Die Ritterorden und Spitalorden

von Matthias Untermann

Schlossartige Anlage und Kirche der Deutschordenskommende Mainau, Blick von Westen. [Insel Mainau, Foto: Achim Mende]
Schlossartige Anlage und Kirche der Deutschordenskommende Mainau, Blick von Westen. [Insel Mainau, Foto: Achim Mende]

Von den so genannten Ritterorden, die im Kontext der ersten Kreuzzüge entstanden waren, haben nur Johanniter, Deutscher Orden und Lazariter Niederlassungen im Bearbeitungsgebiet gegründet. In charakteristischer Weise lagen sie oft im Vorfeld von Städten oder als burgartige Anlagen weit außerhalb.

Eindrucksvolle, stark befestigte Burganlagen errichteten der Deutsche Orden am Hochrhein in Beuggen und im Bodensee auf der Insel Mainau, die Johanniter südlich von Freiburg in Heitersheim. Ihre Baugestalt mit Wehrmauern, Bergfried und Wohntürmen unterscheidet sich nicht von anspruchsvollen Adelssitzen; auf der Mainau war sogar der Hafen befestigt. In Boxberg und Krautheim haben die Johanniter ältere Burgen übernommen. Der Neubau der romanischen Pfarrkirche an der unweit von Boxberg gelegenen Kommende Wölchingen übertrifft im Aufwand übliche Pfarrkirchen der Region. Eigentümlich ist die Baugestalt der Johanniterkommende in Neckarelz: Das burgartige, von Gräben umschlossene, ursprünglich fünfgeschossige Hauptgebäude nahm dort die Kirche, die Gemeinschaftsräume und die Wohnräume des Komturs auf.

Die Kommenden der Johanniter und des Deutschen Ordens in Freiburg wurden früh in die Umwehrung der Stadterweiterung »Neuburg« einbezogen; sie nutzten den neuen Stadtgraben für ihre Aborttürme. Auch die Johanniterkommende in Überlingen befestigte eine Ecke der Stadt. Die Deutschordenskommenden in Heidelberg und Weinheim sowie die Johanniterniederlassungen in Kenzingen, Neuenburg und Villingen wurden nahe von Stadttoren erbaut. In Bruchsal lag die Johanniterkommende zunächst oberhalb der Stadt. Die Baugestalt der von Männern und Frauen bewohnten Freiburger Johanniterkommende ist bislang nur in einer Stadtansicht fassbar. In Villingen bestand die Kommende aus mehreren einzelnen Häusern für den Komtur, die Priester und die Kommendenwirtschaft, die die Kirche rahmten. Kleine, ländliche Johanniterhäuser gab es in Jungental und Lenzkirch; ihre Bauten sind unbekannt.

Größere Kirchen wurden in Beuggen und auf der Mainau erst im 18. Jahrhundert gebaut. Damals haben die Komture Beuggen mit einigem Aufwand schlossartig umgestaltet, die Mainau sogar prachtvoll neugebaut und dafür jeweils die Burggräben weitgehend verfüllt. Einen großen innerstädtischen Neubau mit prachtvoller Fassade ließ sich der Deutsche Orden nur in Freiburg errichten, unter Einbezug der älteren städtischen Wohnhäuser; die Weinheimer Kommende war weniger anspruchsvoll, ein angemessener Ausbau in Heidelberg kam nicht zur Ausführung. Die Gebäude entsprachen im Typ adligen Stadthäusern, ihre kleinen Kapellen lagen rückwärtig und waren unauffällig. Das Johanniterschloss in Heitersheim diente seit dem 17. Jahrhundert nur noch formell als Residenz und wurde nur punktuell modernisiert; für den Großprior des Ordens gab es dort keine angemessenen Wohn- und Repräsentationsräume mehr.

Die erhaltenen Antoniterhäuser in Freiburg und Konstanz unterscheiden sich in der Außenerscheinung nicht von bürgerlichen Wohnhäusern; beide entstanden nahe eines Stadttors. In Nimburg wurde ein Antoniterkloster in einsamer Lage gestiftet; die Kirche blieb erhalten, zum Wirtschaftshof gibt es Pläne und Ausgrabungen; das Spital selbst ist nicht lokalisiert.

Ebenfalls ein Spitalorden waren die Augustinerchorherren »von der Steige«, die 1259 eine Niederlassung mit Spital vor den Toren der Stadt Lahr gründeten; dort entstand eine große gotische Stiftskirche. Die einzige Niederlassung des italienischen Heilig-Geist-Ordens im Bearbeitungsgebiet entstand 1323 in Pforzheim; der Konvent war wohl im großen Spitalgebäude untergebracht.

Die vollständigen Literaturangaben sowie die Auflösung der Abkürzungen finden Sie hier.

Zitierhinweis: Matthias Untermann, Die Ritterorden und Spitalorden, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 10.06.2025.

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