Diebstahl von Tafelsilber

Ermittlungen auf Schloss Weikersheim 1725

Die Klappgabel brachte Schreiner Peter Weber kein Glück. Vorlage: LABW, HZAN We 41 Schubl. 61 Fasz. 61.
Die Klappgabel brachte Schreiner Peter Weber kein Glück. Vorlage: LABW, HZAN We 41 Schubl. 61 Fasz. 61.

Actum Weikersheim 4. & 5. July anno 1725. Nachdem in der abgewichenen Nacht aus der Nachtischstuben, die silberne Löffel nebst Messern und Gabeln miteinand entwendet worden, als ist deswegen auf herrschaftl. gnädigsten Befehl folgende Inquisition darüber angestellt.

Die Befragung der Spinnerin, der Mägde und der Spülerin, des für die Sicherheit zuständigen Torwarts Klemm und seiner Frau brachten wenige Erkenntnisse in dem Fall des verschwundenen kostbaren Essbestecks. Die Magd Clara Stöhr und ihre Kollegin waren die letzten im Raum, in dem das Gesinde aß und hatten diesen gegen 20 Uhr verlassen und beede Thür vorher ordentlich zugeschlossen. Die beiden Schlüssel waren vorschriftsgemäß verwahrt. Heut frühe um 7. Uhr habe sie allein die Nachtischstuben gesäubert, von dieser Sache aber noch nichts wahr genommen, bis auff d. Mittag, als sie die Tische decken wollen, hätte sie die Tischtücher und Servietten alle untereinand geschmissen gefunden. Torwart Klemm bekümmerte der Vorfall sehr und er beteuerte, dass ihm in seiner Zuständigkeit bis dato nichts verlohren gegang sei.

Freiwillig stellte sich der dreiste Besteckdieb nicht, trotz der öffentlichen Ankündigung die Strafen bei Rückgabe des Diebesguts zu recompensieren. Doch dann wurden weitere kostbare Silbergegenstände im Schloss extradirt und das ermittelnde Amt zählte eins und eins zusammen. Die Gelegenheit zu diesem zweiten Diebstahl hatte Peter Weber gehabt, ein 30-jähriger Schreiner aus Elpersheim, der zur fraglichen Zeit im Schloss mit der Reparatur eines Billiardtisches beschäftigt war. Bei einer angeordneten Durchsuchung seines Hauses fand man in der Nagelkiste eine kleine Klappgabel. Schnell zeigte sich, sie gehörte zum gesuchten Diebesgut: 1 zusammen gelegt Besteck mit Silber beschlagen von Helffenbein. Weber hatte das restliche Gestohlene längst versetzt und die weitere Befragung zeigte: Peter Weber war definitiv kein Gelegenheitsdieb! Bis es ihn nach Hohenlohe verschlug, war er als Musketier und Schreinergeselle schon weit in anderen Herrschaftsgebieten herumgekommen. Und hier und da hatte er plötzlich ein paar Gulden mehr in der Tasche gehabt, während andere sie schmerzlich vermissten.

Die kleine Klappgabel wurde dem mehrfach gesuchten Dieb zum Verhängnis. Peter Weber wurde am 14. Dezember 1725 mit dem Schwert zum Tode gerichtet. Das zweizinkige Corpus Delicti aus der Nachtischstube in Schloss Weikersheim hat es zusammen mit der Fallakte bis ins Hohenlohe-Zentralarchiv nach Neuenstein geschafft. In Weikersheim selbst haben sich nur prachtvolle Prunkbestecke des Grafen erhalten.

Dinah Rottschäfer

Quelle: Archivnachrichten 59 (2019), S. 21.