"Displaced Persons" in Stuttgart

1945 war der Krieg zu Ende. Was wurde aus den Verfolgten des NS-Regimes? In der oberen Reinsburg- bzw. Klugestraße im Stuttgarter Westen hatte die Militärregierung einige Wohnblocks zur Unterbringung von Flüchtlingen (Displaced Persons) beschlagnahmt. Dort waren bis 1949 um die 1500 vorwiegend jüdische Überlebende von Zwangsarbeits- und Vernichtungslagern aus Polen untergebracht, die nach Israel und in die USA emigrieren wollten – wieder ein Lager. Die deutsche Polizei betrachtete die Bewohner als kriminelle Elemente und scheute nicht davor zurück, in Berichten antisemitischen Äußerungen zu verwenden. Am 29.03.1946 fand eine Razzia gegen Schwarzmarkthändler statt. Die Polizei griff zu harten Mitteln und setzte Schusswaffen gegen die aufgebrachten Flüchtlinge ein. Es gab drei Verletzte und einen Toten, den 36-jährigen Samuel Danziger, ein Auschwitz-Überlebender, der am Vorabend aus Frankreich gekommen und seine Familie wiedergefunden hatte. Der traurige Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund von Kompetenzstreitigkeiten zwischen Militärregierung und deutscher Polizei, die nach mehr Machtbefugnissen strebte. Die führenden Köpfe der Gestapo waren verhaftet, die meisten Polizeikräfte ausgetauscht worden. Viele ehemalige Soldaten hatten hier eine Anstellung gefunden. Der Schütze im Fall Danziger wurde nie ermittelt. Für mehr Informationen besuchen Sie den "Virtuellen Geschichtsort Hotel Silber", ein Projekt, das vom Haus der Geschichte betreut wird.

Displaced Persons in Stuttgart
Gedenktafel des Vereins "Zeichen der Erinnerung e.V." für Samuel Danziger und “Displaced Persons” in der Reinsburgstraße 205 – 207 in 70197 Stuttgart

Kultur trotz Krise

Museum digital
Digitale Angebote des Badischen Landesmuseums

Mit der notwendigen Schließung der Museen musste auch das Badische Landesmuseum die Ausstellung „Kaiser und Sultan – Nachbarn in Europas Mitte 1600–1700“ vorzeitig schließen. Doch um die Zeit bis zur Wiedereröffnung zu überbrücken, wird auf der Internetseite des Landesmuseums jeden Tag ein Video veröffentlicht, das spannende Einblicke in die Sammlungen, Projekte und Ausstellungen gibt. Darüber hinaus stellt das Badische Landesmuseum auf LEO-BW zahlreiche Objekte aus dem Digitalen Katalog und der Sammlung Eckert zur Verfügung.

Elisabeth Altmann-Gottheiner – Die erste Hochschuldozentin in Deutschland

Elisabeth Altmann-Gottheiner
Elisabeth Altmann-Gottheiner. Bild entnommen aus dem Beitrag von Dr. Rosmarie Günther in Momente 1|2016.

Wir erinnern an die Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Elisabeth Gottheiner, die am 26. März 1874 als Tochter einer liberalen jüdischen Familie in Berlin geboren wurde und die 1907 zusammen mit ihrem Ehegatten Sally Altmann nach Mannheim kam. Hier arbeitete sie ab 1908 nebenamtlich als Hochschuldozentin der Handelshochschule, eine Vorläuferin der Universität Mannheim - University of Mannheim und war damit damit die erste Hochschuldozentin in Deutschland. Ihr Studium begann sie zunächst in London, wechselte dann nach Berlin, wo sie nicht promovieren durfte und beendete ihre Ausbildung in Zürich. Im März 1925 wurde Elisabeth Altmann-Gottheiner zur Professorin der Handelshochschule ernannt. Ihre Lehrveranstaltungen orientierten sich an aktuellen Themen, oft mit Bezug zu frauenrelevanten Fragen. Während der gesamten Zeit war Elisabeth Altmann-Gottheiner auch in der deutschen Frauenbewegung aktiv. Die englische Frauenbewegung hatte sie vermutlich in jungen Jahren während eines Großbritannien-Aufenthalts kennengelernt. Die letzten Lebensjahre des Paares Altmann/Gottheiner waren überschattet von Krankheit und zunehmendem Antisemitismus. Elisabeth starb am 21.10.1930 in Mannheim. Weiterführende Infos auf LEO-BW und im Artikel in Momente 1/2016.

Die letzten Kriegstage in Heilbronn – Einträge aus der Heilbronner Chronik

Die zerstörte Heilbronner Kilianskirche
Heilbronn zerstört: Die Kilianskirche 1946 [Copyright: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg; 01.08.1946]

Im Frühjahr vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Deutschland. Das Stadtarchiv Heilbronn veröffentlicht aus diesem Anlass bis zum 12. April täglich einen Eintrag der Heilbronner Chronik. Als Verkehrsknotenpunkt und Wirtschaftszentrum war Heilbronn das Ziel vieler Luftangriffe. Die Stadt wurde komplett zerstört. Die nüchternen Einträge der Chronik machen kaum das Ausmaß deutlich, wohl aber organisatorische Maßnahmen der Wirtschaft. Viele Geschäfte zogen um. Mit den Veröffentlichungen möchte das Stadtarchiv einen Ersatz für die abgesagte Gedenkveranstaltung am 3. April anbieten. Diese soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Altehrwürdige Linden

Berühmte Linden des Südwestens
Imposante Bäume: Linden aus der Region Heilbronn-Hohenlohe (Quelle: LABW), oben rechts die Lindenanlage von Neuenstadt am Kocher, Quelle: P. Schmelzle

Sie duften, heilen, beschützten historische Meeting-Points und sind selbst in unbelaubtem Zustand sehenswert: Die Sommerlinde in Blaufelden-Wiesenbach wurde bereits um 1350 in einer Urkunde erwähnt und zählt zu den ältesten Bäumen im Südwesten. Ein weiteres imposantes Beispiel ist die Lindenanlage von Neuenstadt am Kocher. Ursprünglich war hier ein Versammlungsplatz. Herzog Christoph von Württemberg hatte die alte Anlage 1558 mit einer Steinmauer umfassen und als Lustgarten gestalten lassen. Die Säulen, die die Äste und Zweige der „geleiteten Linde“ tragen, wurden von Adelsgeschlechtern der Umgebung gestiftet und mit deren Wappen, Namen und Inschriften versehen. Der Park war so berühmt, dass er als „Neuenstadt an der Linde“ den Ortsnamen prägte. Die heutige Anlage ging aus Neupflanzungen nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hervor. Die alte 400-jährige Linde in Waldenburg musste in den 1960er Jahren gefällt werden. 20 Jahre danach entstand der Lindenplatz nach ursprünglichem Vorbild. Zum Abschluss unseres kleinen Streifzugs ein Exemplar aus Niedernhall am Kocher.

Suche

LEO-BW-Blog

Logo LEO-BW-Blog

Herzlich willkommen auf dem LEO-BW-Blog! Sie finden hier aktuelle Beiträge zu landeskundlichen Themen sowie Infos und Neuigkeiten rund um das Portalangebot. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu den einzelnen Posts.