Mit Brief und Siegel

Die Rückeroberung der Festung Hohenzollern 1635

Plan eines verborgenen Ausganges aus der Festung Hohenzollern, um 1635, Vorlage: Landesarchiv BW, StAS FAS HH 1-50 T 1-5 A 11
Plan eines "verborgenen" Ausganges aus der Festung Hohenzollern, um 1635, Vorlage: Landesarchiv BW, StAS FAS HH 1-50 T 1-5 A 11

Nach ihrer Niederlage gegen die kaiserlichen Truppen in der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 zogen die Schweden vollständig aus Süddeutschland ab und das mit ihnen verbündete Württemberg wurde von kaiserlichen Truppen besetzt. Einige Höhenfestungen konnten sich zunächst gegen die Feinde behaupten – so auch die Festung Hohenzollern, welche die Württemberger 1634 erobert hatten. Nun wollten das katholische Adelshaus der Hohenzollern und kaiserliche Truppen unter bayerischer Beteiligung sie gemeinsam zurückerobern.

Die württembergische Burgbesatzung unter dem Kommandanten Albrecht Schmidtlapp bestand aus 45 Söldnern; zudem hatten Personen aus umliegenden württembergischen Orten auf der Festung Schutz gesucht. Es gab schon Ende 1634 Kämpfe, Gefangennahmen und einige kurze Einschließungen der Festung. Anfang Oktober 1635 kamen weitere kaiserliche Truppen unter dem Befehl des Obristen Johann Georg von Karthausen und schlossen die Festung für die geplante Eroberung ein.

Am 17. Oktober hörte die Festungsbesatzung abends zunächst einen großen Lärm. Am nächsten Morgen ließ Karthausen dem Kommandanten eine Nachricht überbringen. In dieser teilte der Obrist Schmidtlapp mit, seine Soldaten hätten am Vorabend einen Bauern erschossen. Er habe ein verschlossenes Schreiben, das dieser bei sich getragen hatte, geöffnet und gelesen. Den ungewöhnlichen Schritt, es an seinen Feind weiterzugeben, erklärte er damit, dass der Inhalt für beide Seiten vorteilhaft sei.

Der Brief mit Unterschrift und Siegel Herzog Eberhards III. von Württemberg war auf den 4. Oktober datiert. Der Herzog befahl dem Kommandanten darin, die Festung Hohenzollern unter dem Schein dringender Noth an ihre alten Eigentümer zurückzugeben, da dies zur Wiederbringung der allgemeinen Ruhe dienlich sein könnte und er vorhabe, mit dem Kaiser Frieden zu schließen. Schmidtlapp zögerte 13 Tage, bis er sich dazu durchrang, die Festung gemäß dem herzoglichen Befehl zu übergeben.

Die Übergabe fand am 1. November 1635 statt. In einem Akkord legten die Kriegsparteien die Konditionen sowie den Ablauf der Übergabe fest. Am selben Tag zogen die Württemberger wie vereinbart frei und sicher mit sechs Wagen von der Festung ab. Bestimmt geschah dies unter höhnischem Gelächter der Belagerer, denn Karthausen hatte Schmidtlapp mit einer Kriegslist getäuscht: Der kluge Obrist hatte in Hechingen ein Blankopapier mit der Unterschrift und dem Siegel des Herzogs gefunden, darauf den angeblichen Befehl des Herzogs schreiben lassen und die List mit dem angeblich getöteten Bauern eingefädelt.

Die Festung erhielt nunmehr eine kurbayerische Besatzung, die jedoch nur 18 Monate blieb. Ab dem 1. Mai 1637 stellte Fürst Eitelfriedrich von Hohenzollern wieder die Burgbesatzung.

Nadja Diemunsch

Quelle: Archivnachrichten 57 (2018), S. 45

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