Auswanderung aus dem deutschen Südwesten – Einführung

von Annette Riek

Die niederländische Auswanderungsagentur L. W. Renner mit einem Sitz in Mannheim organisierte Überfahrten in die USA. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK 233 Nr. 2617]
Die niederländische Auswanderungsagentur "Schifffahrts Commissair L. W. Renner" mit einem Sitz in Mannheim organisierte Überfahrten in die USA. In dem Schreiben vom 23. April 1847 ging es um die Übernahme von Verpflegungskosten für Auswanderer, die nach New York und New Orleans wollten. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK 233 Nr. 2617]

Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert wanderten viele tausend Menschen aus den südwestdeutschen Ländern aus, fortgetrieben von Armut und Not, angezogen von den Chancen und Möglichkeiten in anderen Ländern, vor allem in Nordamerika. […]

Die Auswanderung aus Baden und Württemberg und der staatliche Umgang mit ihr verliefen in mehreren Phasen, von einem eher restriktiven Umgang, über die Förderung der Auswanderung bis zur bloßen Verwaltung. Auch die Zielländer änderten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts förderten vor allem Österreich und Russland die Einwanderung in nicht oder nur dünn besiedelte Gebiete ihres Herrschaftsbereichs. Wer aus wirtschaftlichen Gründen die Heimat verließ, siedelte sich daher bis Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem in Preußisch-Polen, Russland, Ungarn und Galizien an.

Dies änderte sich mit der ersten großen Auswanderungswelle nach den Krisenjahren 1816/17, als sich viele Auswanderungswillige nun auch nach Nordamerika aufmachten. Von Verwaltungsseite wurde die Auswanderung zu dieser Zeit noch eher kritisch gesehen und versucht zu beschränken, allerdings ohne Erfolg: Trotz eines Rückgangs der Auswanderungen nach 1817 wanderten weiterhin zahlreiche Menschen aus. Mit der Verbesserung der Reisebedingungen und somit auch der Senkung der Reisekosten wurde Amerika nun das bevorzugte Zielland der Auswanderer, was durch besser zugängliche Informationen über die neue Heimat und die Arbeit von Auswanderungsvereinen zusätzlich befördert wurde.

Auch die staatliche Haltung zur Auswanderung änderte sich, so wurden ab den 1830er-Jahren Auswanderungsagenten und Konsuln tätig, die sich um die Organisation der Emigration und die Anliegen der Auswanderer kümmerten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Auswanderung auch finanziell gefördert, um auf diese Weise an anderer Stelle sparen zu können, zum Beispiel an der Armenunterstützung oder der Fürsorge für uneheliche Kinder. Mit der beginnenden Industrialisierung besserten sich die Lebensbedingungen in Baden und Württemberg wieder und wirtschaftliche Not trieb immer weniger Menschen in die Emigration, weshalb bald kein Bedarf mehr für die staatliche Auswanderungsförderung gesehen wurde und die Auswanderung wieder nur mehr zu einem formalen Verwaltungsvorgang wurde.

Hinweis: Dieser Text ist ein Auszug aus einem Beitrag zu Auswanderungsakten im Themenmodul Südwestdeutsche Archivalienkunde. Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag: Annette Riek, Auswanderungsakten.

Zitierhinweis: Annette Riek, Auswanderung aus dem deutschen Südwesten - Einführung, in: Auswanderung aus Südwestdeutschland, URL: …, Stand: 20.11.2023.

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