Die Narren sind los! Zum Schmutzigen Donnerstag

Hemdglunker in Konstanz
Konstanz, Ansichtskarte der Oberrealschule zum Hemdglonkerumzug 1914 (signiert „Eberli“, wohl Schülerarbeit zur Schülerveranstaltung „Hemdglonkerumzug“), Quelle: Wikipedia

Der Schmotzige Dunschtig beginnt vielerorts mit lautstarkem Wecken. Rathäuser und Rektorenzimmer werden gestürmt, Schüler befreit und Krawatten geraubt. Ein weiterer fester Bestandteil des Dunschtigs ist der vor allem in den südlichen Landesteilen beliebte abendliche Hemdglonkerumzug. Nach Einbruch der Dunkelheit versammelt sich eine weiße Schar in Nachthemden, Bademänteln und Schlafmützen und zieht in langen Reihen durch die Gassen. Einer der bekanntesten Hemdglonker wird in Konstanz abgehalten. Schriftliche Hinweise auf herumziehende und –albernde Schüler finden sich in einem Zeitungbericht aus den 1880er Jahren aber keiner weiß so genau, wie alt das Spektakel wirklich ist. Beispiele sind seit dem Mittelalter überliefert. Als besondere Bestandteile werden im Konstanzer Umzug riesige lustige Puppen und große transparente Laternen mit Sprüchen herumgetragen. Das Ganze begleiten Fanfarenzüge. Den Hemdglonker gibt es nicht nur am Donnerstag. Gegenbach feiert am zweiten Samstag vor der Fastnacht und in Radolfzell findet der Hemdglonker am Mittwoch statt.

 

Das Festival Heimattage 2020

Adersbach
Adersbach und Rauhof, Gemarkungsplan der badischen Landesvermessung, Quelle LABW, GLAK H-1 Nr. 13

Heimattage 2020: Das ganzjährige Festival, gleichzeitig offizielles Landesfest von Baden-Württemberg, wird in diesem Jahr von Sinsheim ausgerichtet. Anlass ist das 1250-jährige Stadtjubiläum. Neben Sinsheim und dem bekannten Steinsfurt gehören weitere elf Ortsteile zur der Kraichgau-Gemeinde. Einer davon wird jede Woche auf der Facebook-Seite der Heimattage vorgestellt. Ergänzende Infos gibt es auf LEO-BW. Den Anfang macht Adersbach. Der ländliche Ort ist umgeben von Feldern und Wäldern. Wie die Flurkarte zeigt, sah es im Jahr 1877 ganz ähnlich aus. Heute leben in Adersbach etwas mehr als 600 Einwohner. Die Ortsherrschaft lag seit dem 16. Jahrhundert bei den Freiherren von Gemmingen, die mit dem „Herrschaftshaus“ einen imposanten, im 17. Jahrhundert errichteten Fachwerkbau hinterlassen haben. 1805 kam Adersbach zu Baden. Mehr über die Heimattage finden Sie hier.

Zweimal Eberhard - Eberhard im Bart und sein Nachfolger Eberhard II.

Eberhard Württemberg Herzog II
Eberhard der Zweite. Herzog von Württemberg. Copyright: Tobias-Bild Universitätsbibliothek Tübingen

Zweimal Eberhard: Während Eberhard im Bart als populäre Figur der Landesgeschichte gilt, fiel das Urteil über seinen jüngeren Cousin und Nachfolger Eberhard II. wenig positiv aus. Ulrich, der Vater des jüngeren Eberhard, hatte im Nürtinger Vertrag von 1442 die Teilung Württembergs zwischen sich und seinem Bruder Ludwig festschreiben lassen. Nach Ludwigs Tod 1450 führten die Auseinandersetzungen um die Vormundschaft über die beiden Söhne Ludwigs zu militärischen Konflikten auf Reichsebene, die sich über mehrere Jahre hinzogen und in einem Desaster für Ulrich endeten. Er geriet in Gefangenschaft und wurde erst gegen ein Lösegeld freigelassen. Eberhards Verhältnis zu seinem Vater war schwierig. 1477 ermöglichte ein Hausvertrag dem jüngeren Eberhard die Nachfolge im Uracher Landesteil, der von Eberhard im Bart regiert wurde. Doch gegenüber seinem politisch gewiefteren und von Ulrich unterstützten Cousin blieb er praktisch machtlos. Die Aufhebung der Landesteilung im Münsinger Vertrag 1482 verschärfte die Situation, zudem residierte Eberhard im Bart nun ebenfalls in Stuttgart. Nach dessen Tod 1496 trat der jüngere Eberhard die Nachfolge im unlängst zum Herzogtum erhobenen Württemberg an. Bald musste er die Herrschaft mit einem Regentschaftsrat teilen, wurde schließlich ganz entmachtet und floh nach Ulm. Er starb am 17. Februar 1504 im pfälzischen Exil. In die Geschichte ging Eberhard II. als charakterschwacher und verschwenderischer Versager ein. Das düstere Bild wurde inzwischen als Produkt zeitgenössischer Propaganda entlarvt. Die ausführliche Geschichte aus „Das Haus Württemberg: ein biographisches Lexikon“ auf LEO-BW.

Hüttenzauber im Schwarzwald

Gasthaus zum Schwarzwälder Hof
Gasthaus zum Feldberger Hof im Schwarzwald. Quelle: LABW, GLAK 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 81 a, 110

Hüttenzauber im Schwarzwald: Zu den Pionierinnen in Sachen Wintertourismus gehört die auch als Feldbergmutter bekannte Fanny Mayer. Die in den 1860er Jahren eingerichtete Gastwirtschaft unterhalb des Feldberggipfels übernahm 1879 der Pächter Carl Mayer. Zwei Jahre später starb Carls Frau im Kindbett. Im bitterkalten Februar 1881 reiste Schwester Franziska aus Basel an, um der Familie beizustehen. Die Winter waren schneereich, eine befestigte Straße wurde erst 1885 fertiggestellt. Fanny, die nur vorübergehend bleiben wollte, gab ihre Stellung in Basel auf. Sie wurde nicht nur zur liebevollen Ziehmutter für den verwaisten Neffen Oscar, sondern auch zur Seele und treibenden Kraft des Feldberger Hofs, der durch die Ära des Skisports starken Zulauf erhielt und in mehreren Etappen zu einem großen Hotel mit Tagesgastronomie ausgebaut wurde. Schon 1891 gründeten Skibegeisterte aus Todtnau den heute noch bestehenden Skiclub. 1934 starb Fanny Mayer mit 83 Jahren. Eine Gedenktafel an der von ihr gestifteten Kapelle neben dem heutigen Sporthotel erinnert an sie. Ein literarisches Denkmal für die Feldbergmutter entstand mit dem Roman „Winteräpfel“. Bild: Der alte Feldberger Hof 1896, Quelle LABW, GLAK 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 81 a, 110. In den 1970er Jahren entstand ein neuer Hotelkomplex.

Die Geschwister Reiß in Mannheim

Die Geschwister Reiß in Mannheim
Die Geschwister Reiß in Mannheim. Quelle: Reiss-Engelhorn-Museen

An die Namen der Geschwister Reiss erinnert der Name der Reiss-Engelhorn-Museen. Carl Reiß wurde am 15.02.1843 in Mannheim geboren und machte in den Gründerjahren Karriere, zuletzt als Direktor und Aufsichtsrat in den Führungsetagen von mehr als 25 Banken, Industrieunternehmen und Versicherungen. Nach dem frühen Tod seiner Frau Bertha, der Tochter des BASF-Gründers Friedrich Engelhorn, übernahm seine Schwester Anna die repräsentativen Pflichten. Die sehr selbstbewusste und selbstständige Anna (1836-1915) hatte einige Jahre als Schauspielerin und Sängerin gearbeitet. Die Villa der Geschwister in E 7, 20 der Quadratestadt wurde zu einem kulturellen Zentrum. Sie förderten junge Talente und stifteten größere Summen für Kunst, Kultur, Wissenschaft und soziale Zwecke. Nach dem Tod der Geschwister, Carl Reiß starb 1914, ging das Vermögen an die Stadt Mannheim mit der Auflage zur Einrichtung eines Museums. Erst 1957 konnte die Verfügung mit der Eröffnung des Reiss-Museums im Mannheimer Zeughaus umgesetzt werden. 2001 wurde mit der Gründung der Curt-Engelhorn-Stiftung das Museum in Reiss-Engelhorn-Museen umbenannt. Mehr zur Anna und Carl Reiß auf LEO BW und auf der Seite der Reiss-Engelhorn-Museen.

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