Mannheim
von Wolfgang Zimmermann
Der Aufstieg von Mannheim zur Residenz der Kurpfalz im frühen 18. Jahrhundert war eng verbunden mit der Übernahme der Regentschaft des Kurfürstentums durch die Linie Pfalz-Neuburg im Jahr 1685. Erstmals seit der Reformationszeit regierte mit Philipp Wilhelm (1685–1690) ein katholischer Fürst in Heidelberg. Die Katholiken erhielten das Recht zur freien Religionsausübung. Besonders unter Kurfürst Karl III. Philipp (1716–1742) wurde die bisherige konfessionelle Minderheit stark gefördert.
Die Auseinandersetzungen mit dem reformierten Kirchenrat über die Nutzung der Heiliggeistkirche in Heidelberg als Hofkirche dienten dem Kurfürsten 1720 als Anlass, seine Residenz nach Mannheim zu verlegen. Mannheim war 1607 durch die Kurpfalz zur Stadt erhoben worden. Die Zitadelle Friedrichsburg und die Bürgerstadt Mannheim wurden 1709 miteinander vereinigt. Das typische rechtwinklige Gitternetz der Straßenführung gab Mannheim den Beinamen »Quadratestadt«. Die repräsentative Schlossanlage wurde 1760 vollendet. Die Seelsorge der wenigen Katholiken übernahmen seit 1685 Kapuziner (1) aus Ladenburg. Nach den Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg förderte Kurfürst Johann Wilhelm (1690–1716) den Bau eines Kapuzinerklosters, dessen Kirche 1706 geweiht wurde. Mit der Verlegung von Hof und Verwaltung nach Mannheim 1720 stieg auch die Zahl der Katholiken. Das 1727 gegründete Jesuitenkolleg (3) verdeutlichte mit dem repräsentativen Kirchenbau und der Lage beim Residenzschloss die Nähe der Gesellschaft Jesu zum regierenden Fürsten. Die Jesuitenkirche war die pfälzische Hofkirche. Das Gymnasium erreichte eine weite Strahlkraft. Die dynastischen Beziehungen zu den Unbeschuhten Karmeliten (4) waren der Anlass, ihnen in der jungen Residenzstadt – ebenso wie bereits 1701 in Heidelberg – die Gründung eines Klosters zu gestatten.
Die Mädchenbildung war Aufgabe der Augustinerchorfrauen der Congrégation de Notre Dame (2), die seit 1722 in der Stadt wirkten. Seit 1752 betreuten die Barmherzigen Brüder des Hl. Johannes von Gott (5) das örtliche Spital. Die päpstliche Aufhebung des Jesuitenordens 1773 war der Auftakt für die Säkularisation des frühen 19. Jahrhunderts, dem alle Konvente in Mannheim zum Opfer fielen. Die Niederlassung der Lazaristen (6) im Jesuitenkolleg von 1782 bis 1796 blieb Episode. Seit 1947 bis 2022 wirkten – in historischer Tradition des Kollegs von 1727 – wieder Jesuiten in Mannheim.
Zitierhinweis: Wolfgang Zimmermann, Mannheim, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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