Orden beispielsweise vom Amt Brackenheim 600 Gulden Entschädigung für die durch dessen Einwohner unter anderem am Deutschordensschloss Stocksberg erlittenen Schäden.
Literatur
- Angerbauer, Wolfram, Brackenheim. Heimatbuch der Stadt Brackenheim und ihrer Stadtteile, Brackenheim 1980.
- Angerbauer, Wolfram, Geschichte des Raums Zabergäu, Stromberg, Heuchelberg, in: Schwäbische Heimat 60/2 (2009), S. 170-182.
- Heidenreich, Benjamin, Ein Ereignis ohne Namen? Zu den Vorstellungen des „Bauernkriegs“ von 1525 in den Schriften der „Aufständischen“ und in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung, Berlin/Boston 2018.
- Klebon, Michael, Im Taumel des Evangeliums. Anton Eisenhut und der Kraichgauer Haufen im „Bauernkrieg“. Absichten, Planungen und Taten als Ausdruck einer ungemein dynamischen Phase der Revolution von 1525, Ubstadt-Weiher/ Heidelberg/ Weil am Rhein 2020.
- Ulbrich, Claudia, Oberschwaben und Württemberg, in: Der deutsche Bauernkrieg, hg. von Horst Buszello/Peter Blickle/Rudolf Endres, 3. Auflage, Paderborn u.a. 1995, S. 97-133.
Zitierhinweis: Rosalie Dörflinger, Zabergäu Haufen, in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2025.

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