Über die Sammlung
Das Themen-Modul basiert auf einem Digitalisierungsprojekt der Badischen Landesbibliothek und der Universitätsbibliothek Freiburg im Jahr 2024, das mit Förderung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg umgesetzt werden konnte.
Die Textsorte Kalender, einstmals ein weit verbreitetes Massenmedium und kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges für das Alltagsleben im ländlichen Raum des Oberrheingebiets, ist größtenteils nur lückenhaft und weitgehend auch nur unikal überliefert. Antiquarische Ergänzungen sind nur schwer möglich. So kann die Kalenderüberlieferung nur durch die virtuelle Zusammenführung der jeweiligen Einzelbestände zu einem für die Forschung gut handhabbaren Quellencorpus aufbereitet werden. Die in den beiden Bibliotheken vorhandenen Exemplare stammen zumeist aus Sammlungen unterschiedlicher Vorbesitzer und sind entsprechend zerlesen. In der Regel auf holzschliffhaltigem Papier gedruckt, sind sie konservatorisch eine Herausforderung und können vielfach nicht mehr zur Nutzung im Original angeboten werden. Ihre Digitalisierung war daher auch aus einem genuinen Interesse an der Textsicherung heraus geboten.
Zur Digitalisierung vorgesehen waren mehr als 250 verschiedene Kalender und Almanache mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten. Manche sind überhaupt nur in einem einzigen Jahrgang nachweisbar und zudem häufig nur unikal überliefert. Manche haben Laufzeiten von mehr als 150 Jahren und können doch aus den Beständen der Projektpartner nur lückenhaft präsentiert werden. Die zur Digitalisierung bestimmten Titel stammen aus den Druckorten Baden-Baden, Basel, Bruchsal, Bühl, Colmar, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Kehl, Konstanz, Lahr, Lörrach, Mannheim, Mülhausen, Neustadt, Rastatt, Schopfheim, Stockach, Straßburg, Villingen und Wertheim.
Die am frühesten einsetzenden Titel sind der in Baden-Baden bei Baldinger gedruckte Neue gre-gorianische verbesserte Schreib-Kalender (1753–1759) und der in Freiburg bei Felner gedruckte Neue catholische Schreib-Calender (1754–1759). Zeitlich folgen jeweils nur mit einem Jahrgang nachweisbare Kalender: in Wertheim bei Nehr gedruckt der Verbesserte, neue und alte Hahnen-Calender auf das Jahr unseres Heylandes Jesu Christi 1759, in Rastatt bei Schäll gedruckt der Hoch-fürstlich-Marggraf-Baden-badische Schreibkalender auf das Jahr 1767, in Konstanz gedruckt der Kalender auf das Gnadenjahr 1787 und in Durlach bei Müller gedruckt das Handbuch fürs Volk … für das Jahr 1788. Das jüngste Produkt ist Der badische Hausfreund, erschienen in Karlsruhe 1950–1951. Mit dem Jahrgang 1952 endet die Möglichkeit der Digitalisierung aus urheberrechtlichen Gründen. Ohnehin beendeten in diesem Jahr mit der Gründung des Südweststaats viele regionale Kalender am Oberrhein ihr Dasein.
Die Titel mit den längsten Laufzeiten sind die noch zu ergänzenden Hinkenden Boten, etwa unter verschiedenen Titeln der Colmarer Hinkende Bote (1784–1963), der Hinkende Bote am Rhein (1788–1803) und der Rastatter Hinkende Bote (1808–1886), vor allem aber Le grand messager boi-teux de Strasbourg (1825–2002) als französische Parallelausgabe zum Großen Straßburger Hinkenden Boten (1806–1950). Größeren Umfangs sind auch der im Mannheimer Bürgerhospital verlegte Schreib- und Reise-Kalender (1790–1861) und Der Gute Bote für das Jahr der Gnade, erschienen in Straßburg (1837–1921).
Von besonderer inhaltlicher Relevanz als liberales Sprachrohr des Vormärz ist der Rheinische Landbote, den Karl Zittel, Mitglied der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung, 1844 bis 1848 in Karlsruhe herausgab, bevor er die Stadt als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung vertrat. Aus der liberalen Fraktion der Kalender im 19. Jahrhundert gehören Berthold Auerbachs Kalender zur Sammlung – ebenso wie auf der Gegenseite die antiliberalen und fortschrittsfeindlichen Kalender des Alban Stolz und deren zahlreiche Folgeprodukte aus dem katholischen Freiburger Herder Verlag.
Als „Spezialangebote“ für bestimmte Berufsgruppen, wohin sich die ehemals für „alle“ bestimmten Volkskalender ausdifferenzierten, existieren Bauernkalender – so Der Landwirth (1879–1933 und 1949–1951), der Kalender des Badischen Bauernvereins (1900–1927), der Landwirtschaftliche Kalender für Elsaß und Lothringen (1920–1940), Auf badischer Scholle (1925–1934), der Badische Bauern-Kalender (1935–1944 und 1947–1949), der Elsässer Bauernkalender (1941–1943) oder – noch spezieller – der Badische Imker-Kalender (1901–1927). Außerdem gibt es Studentenkalender (Almanach de l’étudiant alsacien-lorrain und Nachfolger 1912–1914), Schülerkalender (Schülerkalender für Schüler höherer Lehranstalten 1916/17), Beamtenkalender (Kalender für badische Gemeindebeamte 1922) und Lehrerkalender (Badischer Philologen-Kalender 1932/33). Eine größere Vielfalt stellen auch die Soldatenkalender dar (Badischer Militärvereins-Kalender 1900–1919, Badischer Kriegerbund-Kalender 1920–1935, Badischer Soldaten-Kalender 1859–1860 und 1935–1941, Oberrheinischer Soldatenkalender 1943–1944).

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