Aktenbestandteile verstehen

von Diana Kail

Um die Aussagekraft einer Akte wirklich zu verstehen, muss man sie zunächst genau kennen. Schon der erste Blick auf das Äußere kann viel verraten: Manche Akten sind vollständig und gut erhalten, während andere beschädigt sind und erkennen lassen, dass möglicherweise nicht alle Unterlagen erhalten geblieben sind. Auch der Umfang kann stark variieren: In den Beständen der Sondergerichte Mannheim und Freiburg finden sich sehr schmale Mappen mit wenigen Seiten und auch umfangreiche Aktenbündel.

Zu einem Gerichtsfall existieren in der Regel mehrere Akten mit verschiedenen Zwecken. Zur Dokumentation der Ermittlungen, der Hauptverhandlung und der Haft einer Person gibt es einzelne Ermittlungs-, Haupt- oder Strafvollstreckungsakten. Daneben existierten zahlreiche weitere Aktentypen. In der Überlieferung der Sondergerichte Mannheim und Freiburg finden sich besonders häufig Handakten, die nur die nötigsten Informationen für die Richter enthielten, Beweismappen, in denen etwa Tatortfotografien oder NS-kritische Zeitungen gesammelt wurden, sowie sogenannte Gnadenhefte mit Briefen von Verurteilten und Angehörigen, die wegen Krankheit oder der Geburt eines Kindes um Haftentlassung baten.

Ein Blick ins Innere zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Dokumenten: bunte Strafvollstreckungszettel, Aktendeckel, Verfügungen, Anklageschriften, Anzeigen, Personenerfassungen und tabellarische Geburtsurkunden. Diese Fülle kann leicht überfordernd wirken. Deshalb ist es sinnvoll, die einzelnen Bestandteile Schritt für Schritt kennenzulernen, ihren Kontext zu verstehen und zu erkennen, welche Informationen sie liefern – und auch, was sie auslassen. In der folgenden Darstellung können Bilder einzelner Aktenbestandteile angeklickt werden, um nähere Informationen zu erhalten.

Zitierhinweis: Diana Kail, Aktenbestandteile verstehen, in: NS-Justiz in Baden, URL: […], Stand: 13.11.2025.