Bruchsal

von Wolfgang Zimmermann

Bruchsal, Stadtansicht, Lithographie von J. C. Daiker (Ausschnitt), 19. Jh. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Bruchsal 1]
Bruchsal, Stadtansicht, Lithographie von J. C. Daiker (Ausschnitt), 19. Jh. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Bruchsal 1]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Die vorstädtische Siedlung von Bruchsal lag – zentral am Kreuzungspunkt wichtiger Fernstraßen – um die Pfarrkirche St. Peter im Saalbachtal. Das örtliche Königsgut wie auch der Besitz der elsässischen Benediktinerabtei Weißenburg gelangten im 11. Jahrhundert in den Besitz der Bischöfe von Speyer, zu deren zentralem Ort Bruchsal auf der rechten Rheinseite wurde. Im späten 13. Jahrhundert errichteten die Johanniter hier eine Kommende, von der aus sie ihre umfangreichen Besitzungen in der Region verwalteten (1). Mit dem Bau einer Burg am Austritt des Saalbachs in die Rheinebene durch Bischof Ulrich II. von Rechberg (1178–1187) begann der Aufstieg von Bruchsal zur Stadt, der auch mit einer Verlagerung des Siedlungsmittelpunkts verbunden war.

Lageplan Bruchsal (nur unterstrichene lokalisierbar): <u>1 Johanniter</u>; 2 Antoniter; <u>3 Kollegiatstift</u>; <u>4 Kapuziner</u>; 5 Jesuiten; <u>6 Barmherzige Brüder</u>. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]
Lageplan Bruchsal (nur unterstrichene lokalisierbar): 1 Johanniter; 2 Antoniter; 3 Kollegiatstift; 4 Kapuziner; 5 Jesuiten; 6 Barmherzige Brüder. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Mit der Stadtkirche Unserer Lieben Frau entstand ein neuer sakraler Mittelpunkt, wobei die Pfarrrechte zunächst bei der Peterskirche verblieben. Die 1472 als Stiftung eines Geistlichen gegründete Haus der Antoniter, das nur wenige Jahrzehnte bis 1527 belegt ist, dürfte innerhalb der Stadtmauern gelegen haben (2). Die erst kurz zuvor fertig gestellte Stadtkirche erhielt mit dem Umzug der Kanoniker des adligen Stifts Odenheim nach Bruchsal im Jahr 1507 einen deutlichen Bedeutungszuwachs, da sie nun zugleich Stadt- und Stiftskirche war (3). Nach der Zerstörung der vor der Stadtmauer gelegenen Kommende 1640 zogen die Johanniter in die befestigte Stadt um und errichteten ihr neues Anwesen in unmittelbarer Nähe zur Stiftskirche. Die Kapuziner hingegen wählten – der Ordenstradition entsprechend – 1669 als Standort für ihre Neugründung einen Platz östlich der sicheren Stadtmauern an der Straße ins Saalbachtal (4). Mit dem Bau des repräsentativen Barockschlosses und der Verlegung seiner Residenz unter Bischof Damian Hugo von Schönborn (1719–1743) wurde Bruchsal zur »Hauptstadt« des Hochstifts Speyer. Mit der Hofkirche und der neu errichteten Peterskirche als Grablege erhielt Bruchsal eine neue barocke Sakraltopographie. Zwei bildungs- und sozialpolitisch wichtige Einrichtungen wurden in der Residenzstadt begründet: ein Kloster und Spital der Barmherzigen Brüder (5) im Jahr 1777 und ein Gymnasium im alten Schloss, das von den Jesuiten (6) betreut wurde, die jedoch bereits 1773 mit der Aufhebung des Ordens Bruchsal wieder verlassen mussten. Verhandlungen mit dem Orden der Englischen Fräulein über die Gründung einer Mädchenschule in Bruchsal führten um 1735 zu keinem Ergebnis.

Bruchsal, Gesamtansicht und Einzelgebäude, 19. Jh. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Bruchsal 1]
Bruchsal, Gesamtansicht und Einzelgebäude, 19. Jh. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Bruchsal 1]

Mit der Mediatisierung des Hochstifts Speyer fiel Bruchsal an das Großherzogtum Baden, das die geistlichen Gemeinschaften vor Ort aufhob – mit Ausnahme von Kloster und Spital der Barmherzigen Brüder, die 1813 wegen fehlenden Nachwuchses ihre Arbeit einstellten.

Zitierhinweis: Wolfgang Zimmermann, Bruchsal, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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