Die Schlacht bei Nördlingen, 1634; Illustration aus dem Theatrum Europaeum, Bd. 3 [Quelle: Württembergische Landesbibliothek]

Die Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 war ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges mit weitreichenden Folgen. Die vernichtende Niederlage der Schweden führte nicht zu der im Prager Frieden angestrebten Lösung, sondern schon bald zu neuen Bündnissen und dem aktiven Kriegseintritt Frankreichs. Das Kriegsgeschehen verlagerte sich und betraf nun Regionen, die bisher verschont geblieben waren, so Württemberg. Die Zivilbevölkerung hatte unter immer neuen ungeheuerlichen Strapazen zu leiden.

Das Datum der Schlacht bei Nördlingen nehmen wir zum Anlass, unser neues LEO-BW-Themenmodul vorzustellen, das sich der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges von verschiedenen Seiten annähert.

Was hat ein Fenster in Prag mit dem deutschen Südwesten zu tun? Warum wurde 1622 eine Wagenburg den badischen Truppen bei Wimpfen zum Verhängnis? Wie kamen so viele Heidelberger Bücher in den Vatikan? Dauerte der Dreißigjährige Krieg eigentlich 32 Jahre? Und wieviel kostete der Westfälische Frieden?

Der Krieg, der zwischen 1618 und 1648/50 in verschiedenen Regionen des Alten Reiches tobte, hat im Südwesten tiefe Spuren hinterlassen. Die betroffenen Territorien, ihre Untertanen und Herrscher gerieten zum Spielball der militärischen Auseinandersetzungen, wurden Gegenstand oder zu Handelnden erbitterter politischer Streitigkeiten und hatten unter den aus dem Krieg entstandenen ökonomischen und sozialen Verwerfungen zu leiden. Bis heute sind die Geschehnisse und Verheerungen präsent in Berichten, Bräuchen und Legenden, sogar Flurnamen. Das Themenmodul verfolgt die Spuren aus landesgeschichtlicher Perspektive. Dabei werden ganz unterschiedliche Aspekte in den Blick genommen. Die über 70 Beiträge behandeln Territorien und Regionen des Südwestens, zentrale Ereignisse, bedeutende Persönlichkeiten oder die Auswirkungen des Krieges. Themen sind auch besondere Umweltbedingungen jener Zeit und andere Einflussfaktoren sowie Quellen, die einen unmittelbaren Einblick in die Verhältnisse des Krieges gewähren. Ergänzende Informationen wie Bilder und Kartenmaterial sowie weitere Angebote im Portal können komfortabel über eingebaute Links aufgerufen werden.

Entwickelt wurde das Themenmodul im Rahmen des „Forschenden Lehrens und Lernens“ von der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart in Kooperation mit dem Landesarchiv. Dabei waren neben Landeshistorikerinnen und Landeshistorikern auch zahlreiche Studierende und wissenschaftliche Nachwuchskräfte als Autorinnen, Autoren, Redakteurinnen und Redakteure beteiligt. Die Inhalte stehen wie immer allen persönlich und wissenschaftlich Interessierten zur Verfügung.

Hier finden Sie den Artikel zur Schlacht bei Nördlingen

Hier geht es zum Themenmodul Der Dreißigjährige Krieg

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Dass die Region um Oberndorf am Neckar bereits in römischer Zeit von Interesse war, zeigt der wiederaufgebaute Wachturm des Römerkastells bei Waldmössingen, der einen Abschnitt der Ost-Westverbindung von Augsburg über das Kinzigtal nach Straßburg sichern sollte. Die heutige überregionale Bekanntheit der wohl durch die Herzöge von Teck Mitte des 13. Jh. gegründeten Stadt rührt von der hier ansässigen Waffenindustrie, an deren Anfängen die Königlich Württembergische Gewehrfabrik stand. Dazu wurden um 1812 die offenbar als nutzlos betrachteten Gebäude des Augustinerklosters umgebaut, heute teilweise Kulturzentrum und eines der Wahrzeichen von Oberndorf. Das Augustinerkloster entstand um die Mitte des 13. Jh. zunächst als Frauenkonvent. Nach wirtschaftlichem und religiösem Niedergang wurde es Mitte des 16. Jh. in ein Männerkloster umgewandelt. Daneben existierte in Oberndorf bis zum Beginn des 19. Jh. ein Dominikanerinnenkloster. Mit dem Übergang Oberndorfs an Württemberg diente das Augustinerkloster für einige Jahre als Kaserne. Später waren außer der Produktion noch Wohnräume der Fabrikmitarbeiter in den Gebäuden untergebracht, sowie das Magazin in einem Teil der Klosterkirche. Die Umwandlung ehemaliger Klöster im Zuge der Industrialisierung war indessen nicht ungewöhnlich und wurde auch andernorts praktiziert, wie in Wittichen, das eine Blaufarbenfabrik beherbergte. Die Einwohnerschaft Oberndorfs trug alles mit Fassung. Nachdem der Ort 1810 zur Oberamtsstadt des Königreichs Württemberg wurde, entstand 1868 die Oberamtsbeschreibung, die ihnen bescheinigte „ ... großer Fleiß, Sparsamkeit und viel kirchlicher Sinn sind vorherrschend. Nebenbei fehlt es ihnen nicht an heiterem Sinn, Geselligkeit und freundlichem Entgegenkommen“. Diesen bewiesen sie auch, als um 1887 Gesandte aus Konstantinopel für einige Zeit in die Stadt kamen, die die Lieferungen der Gewehrfabrik überprüfen sollten. Dazu wurde eigens ein Gebäude in maurischem Stil errichtet. Dauerhafte Spuren hat die Anwesenheit der türkischen Kunden in der Oberndorfer Fastnacht hinterlassen. Als Teilnehmer des Narrensprungs brachten sie Orangen und Feigen unter das erfreute Volk, was die „Schantle“, die in Erinnerung daran bis heute Orangen verteilen, in die Brauchtumspflege aufnahmen. Das dunkelste Kapitel der Oberndorfer Rüstungsindustrie kam mit dem Zweiten Weltkrieg, als um die 12.000 Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, die in teils KZ—ähnlichen Lagern untergebracht waren. Dazu zählte das im Auftrag der Gestapo errichtet „Arbeitserziehungslager Aistaig“ (AEL), an das seit 2007 ein Gedächtnisplatz erinnert.

Hier finden Sie den Flyer zum Aktionstag Geschichte am 25. September

Mehr zur Geschichte Oberndorfs gibt es auf LEO-BW mit den Themen

 

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Tragekissen zum Transportieren schwerer Lasten

Tragekissen, die zum Tansport schwerer Lasten auf dem Kopf genutzt wurden (Quelle: Freilichtmuseum Beuren)

Das Tragen schwerer Lasten auf dem Kopf war auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine gängige Transportvariante. Als Hilfsmittel dienten speziell dafür gefertigte Tragekissen, wie dieses Beispiel aus dem Freilichtmuseum Beuren zeigt. Die Tragekissen, auch „Baust“ oder „Bäuschle“ genannt, wurden aus verschiedenen Stoffstücken zusammengenäht. Gefüllt wurden sie mit Stoffresten, Spelzen oder Getreidekörnern. Vor allem Frauen benutzten die Kissen zum Tragen von Körben oder Töpfen.

Eine zweistufige Ruhebank zwischen Weilheim und Nabern

Alte Ruhebank zwischen Weilheim und Nabern 1939 [Copyright: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg; 29.11.1939]

Bei den langen Wegen, beispielsweise mit schweren Wassereimern aus dem Tal hinauf auf die wasserarme Alb, waren Ruhebänke, sogenannte „Gruobbänke“, ein ersehnter Rastort. Bei den Ruhebänken, die zumeist aus Stein oder Holz gefertigt waren, handelte es sich um zweistufige Bänke. Die Last wurde auf der oberen Stufe abgestellt, die untere Stufe wurde zum Ausruhen genutzt. Beim Weitergehen konnten die Körbe oder Eimer ohne allzu große Anstrengung wieder auf den Kopf genommen werden. Bis heute kann man Ruhebänke in Baden-Württemberg finden, bevorzugt wurden sie vor oder nach Anstiegen, an Wegkreuzungen und meist im Schatten von Bäumen errichtet.
Weitere Beispiele für Tragekissen und die darauf passenden Transportkörbe aus dem Städtischen Museum Welzheim und dem Heimatmuseum Altes Rathaus in Loßburg finden Sie auf der Seite museum-digital:baden-württemberg.

 

 

 

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Am 9. September 1962 blickte die Welt auf Ludwigsburg. Die Rede des französischen Präsidenten an die deutsche Jugend, die zu Frieden und Völkerverständigung zwischen den ehemaligen „Erbfeinden“ aufrief, jährt sich heute zum 60. Mal. Vertrauen und Freundschaft sollten dazu beitragen, den Weg in ein vereintes Europa zu ebnen. Die mitreißende Rede zog alle in ihren Bann. 17 Jahre nach Kriegsende sollte nicht die Schuld der Vergangenheit  sondern die Perspektive auf die Zukunft im Mittelpunkt stehen. Eine ungeheure Menschenmenge war gekommen, um den Präsidenten zu erleben. Schulen hatten dazu aufgefordert nach Ludwigsburg zu fahren. Viele Jugendgruppen waren eingeladen. Das Sicherheitskonzept sah eine streng begrenzte Anzahl von Besuchern vor, die Zugang zum Schlosshof bekommen sollten, wo die Rede stattfand. Aus heutiger Sicht undenkbar und entgegen dem Protokoll wurden die Pforten geöffnet für alle, die Platz fanden. Zur Überraschung der Anwesenden hielt der Präsident seine Rede auf Deutsch und unterstrich damit seine Botschaft zur Überwindung von Barrieren und zum gegenseitigen Kennenlernen. Ein Ergebnis der Aussöhnung war die Gründung des deutsch-französischen Jugendwerks. 

Der diesjährige Festakt wird durch ein breitgefächertes Angebot bereichert. Hier eine Auswahl:

 

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Ansichten von Bad Wildbad. Quelle: Haus des Dokumentarfilms. Über 180 weitere Filmausschnitte, die spannende Einblicke in Leben und Alltag im Südwesten geben, finden Sie hier

Das Haus des Dokumentarfilms stellt auf LEO BW über 180 Filmausschnitte zur Verfügung, die Einblick in das Leben und den Alltag vergangener Tage geben. Dieses Video von 1928 zeigt Ansichten aus Bad Wildbad und eine Fahrt mit der Sommerbergbahn. Die Kurstadt Bad Wildbad ist eingebettet in das stille Tal der Enz im nördlichen Schwarzwald. Seit 1908 bringt die beliebte Sommerbergbahn Fahrgäste von Bad Wildbads Zentrum nach oben auf das Hochplateau des Sommerbergs. Die Idee einer Bergbahn, die mit ihrer Gleisanlage ein weithin sichtbares Band von der Stadt und ihren Bädern und dem Sommerberg darstellen sollte, entstand bereits 1898. Umgesetzt wurden die Pläne jedoch erst 1907 durch eine Bürgerinitiative, die eine Bergbahn-Aktiengesellschaft gegründet hatte. Nach erfolgreicher Eröffnung im Jahr 1908 erkannte die Stadt Wildbad sehr rasch den Nutzen und übernahm die Bahn. Seitdem wird die Sommerbergbahn als kommunaler Eigenbetrieb geführt. Die erste Wagengeneration konnte bereits bis zu 56 Personen vom Tal auf den Sommerberg transportieren, war aber wesentlich langsamer unterwegs als die heutigen Wagen der vierten Generation. An der schönen Aussicht, die man vom Sommerberg ins Enztal hat, hat sich bis heute wenig geändert. Jedoch kamen zahlreiche Attraktionen hinzu, wie beispielsweise der 2014 eröffnete Baumwipfelpfad, der eine außergewöhnliche Perspektive über den Schwarzwald bietet, und die 2018 eröffnete Hängebrücke.
Der schöne Ausblick vom Sommerberg und die Bergbahn waren auch beliebte Motive der beiden Fotografen Karl Blumenthal und Dieter von Schoenebeck. Karl Blumenthal war königlicher Hoffotograf und hatte ein Atelier in Wildbad, das 1950 von Dieter von Schoenebeck übernommen wurde. Die Fotosammlung der beiden Fotografen dokumentiert umfassend die Entwicklung Bad Wildbads während des 20. Jahrhunderts. 2002 übernahm das Hauptstaatsarchiv die Sammlung. Die digitalisierten Fotografien finden Sie hier. (JH)

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