Ritterstift St. Peter

Chor der Stiftskirche zu Wimpfen im Tal. Copyright: LMZ BW
Chor der Stiftskirche zu Wimpfen im Tal. Copyright: LMZ BW
Wann genau das Kollegiatstift zu Wimpfen im Tal gegründet wurde, ist nicht mehr zu ermitteln. In den Ungarnstürmen um 900 zerstört, wird es in einer Urkunde Kaiser Ottos des Großen von 965 erstmals erwähnt. Seine Anfänge sind aber sicher schon im späten 7. oder frühen 8. Jh. zu suchen, im Kontext der Wormser Missionierung und Pastorisierung im Neckarraum. Die Schlüsselposition, die ihm dabei zukam, wird nicht zuletzt darin deutlich, dass es unmittelbar dem Bischof zugeordnet war und sein Vorsteher jahrhundertelang als einer der vier Archidiakone der Wormser Diözese fungierte. Der Archidiakonat des Propsts von Wimpfen reichte links des Neckars von Besigheim bis vor Heidelberg.

Den Stiftspropst ernannte anfangs der Bischof von Worms; seit dem 13. Jh. wurde er vom Kapitel gewählt. Als sein Vertreter ist seit dem 12. Jh. der Dekan bezeugt, der bald eine immer größere Bedeutung erlangte und seit 1632/34 dem Stift allein vorstand. Ein Offizial tritt erstmals 1312 in Erscheinung. Die Zahl der Kanonikerpfründen, für deren Erwerb adlige Herkunft oder ein akademischer Grad erforderlich waren – daher die Bezeichnung Ritterstift –, belief sich zunächst auf zwölf; im späten 13. Jh. kamen sechs sogenannte Sexpräbenden (Halbpfründen) hinzu und bis zum Ende des 14. Jh. auch noch 22 Vikariatspfründen. Dignitäten waren die Propstei, die Dechanei und die Kustodie. Die Stiftsangehörigen rekrutierten sich zumeist aus dem Adel und dem städtischen Bürgertum der näheren und weiteren Umgebung, erlangten ihre Pfründen aber mitunter auch aufgrund königlicher Erster Bitten. 1803 zählte man nur noch sechs Kapitulare, drei Domizellare und vier Vikare.

Die Vogtei über das Stift hatten 1143 die Grafen von Lauffen; 1281 zog der König sie an sich. 1382 wurden damit die Pfalzgrafen bei Rhein betraut, im 15. Jh. vorübergehend die Neipperg und schließlich 1504 die Herzöge von Württemberg. Der stiftische Besitz lag beiderseits des Neckars, hatte indes nach 1300 seine Schwerpunkte im östlichen Kraichgau und im Zabergäu; bis ins 14. Jh. gehörte dazu auch die Herrschaft über die Talstadt Wimpfen.

Die Stiftskirche, in deren unmittelbarer Nachbarschaft eine Reihe von Stiftsgebäuden aus dem 18. Jh. noch heute erhalten ist, entstand im 13. Jh. anstelle eines frühromanischen Zentralbaus, dessen Westwerk der frühgotische Neubau (seit 1269) bewahrt hat. Die unter dem Stiftsdekan Richard von Deidesheim erbaute Kirche – eine dreischiffige Gewölbebasilika, mit Querhaus und drei polygonalen Apsiden – orientiert sich an französischen Vorbildern (opere francigeno) und zählt unter die bedeutendsten Kunstdenkmäler Baden-Württembergs. Neben dem Hochaltar zu Ehren St. Peters sind in der Kirche und ihren Kapellen für das 14. Jh. folgende Altarpatrozinien nachgewiesen: St. Maria, St. Eucharius, Heilige Drei Könige, St. Kilian, St. Johannes, Heilig-Kreuz, St. Nikolaus, St. Katharina und St. Michael.

Kurt Andermann

Veröffentlicht in: Der Landkreis Heilbronn. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2010, Bd. 1, S. 339.