Baden-Baden
von Wolfgang Zimmermann
Baden-(Baden) stieg im Lauf des Hochmittelalters zum neuen Herrschaftsmittelpunkt der Markgrafen auf, die – so erstmals urkundlich 1112 belegt – den seit der Antike bezeugten Ortsnamen auf ihr Geschlecht übertrugen.
An der Stelle der Pfarrkirche des Frühmittelalters wurde ein repräsentativer romanischer Neubau errichtet. Grablege der Markgrafen wurde das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal (1) (lucida vallis), das um 1245 gegründet wurde und in dem Markgräfin Irmengard († 1260) als erste Angehörige des Geschlechts ihre letzte Ruhe fand. Lichtenthal, flussaufwärts an der Oos gelegen, löste somit das Augustinerchorherrenstift Backnang als badische Grablege ab.
Mitte des 15. Jahrhunderts hatte sich Baden-Baden endgültig als Residenz der Markgrafen gegenüber anderen landesherrlichen Städten wie Durlach oder Pforzheim durchgesetzt. Das oberhalb der Stadt gelegene »Neue Schloss« wurde dauerhaft markgräflicher Herrschaftssitz. Markgraf Jakob (1431–1453) erhob mit päpstlicher Zustimmung kurz vor seinem Tod 1453 die Stadtkirche zur Stiftskirche (2), die bereits mit dem Begräbnis von Markgraf Rudolf VII. († 1391) die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal als markgräfliche Grablege abgelöst hatte und die typischen Merkmale eines Residenzstiftes besaß. Fürstliches Schloss und dynastische Grablege waren in unmittelbarer Sichtweite aufeinander zugeordnet.
Außerhalb des städtischen Siedlungsbereichs entwickelte sich in der Mitte des 15. Jahrhunderts aus einer Einsiedelei auf dem Fremersberg (3) ein Franziskanerkloster, das enge Beziehungen zur städtischen Bürgerschaft besaß. Mittelalterliche Schwesternsammlungen sind in den Quellen nicht belegt.
Während sich nach der Erbteilung von 1535 Baden-Durlach dem reformatorischen Bekenntnis zuwandte, blieb die Linie Baden-Baden katholisch. Nach einer Phase herrschaftlicher Unsicherheit leitete Markgraf Wilhelm von Baden-Baden (1621–1677) eine energische Rekatholisierung und Konfessionalisierung seines Territoriums ein. Die beiden Reformorden der Jesuiten und Kapuziner spielten dabei eine zentrale Rolle. Seit 1622 lebten Jesuiten in der Residenzstadt, deren Niederlassung 1642 durch den Landesherrn zum Kolleg erhoben wurde. Jesuitenkirche und Kolleg mit angeschlossenem Gymnasium wurden zwischen 1671 und 1680 im Zentrum der Stadt in unmittelbarer Nähe zur Stiftskirche errichtet (4). Kapuzinermönche predigten seit 1624 auf der Kanzel der Stiftskirche; 1631 wurde der Grundstein für deren Kloster gelegt, das aus politischen Gründen außerhalb der Stadt im Gebiet des Bistums Straßburg errichtet wurde (5). Eine weitere landesherrliche Gründung war die Niederlassung der Augustinerchorfrauen vom Heiligen Grab (Sepulchrinerinnen), die seit 1670 in der Residenzstadt lebten und deren Aufgabe die höhere Mädchenbildung war. 1687/89 wurde die Klosteranlage samt Schule in unmittelbarer Nähe zu Schloss und Stiftskirche errichtet (6).
Zwar verlagerten die Markgrafen von Baden-Baden ihre Residenz nach den Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs in das neu erbaute repräsentative Barockschloss in Rastatt. Die Stiftskirche in Baden-Baden blieb jedoch bis zum Tod des letzten katholischen Markgrafen August Georg Simpert (1761–1771) fürstliche Grablege.
Mit der päpstlichen Aufhebung des Jesuitenordens 1773, die auch das Kolleg in Baden-Baden betraf, begann das Zeitalter der Säkularisation. Das Kapuzinerkloster wurde 1807 aufgehoben. 1808 folgte das Stift, wobei die Kirche bis in die Gegenwart die zentrale Pfarrkirche der Stadt blieb. Das Franziskanerkloster auf dem Fremersberg fand 1826 sein Ende. Einzig die beiden Frauengemeinschaften – die Zisterzienserinnen in Lichtenthal und die Chorfrauen vom Heiligen Grab in der Stadt – konnten sich einer Aufhebung entziehen, indem sie sich nach den Vorgaben der badischen Regierung (»Regulativ«) als »Lehrinstitute« dem Schulunterricht widmeten.
Zitierhinweis: Wolfgang Zimmermann, Baden-Baden, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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