Thementag Ludwig Marum

Porträt Ludwig Marum

Porträt Dr. Ludwig Marum 1933 (Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

„Erinnern für morgen“ - unter diesem Motto veranstaltet der Landtag von Baden-Württemberg am 21. September einen Thementag mit Sonderschau und Podiumsdiskussion zu „Ludwig Marum (1882-1934)“, Führungen in den Plenarsaal und Besichtigung des neuen Gedenkbuchs für im NS-Staat verfolgte Parlamentarier.

Im Fokus der Sonderöffnung im Besucherzentrum stehen das Gedenken und Erinnern: So wird im Anna-Blos-Saal eine Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, des Landesarchivs Baden-Württemberg sowie des Forums Ludwig Marum e. V. gezeigt. Sie ist dem badischen SPD-Politiker Ludwig Marum (1882-1934) gewidmet, der gemeinsam mit seiner Frau Johanna - neben dem bekannteren Württemberger Eugen Bolz - die Demokratie im Land mitbegründete und verteidigte. Mit der Sonderschau will der Landtag den jüdisch-badischen Demokraten Marum als Identifikationsfigur und Vorbild würdigen und herausstellen. Ludwig Marum war für die Sozialdemokraten im Landtag und in der Landesregierung Badens sowie Abgeordneter des Reichstags, wo er an der Konstruktion der Weimarer Demokratie mitwirkte. 1933 inhaftierten ihn die Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Kislau und ermordeten ihn, seine Frau stand fest an seiner Seite.


Dazu gibt es um 14.30 Uhr ein Podiumsgespräch über das Wirken Ludwig Marums. Teilnehmer sind Alexander Marum, ein Urenkel Ludwig und Johanna Marums, die ausgewiesene Marum-Kennerin Dr. Monika Pohl sowie der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Dr. Michael Blume. Die Moderation übernimmt Dr. Clemens Rehm vom Landesarchiv Baden-Württemberg.

Vervollständigt wird der Thementag durch die Möglichkeit für Besucherinnen und Besucher im neuen, umfassenden Gedenkbuch des Landtags zu blättern oder die Datensammlung am großen Touch-Screen zu erforschen. Das Besucherzentrum ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Anmeldungen sind nicht erforderlich, spontane Besuche ausdrücklich erwünscht!
Ausführliche Informationen zum Thementag finden Sie auf der Homepage des Landtags.

Die "fliegende Brücke" bei Mannheim

"Fliegende Brücke" bei Mannheim, 1669
Fliegende Brücke bei Mannheim, Kupferstich anlässlich der Einweihung, 1669. Auf der Uferseite im Vordergrund warten Kurfürst Karl Ludwig und sein Gefolge auf die Ankunft der Fähre für eine erste Probefahrt. Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg, Graphische Sammlung

Eine „fliegende Brücke“ über den Rhein: Bis zu den Eisenbahnbauten im 19. Jahrhundert waren schwimmende Verbindungen lange Zeit die einzige Möglichkeit, Personen und Güter über den Fluss zu transportieren. Unterhalb von Basel gab es seit 1683 keine einzige feste, auf Pfeilern ruhende Brücke über den Rhein.

Neben geruderten Fähren und stehenden Schiff- oder Pontonbrücken kamen seit dem 17. Jahrhundert sogenannte „fliegende Brücken“ – auch als Gierbrücken bekannt – auf dem Rhein zum Einsatz. Diese Brücken – im Prinzip eine an einem langen Tau geführte Fähre, die von einem zum anderen Ufer pendelt – nutzten zur Fortbewegung die Flussströmung aus. Die erste „fliegende Brücke“ in Deutschland wurde auf Initiative des Pfälzer Kurfürsten Karl I. Ludwig vor 350 Jahren, 1669, in Mannheim in Betrieb genommen – eine kleine technische Sensation für die damalige Zeit. Anlässlich der feierlichen Einweihung erschien ein großer Kupferstich mit Gedichten in Knittelversen. Die ersten beiden Strophen lauten:

Was kann der Mensch nicht tun / mit Vorteil und Verstande!
In Holland segelt man mit Wagen auf dem Sande
So schnell als in der See. Jetzt hat bei uns erdacht
Ein kluger Schiffbaumann / und künstlich ausgemacht

Zu Mannheim eine Brück / die auf dem Wasser stehet /
Und ohne Segels Hülf und Rieme übergehet /
Darauf in einer Fahrt man etlich hundert Mann
Zusammen über Rhein bequemlich führen kann.

Der hier genannte "kluge Schiffbaumann" war Wilhelm Taudpheus, ein Pfälzer aus Bacharach. Im Vergleich zu den bisherigen Ruderponten und stehenden Schiffbrücken bot die Gierfähre entscheidende Vorteile: eine weniger gefährliche Überfahrt, niedrige Unterhaltungskosten und ein geringerer Personalbedarf, da u.a. die menschliche Arbeitskraft zum Rudern entfiel. Die „fliegende Brücke“ in Mannheim hatte Taudpheus zudem so konstruiert, dass sie hohe Transportkapazitäten ermöglichte: „Etlich hundert Mann“ sollen auf dem Lastboden Platz gefunden haben. Mit der Anlage schuf die Kurpfalz eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen ihren links- und rechtsseitigen Landesteilen.

 

Ansichten August Seyffers

Ravensburg
Bleistiftzeichnung von "Ravensburg mit Aussicht auf die Schweizer Gebürge: v. Buracher Hof aus, oder von der Anhöhe links der Landstraße von Altdorf her", entstanden am 27. August 1813. Quelle: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart).

Im Zuge des im 19. Jh. aufgekommenen Interesses an Tradition und Geschichte erfreuten sich Ansichten von Schlössern, Burgen oder in malerische Landschaften eingebundene Ortsansichten großer Beliebtheit. Gleichzeitig wuchs die Erkenntnis, dass "der zerstörende Zahn der Zeit, oder auch der ökonomische Geist des Jahrhunderts" eine Gefahr für die alte Bausubstanz darstellte.

Ganz diesem Sinn war der Maler, Zeichner und Kupferstecher August Seyffer verpflichtet , der ab 1820 die Schriftenreihe "Gegenden aus Württemberg" herausgab, die mit dem o.a. Zitat in der Allgemeinen Literatur-Zeitung vom April 1821 gewürdigt wurde. Seyffer, 1774 in Lauffen am Neckar geboren, hatte die Hohe Karlsschule absolviert und einen Teil seiner künstlerischen Ausbildung in Wien erhalten.

Ab 1807 lebte er in Cannstatt, danach in Stuttgart, wo er ab 1822 das Inspektorenamt am königlichen Kupferstichkabinett innehatte. Zusammen mit seinen Ansichten entstanden zahlreiche Aufzeichnungen zu Dokumentation und Erhalt historischer Architektur und Landschaft, was auch in die Oberamtsbeschreibungen des Königreichs Württemberg Eingang fand.

Cannstatts römische Vergangenheit

Römerkastell Bad Cannstatt
Stuttgart - Bad Cannstatt: Römerkastell. Versuch einer Rekonstruktion des Lagers. Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg; 2010:02:11.

Cannstatts römische Vergangenheit liegt auf einer Anhöhe über dem Neckar und bestand zunächst aus einem der Kastelle, die, wie in Wimpfen oder Köngen, zur Sicherung des Limes errichtet wurden. Nahe dem Cannstatter Lager trafen mehrere Fernstraßen aufeinander. Größere Grabungen im Bereich des Kastells konnten lediglich vor der Errichtung der Reiterkaserne um das Jahr 1910 durchgeführt werden.

Nach dem Abzug der US-Streitkräfte befindet sich hier das Medien- und Kreativzentrum Römerkastell. Über die neben dem Militärlager existierende zivile römische Siedlung war bisher nur wenig in Erfahrung zu bringen, da sich Bodenuntersuchungen wegen der dichten Bebauung schwierig gestalten. Mehrfach wurden Gebäude- und Siedlungsreste im Bereich des heutigen Sparrhärmlingwegs gefunden, der dem Verlauf der alten Römerstraße folgt. Nun lieferte eine vom Landesamt für Denkmalpflege betreute Notgrabung unweit des Römerkastells weitere Erkenntnisse. Reste eines "Streifenhauses", das auch für Gewerbezwecke geeignet war, sowie eines luxuriösen Wohnhauses könnten bisherige Vermutungen bestätigen, dass es sich bei der antiken Siedlung unweit der Fernstraßen um eine bedeutendere Niederlassung handelte.

Weitere Infos zur römischen Geschichte des Südwestens

Mehr zum Limes auch bei der Denkmalpflege Baden-Württemberg

Gast- und Wirtshauskultur

Gasthaus
Gasthof zum Ochsen in Westernhausen, Ortsteil von Schöntal im Hohenlohekreis. Quelle: Landauf, LandApp (Foto hinzugefügt von "Martin Hahn").

Ein kleiner Streifzug durch die baden-württembergische Gast- und Wirtshauskultur.

Gute Außenwerbung ist wichtig, das wusste man auch schon im Mittelalter, als immer mehr Gasthöfe an zentralen Wegeverbindungen für Reisende entstanden. Um potentielle Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen, wiesen bildliche Erkennungszeichen, sogenannte „Ausleger“, auf die Funktion des Gebäudes hin. Als Symbol diente eine zum Wirtshausnamen passende Skulptur. Im Südwesten weit verbreitet: „Rössle“, „Krone“, „Adler“, „Löwen“ und „Sonne“, aber auch „Lamm“ und „Ochsen“. Die frühen Werbeschilder, die mit Tragarmen und Stützen an der Hausfassade befestigt wurden, waren häufig kleine schmiedeeiserne Kunstwerke.

Dass Wirtshausausleger heute wieder im Straßenbild präsent sind, zeigen diese schönen Beispiele aus unserer Landeskunde-App.

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