Pforzheim
von Wolfgang Zimmermann
Pforzheim entwickelte sich aus zwei Siedlungskernen: Der älteste schloss topografisch an die um 244/47 als Port(us) genannte römische Siedlung an. Neben einem Herrenhof (curtis) befand sich hier die Pfarrkirche St. Martin, die zusammen mit der Grundherrschaft über den Ort und dem Marktrecht gegen Ende des 11. Jahrhunderts an das Kloster Hirsau gelangte. Westlich dieser später als »Alte Stadt« bezeichneten Siedlung entstand im Hochmittelalter auf der Erhebung des sogenannten »Schlossbergs« eine mit einem Mauerring umgebene Turmburg; hier dürfte sich der salische König Heinrich IV. (1056–1105) in den Jahren 1067–77, mehrfach urkundlich belegt, aufgehalten haben.
Südlich des Schlossbergs entstand ab der Mitte des 12. Jahrhunderts als planmäßige Anlage die »Neue Stadt«, deren Schultheiß und Bürger um 1200 erstmals genannt werden. Pforzheim lag verkehrsgünstig an der Rheinstraße (Via Rheni), die sich von Speyer kommend in einen Zweig über Rottweil an den Bodensee und einen Zweig über Tübingen und Reutlingen nach Ulm teilte, zudem topografisch an der Mündung der Nagold in die Enz.
Durch die Heirat von Irmingard († 1260), der Tochter von Agnes von Staufen, Pfalzgräfin bei Rhein, mit Markgraf Hermann V. von Baden (1190–1243) gelangte Pforzheim in badischen Besitz. Der wirtschaftliche und herrschaftliche Bedeutungsgewinn von Pforzheim, dem Zentrum der »Unteren Markgrafschaft«, manifestierte sich auch in der Niederlassung von Bettelorden in der Stadt. Während sich die Konvente der Franziskaner vor 1270 (2) und Dominikaner vor 1294 (3) innerhalb des städtischen Siedlungskerns unmittelbar an der westlichen (Franziskaner) bzw. östlichen Stadtmauer (Dominikaner) ansiedelten, entstand das Dominikanerinnenkloster schon vor 1257 (1) in der südlich angrenzenden Gerbervorstadt in unmittelbarer Nähe zur Enz.
Östlich davon lag das Heilig-Geist-Spital (4), das 1323 von den Markgrafen von Baden gegründet, vom Orden der Hospitaliter geführt wurde. In Pforzheim hatten die Zisterzienserabtei Herrenalb, die Benediktinerabtei Hirsau und die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal Klosterhöfe. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts konnten die Markgrafen das Patronatsrecht sowohl über die hochmittelalterliche Pfarrkirche St. Martin in der »Alten Stadt« als auch über die erstmals 1260 erwähnte Michaelskirche in der »Neuen Stadt« in ihrem Besitz vereinigen.
1460 erhob Markgraf Karl I. (1453–1475) die Kirche St. Michael auf dem Schlossberg zur Stiftskirche (5), fast zeitgleich mit der Pfarrkirche St. Martin in Ettlingen. Vermutlich sollten die Chorherrenpfründen der beiden Stifte als Grundlage zur Finanzierung einer Universitätsgründung in Pforzheim dienen, die jedoch nach der badischen Niederlage in der Schlacht von Seckenheim 1462 nicht weiterverfolgt wurde. Mit der Teilung der Markgrafschaft Baden in die Linien Baden-Pforzheim (ab 1565 Baden-Durlach) und Baden-Baden stieg Pforzheim nochmals kurzzeitig unter Markgraf Ernst I. (1533/35–1553) zur badischen Residenz auf. Die Stiftskirche St. Michael wurde zur Grablege der ernestinischen Linie des Hauses Baden und blieb dies auch nach der Verlegung der Residenz nach Durlach 1565 bis in das frühe 19. Jahrhundert.
Mit der Einführung der Reformation in Baden-Durlach durch Markgraf Karl II. (1552–1577) im Jahr 1556 wurden das Stift und die Klöster in Pforzheim in den Folgejahren aufgelöst. Die Restitution des Stifts und der beiden männlichen Bettelordensklöster im Dreißigjährigen Krieg blieb eine kurzzeitige Episode. 1636 wurde in Pforzheim auch ein Kapuzinerhospiz (6) gegründet, das nur wenige Jahre bestand. Bereits in der Frühneuzeit wurden Teile der Pforzheimer Klöster abgebrochen. Der britische Luftangriff am 23. Februar 1945 vernichtete die historische Bausubstanz der Stadt fast vollständig. Der spätmittelalterliche Chor der Franziskanerkirche wurde wiederhergestellt, ebenso die ehemalige Stiftskirche St. Michael.
Zitierhinweis: Wolfgang Zimmermann, Pforzheim, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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