Über das Projekt

 

Sowohl für Baden als auch für die Pfalz liegen zeitgenössische Namenslisten der am 22. Oktober 1940 deportierten Menschen vor. Die badische Liste wurde durch das Karlsruher Innenministerium im Jahr 1941 sogar in Druck gegeben. Diese beiden Namenslisten, vor allem die badische, waren die Grundlage für viele spätere ortsbezogene Veröffentlichungen. Doch trotz ihres amtlichen Charakters enthält die badische Liste Fehler und Lücken. Beispielsweise kam es häufig vor, dass eine Person aus einem Schulinternat, von der Arbeitsstelle oder einer Klinik deportiert wurde, so dass sie entweder in der nicht rein alphabetisch, sondern primär nach Deportationsorten gegliederten badischen Liste nicht unter ihrem tatsächlichen Wohnort aufgeführt wurde oder aber doppelt vorhanden war. Außerdem ließen sich einige Menschen finden, die zwar im „Verzeichnis der am 22. Oktober aus Baden ausgewiesenen Juden“ genannt werden, aber nachweislich nie nach Gurs deportiert worden waren. Freitod, kurzfristiger Wohnortwechsel oder Verhaftung konnten in diesen Fällen als mögliche Gründe ausgemacht werden. Bei vielen Menschen war als letzte Wohnadresse nicht der letzte freiwillig gewählte Wohnsitz eingetragen, sondern eines der sogenannten Judenhäuser, die es in den größeren Städten gab und in denen ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung zwangsweise bei anderen Juden zur Miete leben musste, um so „judenfreien Wohnraum“ für die sogenannte „deutschblütige Bevölkerung“ zu schaffen. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass immer wieder Eltern ohne ihre Kinder deportiert wurden, da sie diese rechtzeitig im Ausland oder bei Verwandten zumindest zeitweise in Sicherheit bringen konnten. Auf keinen Fall darf man die Angaben im „Verzeichnis der am 22. Oktober aus Baden ausgewiesenen Juden“ ungeprüft übernehmen.

Bei den meisten derjenigen Juden und Jüdinnen, die vornehmlich ab 1942 in sogenannten „Osttransporten“ aus Gurs in die Arbeits- und Vernichtungslager im heutigen Polen deportiert wurden, ist eine Klärung der Todesdaten in der Regel nicht mehr möglich. Das hat zur Folge, dass in diesen Fällen lediglich der Vermerk „verschollen“ eingetragen werden konnte oder ein im Rahmen von Entschädigungsverfahren nach 1945 festgelegtes Todesdatum, das meist auf das Kriegsende am 8. Mai 1945 festgelegt wurde.

Bei der Erstellung dieser Online-Datenbank haben wir uns bemüht, die Grundangaben zu jedem einzelnen Menschen zu verifizieren und um online verfügbare zusätzliche Nachweise, Fotos und Selbstzeugnisse anzureichern. Für diesen Schritt wurden Archive, Stolperstein-Initiativen und auch Privatpersonen angefragt. Dank der sehr hilfreichen Unterstützung von verschiedenen Seiten konnten viele Biogramme vervollständigt werden. Ergänzt wurden die hierbei gesammelten Daten durch Recherchen in mehreren Archiven, besonders in den Beständen des Staatsarchivs Freiburg und des Generallandesarchivs Karlsruhe.

Angaben, die nicht überprüft werden konnten und widersprüchliche Informationen, bei denen eine Verifizierung nicht möglich war, wurden vorerst nicht für die Online-Anzeige freigeschaltet. Entsprechend wurde auch bei gänzlich unauffindbaren Personen agiert, die zwar in der gedruckten Deportationsliste von 1941 zu finden sind, jedoch bei keiner Suchanfrage zu Ergebnissen führten.

Aus all diesen Gründen ist die Datenbank nicht abgeschlossen, sondern wird laufend aktualisiert.