Die Kriegstagebücher des Fürsten Wilhelm von Hohenzollern

Fürst Wilhelm von Hohenzollern in rumänischer Uniform, 1911 (Landesarchiv StAS FAS HS 1-80 T 14 Nr. 12)
Fürst Wilhelm von Hohenzollern in rumänischer Uniform, 1911. Diese Uniform hat der Fürst nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges vermutlich nicht mehr getragen (Landesarchiv StAS FAS HS 1-80 T 14 Nr. 12)

Im Fürstlich Hohenzollernschen Haus und Domänenarchiv, das im Staatsarchiv Sigmaringen hinterlegt ist, haben sich zahlreiche Kriegstagebücher des Fürsten Wilhelm von Hohenzollern (1864– 1927) aus dem Ersten Weltkrieg erhalten.(Link zur Quelle).

Nach Beendigung seines Studiums war der damalige Erbprinz Wilhelm 1886 in das 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam eingetreten, wo er zum Bataillonskommandeur und Oberstleutnant avancierte. Mit Uniformteilen dieses Regiments hatte sich übrigens 1906 Friedrich Wilhelm Voigt als Hauptmann von Köpenick ausstaffiert. Beim 2. Garderegiment zu Fuß in Berlin stieg er anschließend zum Generalmajor auf. Nach dem Tod seines Vaters, Fürst Leopold von Hohenzollern (1835–1905), wurde er Chef des preußischen Füsilier-Regiments Fürst Karl Anton von Hohenzollern (Hohenzollernsches) Nr. 40 und 1915 Inhaber des Bayerischen Infanterieregiments Nr. 22.

Seinen aktiven Militärdienst hatte Fürst Wilhelm zu Beginn des Ersten Weltkrieges längst beendet. Dennoch sah er in ihm ein entscheidendes Ereignis seiner Epoche, wie die zahlreichen, eigenhändig angefertigten Kriegspapiere zeigen. In einer Serie von 24 Kriegstagebüchern finden sich sechs Bände, in denen – beginnend am 28. Juli 1914 und am 12. Juli 1916 endend – sowohl das allgemeine militärische und politische Geschehen als auch persönliche Eindrücke des Fürsten von Frontbesuchen beschrieben werden. So reiste er im August 1914 nach der Schlacht in Lothringen in das damals deutsche Sarrebourg. Unter dem 31. August vermerkte er folgende unerhörte Tatsache: Als die Schlachtfelder um Saarburg aufgeräumt werden sollten, da hat der Bürgermeister […] die Schulkinder unter 14 Jahren dazu kommandiert. Dieser Einsatz von Kindern konnte nur aufgrund energischen militärischen Einschreitens verhindert werden.

Die weiteren 18 Bände dieser Serie von Kriegstagebüchern sind mit der Bemerkung Geheim und vertraulich – Kriegstagebuch Nr. 9 bis 26 überschrieben. Auf der ersten Innenseite jedes Bandes findet sich der Eintrag Rumaenien und die Gestaltung seines Verhältnisses zu den Kaisermächten nach dem Hinscheiden des Königs Carol I. am 10 Oktober 1914. Zu Beginn dieser Aufzeichnungen erläutert Fürst Wilhelm, dass sein Onkel, König Carol I. von Rumänien, im Sommer 1914 den Eintritt Rumäniens in den Krieg an der Seite der Mittelmächte gemäß bestehenden Geheimvertrags im Kronrat nicht durchsetzen konnte. Nachfolger Carols I. als König von Rumänien wurde Ferdinand, der jüngere Bruder des Fürsten Wilhelm. Unter seiner Herrschaft blieb das Land zunächst neutral, trat aber im August 1916 an der Seite der Entente in den Krieg ein.

Die Aufzeichnungen des Fürsten Wilhelm über Rumänien sind eine Sammlung, bestehend aus Abschriften von Briefen und Zeitungsartikeln, Aktenauszügen sowie Beschreibungen der rumänischen Minister und Politiker. Die Aufzeichnungen entstanden wohl erst in den 1920er Jahren und sind in einem Fluss geschrieben. Sie enden abrupt am 30. Mai 1917 auf Seite 4266.

 Birgit Meyenberg

Quelle: Archivnachrichten 48 (2014), S. 7.