Die Bettelorden – Franziskaner, Dominikaner, Augustinereremiten und Karmeliten

von Jürgen Dendorfer

Der hl. Augustinus übergibt verschiedenen Ordensgemeinschaften, darunter den Augustinereremiten, Augustinerchorherren und Dominikanern die Augustinusregel, Hochschiffwand Augustinerkirche Konstanz, Heinrich Grübel, Kaspar Sünder, Johann Lederhoser, 1417. [Quelle: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg, Bildarchiv, Foto: Michael Eckmann]
Der hl. Augustinus übergibt verschiedenen Ordensgemeinschaften, darunter den Augustinereremiten, Augustinerchorherren und Dominikanern die Augustinusregel, Hochschiffwand Augustinerkirche Konstanz, Heinrich Grübel, Kaspar Sünder, Johann Lederhoser, 1417. [Quelle: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg, Bildarchiv, Foto: Michael Eckmann]

Im Untersuchungsraum finden sich alle Bettelorden. Die größte Verbreitung hatten die Franziskaner oder fratres Minores (Minoriten). In ihren Anfängen eine Bewegung von Laien, die sich um den charismatischen Franz von Assisi (†1226) scharte, bildete diese noch zu dessen Lebzeiten einen Orden. In Teilen war er nach dem zisterziensischen Vorbild organisiert, etwa bei der Bedeutung der Generalkapitel, in wieder anderen gab es Neuerungen: in einer auf Zeit gewählten Leitung des Ordens und der Klöster, in der systematischen Einteilung des Verbreitungsgebiets in Provinzen und Kustodien, ohne dass wie bei den Zisterziensern die Klöster Eigenständigkeit für sich beanspruchen konnten, oder in der Einführung des Noviziats.[1] Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die Franziskaner zum zahlenmäßig größten Orden des Mittelalters. Ihn kennzeichnet anfangs ein striktes Armutsgebot. Dies zu bewahren, war angesichts der Attraktivität des Ordens und seines raschen Wachstums eine Herausforderung.

Am frühesten sind Franziskaner im Untersuchungsraum in Freiburg belegt, wo Papst Gregor IX. (1227–1241) im Jahr 1229 den Bischof von Konstanz anwies, die Kirche der Minderbrüder zu weihen, da sie als synagoga Judaica verächtlich gemacht werde.[2] Das heißt, das Freiburger Kloster der Franziskaner bestand schon einige Zeit vorher, wohl noch zu Lebzeiten des Franz von Assisi, und diese Ansiedlung ging – charakteristisch für die Frühzeit des Ordens – nicht in regulären Formen vor sich. Rasch folgten Konvente in : Konstanz (1240), Heidelberg (1245), Neuenburg (1252), Überlingen (1259), Villingen (1267/68), Pforzheim (1270), Offenburg (1280) und – schon am Beginn des 14. Jahrhunderts – in Breisach (1302). Nicht mehr dieser hochmittelalterlichen Gründungswelle zuzurechnen sind die Gründungen auf dem Lande oder in Kleinstädten in : Betenbrunn (1373), Fremersberg (1411) und Hausach (1475). Mit zwölf Konventen bis zum Ende des Mittelalters waren die Franziskaner auch im Untersuchungsgebiet der verbreitetste Bettelorden, in der frühen Neuzeit sollten weitere zwölf Gemeinschaften folgen.

Kennzeichnend für die Mendikanten ist, dass es neben den Männerklöstern abgestufte Möglichkeiten der Zugehörigkeit zum Orden für Laien gab. Zum einen eigenständige Frauenklöster, die sogenannten Zweiten Orden, und zusätzlich die Dritten Orden, Laiengemeinschaften, die nach einer reduzierten Regel lebten, in der Regel Frauen. Den zweiten Orden der Franziskaner bildeten die auf Klara, die Gefährtin des Franziskus, zurückgehenden Klarissen, die 1263 ihre gültige Regel erhielten. Sie waren im Untersuchungsraum in den Städten vertreten, in Freiburg (1272/79) und kurzfristig auch in Konstanz (1250), später in Villingen (1480). Nur eine Gemeinschaft wurde auf dem Land, im Kinzigtal im Schwarzwald, in Wittichen (1376) gegründet. Villingen und Wittichen gingen aus Schwesternsammlungen hervor, die nach der Drittordensregel lebten, was auf die für religiöse Frauengemeinschaften kennzeichnende Durchlässigkeit der Lebensformen verweist.

F-Initiale mit Darstellung eines hl. Bischofs und eines hl. Papstes, der zwei knienden Franziskanerheiligen eine Schrift (Ordensregel?) überreicht, Biblia sacra, ursprünglich für einen Franziskanerkonvent, später in der Bibliothek des Freiburger Dominikanerklosters, Pergament, Miniaturen auf Goldgrund, 2. Hälfte 13. Jahrhundert. [Vorlage: Unibibliothek Freiburg, Hs. 36a, fol. 8v]
F-Initiale mit der Darstellung eines hl. Bischofs und eines hl. Papstes, der zwei knienden Franziskanerheiligen eine Schrift (Ordensregel?) überreicht, Biblia sacra, ursprünglich für einen Franziskanerkonvent bestimmt, später in der Bibliothek des Freiburger Dominikanerklosters, Pergament, Miniaturen auf Goldgrund, 2. Hälfte 13. Jahrhundert. [Vorlage: Universitätsbibliothek Freiburg, Hs. 36a, fol. 8v]

Gehörten die Franziskaner zur erwartbaren geistlichen Ausstattung einer Stadt im Untersuchungsraum, so waren die Dominikaner seltener. Sie sind bis ans Ende des 13. Jahrhunderts nur in drei Städten vertreten in Freiburg (um 1233), Konstanz (1235/36) und Pforzheim (1282); im 15. Jahrhundert kam dazu der Konvent in Heidelberg (1476). Wie die Franziskaner war auch der Dominikanerorden in Provinzen eingeteilt, zur Provinz Teutonia gehörten am Ober- und Hochrhein sowie im erweiterten Bodenseeraum die Konvente in Zürich (1230), Basel (1233), sowie in Straßburg (1223/24), Rottweil (1266), Colmar (1277) und Gebweiler (1294). Mit Ausnahme Gebweilers und Rottweils allesamt die bedeutendsten Städte. Auch bei den Dominikanern gab es einen zweiten Orden, dem wenige Klöster früh so eindeutig zuzuordnen sind wie etwa Adelhausen (1234) bei Freiburg. Noch mehr als bei den Franziskanern sind hier die Trennlinien zwischen Schwesternsammlungen, mit und ohne Regel, nicht klar zu ziehen. Der dritte Orden des Hl. Dominikus entstand erst am Beginn des 15. Jahrhunderts.[3]

Wieder andere Wurzeln als Franziskaner und Dominikaner hatte der Orden der Augustinereremiten. Papst Alexander IV. (1254–1261) initiierte im Jahr 1256 den Zusammenschluss bereits bestehender Eremitenverbände, am bekanntesten sind die Wilhelmiten, zum Ordo fratrum Eremitarum S. Augustini.[4] Er sollte nach der Augustinusregel und noch zu erlassenden Konstitutionen leben. Ziel war es, die Eremitenverbände auf Seelsorge und Predigt zu verpflichten und ihnen eine übergreifende Ordensverfassung zu geben, die Elemente der anderen Bettelorden aufgriff. In diesem Klosterbuch sind Augustinereremiten in Konstanz (1268), Breisach (1271), Freiburg (vor 1278) und Heidelberg (1279) zu greifen. Klöster für Frauen, Augustinereremitinnen, sind selten und treten erst im 15. Jahrhundert auf, als zumeist ältere Schwesternsammlungen diese Regel annahmen : Adelheiden (1436), St. Katharina im Mainauwald (1436), Steisslingen (1434) und in Freiburg St. Anna zum Grünen Wald (1449).

Daneben gab es auch Wilhelmitenklöster in Oberried (ab 1252), Freiburg (1262) und in Mühlbach (1290). Oberried und Mühlbach bekamen ihren Gründungskonvente aus dem Elsass, wo bei Hagenau ein wichtiges Kloster des Ordens lag. In der wechselvollen Beziehung der Konvente von Oberried und Freiburg dürften sich die Brüche der frühen Geschichte der Augustinereremiten widerspiegeln. Nach der päpstlichen Vereinigung der Eremitenverbände zu Augustinereremiten, die besonders die Wilhelmiten traf, gehörte der Konvent in Oberried dem neuen Orden an. Vielleicht erklärt sich dadurch, weshalb die Eremitengemeinschaft 1262 in die Stadt Freiburg übersiedelte. Ein Teil der Gemeinschaft zog dann wieder nach Oberried zurück, möglicherweise nachdem die Zwangsvereinigung von Wilhelmiten und Augustinereremiten 1266 wieder aufgehoben worden war. De facto gab es in Freiburg nach der Ankunft der Augustineremiten (vor 1278) Wilhelmiten und Augustinereremiten nebeneinander, wobei der rasch wachsende Wilhelmitenkonvent zum Mutterkloster für zwei weitere Klöster, für Klingau bei Sion (1269) und Mengen an der Donau (1282), werden konnte. Ein weiterer Eremitenorden sei an dieser Stelle erwähnt, der im 13. Jahrhundert in Ungarn gegründete Orden der Paulinereremiten, der sich allerdings erst nach der Mitte des 14. Jahrhunderts im Untersuchungsraum greifen lässt.[5]

Und auch der vierte Bettelorden, die Karmeliten sind im Raum vertreten, jedoch nur mit einer, freilich bedeutenden Gemeinschaft in Weinheim (ab 1280).

Anmerkungen

[1] Melville 2012, S. 181–200.
[2] FrUB (Hefele) I, Nr. 162 S. 135.
[3] Kammerer 2024.
[4] Melville 2012, S. 221–226.
[5] Kuhn 2011.

Die vollständigen Literaturangaben sowie die Auflösung der Abkürzungen finden Sie hier.

Zitierhinweis: Jürgen Dendorfer, Die Bettelorden – Franziskaner, Dominikaner, Augustinereremiten und Karmeliten, URL: […], Stand: 10.06.2025.

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