Neuenburg

von Jürgen Dendorfer

Neuenburg, Ansicht von Kloster und Stadtbefestigung aus der Vogelschau (Ausschnitt), Caspar Merian, Kupferstich, 1663. [Quelle: Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar]
Neuenburg, Ansicht von Kloster und Stadtbefestigung aus der Vogelschau (Ausschnitt), Caspar Merian, Kupferstich, 1663. [Quelle: Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar]. Ausschnitt, zum Vergrößern bitte klicken.

Neuenburg wurde um das Jahr 1175 durch Herzog Bertold IV. von Zähringen (1152–1186) an einem Rheinübergang auf Grund und Boden der Zisterze Tennenbach gegründet. Die Zähringerstadt entwickelte sich im 13. Jahrhundert zur bedeutendsten städtischen Siedlung zwischen Basel und Freiburg. Nach dem Ende der Zähringer im Jahr 1218 direkt dem Reich unterstellt, wurde Neuenburg 1331 von Kaiser Ludwig dem Bayern an die Habsburger verpfändet; seitdem gehörte es zu Vorderösterreich.

Lageplan Neuenburg. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]
Lageplan Neuenburg (nur unterstrichene lokalisierbar): 1 Gutnau; 2 Franziskaner; 3 Johanniter; 4 Schwesternsammlung »Zehn arme Schwestern«; 5 Franziskanerterziarinnen; 6 Kapuziner; 7 Pfarrkirche [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Grundriss LAD Freiburg und Jörg W. Busch, Entwurf: Jürgen Dendorfer; Zeichnung: Heribert Feldhaus]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Die Geschichte der Stadt ist seit dem Ausgang des Mittelalters gezeichnet von mehrfachen, weitreichenden Zerstörungen, die dazu führten, dass sich die mittelalterliche Stadtanlage heute nur mehr erahnen lässt. Schon zwischen 1496 und 1525 stürzte das südwestliche Drittel der Stadt in den Rhein, darunter die gotische Pfarrkirche (bis auf den Chor); im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt 1704 eingeebnet und durfte für zehn Jahre nicht mehr besiedelt werden; zuletzt zerstörten Bombardements des Zweiten Weltkrieg bis zu 95 % der Bausubstanz. Bauliche Reste der religiösen Gemeinschaften des Mittelalters und der frühen Neuzeit haben sich deshalb über Tage kaum erhalten. Die reiche urkundliche Überlieferung und archäologische Befunde offenbaren aber eine ausdifferenzierte religiöse Topographie.

Neuenburg am Rhein nach dem Hochwasser von 1525, Topographia Alsatiae von Matthäus Merian und Martin Zeiller, Frankfurt a. M. 1663, Ausgabe der Anna Amalia Bibliothek Weimar Kt 700 - 180 B. [Quelle: Wikisource gemeinfrei]
Neuenburg am Rhein nach dem Hochwasser von 1525, Topographia Alsatiae von Matthäus Merian und Martin Zeiller, Frankfurt a. M. 1663, Ausgabe der Anna Amalia Bibliothek Weimar Kt 700 - 180 B. [Quelle: Wikisource gemeinfrei]

Neben der Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frauen, an der es im Jahr 1493 17 Kaplaneien gab, entstanden seit der Mitte des 13. Jahrhunderts an religiösen Gemeinschaften: südlich der Stadt vor 1256 das St. Blasien unterstehende Frauenkloster Gutnau (1). Um dieselbe Zeit ließen sich auch die Franziskaner (2) in der Stadt nieder. Sie bildeten neben den ebenfalls vor 1257 belegten Johannitern (3) die größte klösterliche Ansiedlung. Erst im Jahr 1374 ist mit den »Zehn armen Schwestern« eine erste Schwesternsammlung (4) belegt, ob diese mit den 1442 einmalig nachgewiesenen Franziskanerterziarinnen (5) identisch ist, lässt sich nicht klären. Nach der Zerstörung des Münsters durch den Rhein diente die Kirche der Franziskaner als Pfarrkirche, das Kloster selbst wurde 1527 aufgehoben. In seine Gebäude zogen 1612 Kapuziner (6) ein, die eine eigene Klosterkirche errichteten. Durch den Rheinübergang und eine gewisse zentralörtliche Funktion für den südlichen Breisgau mag sich erklären, dass in der Stadt mehrere Klöster durch Höfe oder zumindest Häuser präsent waren. Neben Tennenbach und St. Blasien waren das die Freiburger Dominikaner und die Nonnen von Adelhausen bei Freiburg, die Neuenburg benachbarten Frauenklöster Gutnau, Sitzenkirch und Rheintal sowie das Stift Beromünster, heute im Schweizer Kanton Luzern.

Zitierhinweis: Jürgen Dendorfer, Neuenburg, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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