Cornelia Goethe um 1770, Zeichnung von Johann Ludwig Ernst Morgenstern, Quelle: Wikipedia gemeinfrei

Cornelia Goethe um 1770, Zeichnung von Johann Ludwig Ernst Morgenstern, Quelle: Wikipedia gemeinfrei

Cornelia Friederica Goethe, die Schwester Johann Wolfgang von Goethes, kam durch ihre Eheschließung ins markgräfliche Baden. Sie wurde am 7. Dezember 1750 in Frankfurt geboren. Die Eltern legten Wert darauf, dass ihre beiden überlebenden Kinder eine gute Ausbildung erhielten. Zu den Unterrichtsfächern zählten Sprachen, aber auch Recht, Mathematik und Geographie, ferner Fechten und Reiten sowie musische Sparten. Wie aus Bemerkungen des Bruders hervorgeht, war Cornelia äußerst intelligent und begabt. Beide verband die Begeisterung für Literatur. Mit dem Erwachsenenalter änderten sich die Zukunftsperspektiven der Geschwister. Cornelia blieb in Frankfurt und sah der unausweichlichen Eheschließung entgegen, während der Bruder studierte. Dieser erkannte zwar das Potenzial seiner Schwester, doch verharrte er ihr gegenüber in konservativen Vorstellungen. Als Cornelia im November 1773 den Juristen und Schriftsteller Johann Georg Schlosser heiratete, zog er sich eifersüchtig zurück. Schlosser, der eine Stelle als markgräflich-badischer Hof- und Regierungsrat in Karlsruhe erhielt, wurde 1774 Oberamtmann der badischen Markgrafschaft Hochberg mit Sitz in Emmendingen. Schon bald stellte sich heraus, dass auch Schlossers aufgeklärte Haltung an der ehelichen Haustür endete. Die gebildete und selbstständige Cornelia vereinsamte im provinziellen Emmendingen und erkrankte. 1774 und 1777 wurden die beiden Töchter geboren. Noch geschwächt von der ersten Entbindung, starb sie am 8. Juni 1777, vier Wochen nach der zweiten Geburt, im Alter von 26 Jahren.

Eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse ihrer schriftstellerischen Begabung ist das geheime Brieftagebuch „Correspondance Secrète“ mit der Freundin Katharina Fabricius aus den Jahren 1767 bis 1769. Die Beschreibungen der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse vermitteln einen Eindruck von der mangelnden Wertschätzung gegenüber Frauen mit geistigem und ästhetischem Profil.

Cornelia Goethe ist Namenspatronin des international ausgerichteten Centrums für Geschlechterforschung (CGC) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

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Lehrer Bier, Vater des Geigenbauers Josef Bier aus Rötenbach beim Stimmen einer Geige, Aufname von Alwin Tölle um 1950, Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Außenstelle Südbaden BA 2005/1236

Eine Aufname von Alwin Tölle um 1950 mit der Beschreibung „Lehrer Bier, Vater des Geigenbauers Josef Bier aus Rötenbach beim Stimmen einer Geige. Notiz des Photographen auf der Rückseite des Abzugs: „Ganz genau!“, Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Außenstelle Südbaden BA 2005/1236, Lizenz CC0.

Die in den Höhenlagen des Schwarzwalds langsam heranwachsenden Stämme von Fichte oder Bergahorn lassen sich hervorragend für die Herstellung von Saiteninstrumenten verwenden. Im Südlichen Schwarzwald ist das Handwerk etwa ab der ersten Hälfte des 17. Jh. nachweisbar. Es wurde meist im Nebenerwerb betrieben und befand sich in der Hand weniger Personen, die die Tradition weitergaben. Als Gründerväter konnten Adam Kirner und sein bei Grafenhausen wohnhafter Stiefsohn Josef Meyer ausgemacht werden. Zwei von Meyers Schülern ließen sich in Waldshut und Bern nieder. Ein dritter, der um 1640 geborene Franz Straub, wurde Ahnherr einer Geigenbauer-Dynastie, die in der Gegend um Friedenweiler tätig war. Die aus dieser Gruppe von Instrumentenbauern hervorgegangenen Stücke werden als Alemannische Schule bezeichnet. Sie weisen eine eigentümliche Form auf und sind teils mit Einlegearbeiten verziert. Über die Handelswege von Rhein und Donau gelangten die Instrumente bis nach Holland oder Ungarn. Auch Ludwig van Beethoven habe den schönen Klang geschätzt. Die Familie Straub brachte zwei der berühmtesten Vertreter der Alemannischen Schule hervor. Simon Straub (ca. 1662-1730) führte den Ehrentitel "famosissimus Cheliser" - berühmtester Geigenbauer. Johann Georg Straub (1798-1854), genannt "Geigerhans", führten Wanderjahre bis nach Kroatien. Mit ihm endete die Familientradition.

Ende der 1920er Jahre wurde der Geigenbau in der Region Friedenweiler durch Josef Bier (gest. 1960) wiederbelebt. Es ist überliefert, dass das Holz seiner Geigen nur zwischen Heiligabend und Dreikönig geschlagen und viele Jahre gelagert wurde. Im Rathaus von Rötenbach ist noch eines der Instrumente ausgestellt.

Zum Weiterlesen:

 

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Chor der evangelischen Stadtkirche Neuenstein, Quelle: Landesarchiv BW

Chor der evangelischen Stadtkirche Neuenstein, Quelle: Landesarchiv BW

Die erste Kerze am Adventskranz brennt. Der Brauch entstand in Hamburg, wo der evangelischen Pfarrer Johann Heinrich Wichern um 1839 eine Einrichtung für sozial benachteiligte Jugendliche gegründet hatte. Ursprünglich handelte es sich um eine Art Adventskalender mit 23 Kerzen für die Tage vor Heiligabend. Im Lauf der Zeit entstand daraus die heutige Form mit vier Kerzen für die Adventssonntage. Nach dem Ersten Weltkrieg, also vor etwa 100 Jahren, fanden Adventskränze weitere Verbreitung. Heute werden gerne die praktischen LED-Lichter eingesetzt. Doch haben Kerzen mit ihrem unvergleichlichen Licht und dem Duft von heißem Wachs einen eigenen Reiz. Die in vielen Kirchen vorhandene Möglichkeit zum Anzünden einer Kerze wird nach wie vor gerne genutzt. Damit verbunden sind Bitte, Dank, Andenken oder ganz allgemein der Ausdruck von Glauben.

In der Zeit der Naturalabgaben war der Wachszins von Bedeutung. Kirchliche Einrichtungen hatten immensen Bedarf an Bienenwachs, das wegen der vermeintlichen Jungfräulichkeit der Bienen als Mariensymbol geschätzt wurde. Aus erhaltenen Verträgen geht hervor, für welche Zwecke, von wem und in welchen Mengen das Wachs gestiftet werden konnte. So ist beispielsweise eine über 500 Jahre alte Urkunde erhalten, in der sich die Gemeinde Neuenstein verpflichtet, als Gegenleistung für die von Graf Albrecht zu Hohenlohe an die Kirche in Neuenstein übertragenen Reliquien in der gräflichen Kapelle die Kerzen brennen zu lassen. Verbunden mit der Stiftung war eine Wachsgült mit der namentlichen Nennung der Spenderinnen und Spender. Demnach handelte es sich um ein halbes Dutzend Personen, die sechs Pfund Wachs oder mehr zur Verfügung stellten. Der Vorgang ist auf „Donnerstag nach St. Elisabeth“ [23. November] 1486 datiert und wurde von Schultheiß, Bürgermeister und Gericht zu Neuenstein beglaubigt. Eine Abschrift befindet sich in den Unterlagen „Stiftungen und andere geistliche Sachen der Familie Hohenlohe“ im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein. In den Jahren 1550-1556 hielt die Reformation Einzug in Neuenstein. Die heutige Kirche in Neuenstein, ausgeführt unter Georg Kern, ersetzte um 1609/10 eine spätgotische Kapelle, deren Chor und Turmuntergeschosse einbezogen wurden.

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Wegkreuz über Todtnauberg, aufgenommen von Hugo Beyer, 1959, Quelle: Badisches Landesmuseum, Außenstelle Südbaden BA 2011/48-13, Lizenz CC0

Wegkreuz über Todtnauberg, aufgenommen von Hugo Beyer, 1959, Quelle: Badisches Landesmuseum, Außenstelle Südbaden BA 2011/48-13, Lizenz CC0

Im Lauf des Jahres 1856 trat in Orten des Feldberggebiets das Phänomen auf, dass über Tischerücken, –klopfen und Geisterschreiben versucht wurde, Kontakt mit dem Jenseits aufzunehmen. Die Ausmaße veranlassten das badische Innenministerium zum Einschreiten. Offenbar hatte es keinerlei Vorkehrungen gegeben, die Sitzungen geheim zu halten. Sie wurden von geistlicher Seite unterstützt. In einigen Fällen führten sie sogar zu öffentlicher Unruhe.

Der Haupterwerbszweig in der als arm geltenden Region waren Bürsten, die im Hausierhandel vertrieben wurden. Viele der Einwohner gelangten bis nach Frankreich und in die Schweiz. Sie brachten Nachrichten und Ideen mit, zu denen anscheinend auch die Geisterbefragung gehörte. Etwa gleichzeitig setzten sich die großherzoglich-badische Verwaltung und die badische römisch-katholische Kirche im Kulturkampf mit Fragen der kirchlichen Selbstbestimmung auseinander. Der Diskurs nahm größere Dimensionen an, als der badische Staat von Preußen unterstützt wurde, während Österreich auf Seiten der Kirche stand. Diese wollte der Volksfrömmigkeit wieder mehr Bedeutung zukommen lassen. Schon gegen Ende des 18. Jh. hatte es Aufklärungstendenzen gegeben, Heiligenverehrung und Wunderglauben als nicht mehr zeitgemäß aus der kirchlichen Praxis zu verbannen. Im Lauf des 19. Jh. wurde die Amtskirche als zunehmend entfremdet empfunden. Die Geisterbefragungen schienen zu den Wiederbelebungsversuchen zu passen, auch für einige Geistliche.

In Todtnauberg beispielsweise verlief zunächst alles nach Wunsch. Neben Kontakten zu Verstorbenen wurden Anweisungen der Buße und Hilfe für die armen Seelen vermittelt. Bald aber wendete sich das Blatt und es folgten Todesdrohungen und Anschuldigungen gegen noch lebende Personen. Alte Besitzkonflikte lebten auf, indem die Nachkommen zum Ausgleich verpflichtet werden sollten. Nicht immer gelang es, ein einvernehmliches Ende herbeizuführen. Neben Spannungen und Distanzierungen innerhalb der Gemeinde kam es zu Anschuldigungen wegen Hexerei und Zauberei. Das erzbischöfliche Ordinariat reagierte energisch und mit der Aussage, dass solche Äußerungen nicht von guten Geistern stammen könnten, empfahl Gottvertrauen und drohte schlimmstenfalls mit Exkommunikation. Ein besonderer Fall ereignete sich im kaiserstühler Oberbergen, wo Durchreisende das Tischeklopfen mitgebracht hatten. Hier lehnte der Ortsgeistliche derlei Handlungen entschieden ab. Die Botschaften des Tischerückens führten indessen bei dem zuvor ehrbaren und unauffälligen Landwirt Joseph Baumgartner zur Vorstellung, er sei ein Prophet, der Endzeiterwartungen verkünden müsse. Seine fortschreitende Zerrüttung endete mit mehreren Einweisungen in die Heilanstalt Illenau. Der dort diagnostizierte religiöse Wahnsinn war zu dieser Zeit offenbar weit verbreitet. Ähnlich verhielt es sich mit dem nahenden Weltenende, das etwa radikale Pietisten angesichts der zahlreichen Krisen in der ersten Hälfte des 19. Jh. kommen sahen.

Der Text ist eine Zusammenfassung des Kapitels „Das Gericht sei gehalten …“: Tischrücken, Chiliasmus und Ultramontanismus in Baden (1856), in: Diethard Sawicki, Leben mit den Toten: Geisterglauben und die Entstehung des Spiritismus in Deutschland 1770-1900, Paderborn, München u.a. 2002. Es steht keine Online-Version zur Verfügung.

Informatinen zu pietistischen Bewegungen finden Sie unter Christus erscheint am Ararat - württembergische Pietisten in Georgien auf LEO-BW

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Konstanz um 1575, rechts im Bild Petershausen, Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Konstanz 5

Konstanz um 1575, rechts im Bild Petershausen, Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Konstanz 5

Konstanz gehört zu den Orten in Baden-Württemberg, wo sich bedeutende Spuren aus römischer Zeit nachweisen lassen. So sind beispielsweise Reste einer spätantiken Festungsanlage aus dem frühen 4. Jh. erhalten. Hinsichtlich des Namens Constantia ist nicht ganz geklärt, ob sich dieser auf Kaiser Constantinus I. (gest. 306) oder Constantinus II. (317-361) bezieht. Im frühen Mittelalter lag das Zentrum des christlichen Bistums Konstanz, das Anfang des 7. Jh. nachweisbar wird, mit Münster und Bischofspfalz in diesem Bereich.

Hier und an einer zweiten Kirche St. Stephan, diese außerhalb des Hauptkomplexes, wurden im späten 9. bzw. frühen 10. Jh. Kanonikerstifte gegründet. In die Zeit vor der Jahrtausendwende fällt auch das Programm, mit dem Bischof Konrad (934-975) baulich die „Ewige Stadt“ nachempfinden wollte. Er ließ die drei Kirchen St. Johann, St. Paul und St. Lorenz errichten, die sowohl durch ihre Patrozinien als auch die Lage Bezug auf die römischen Hauptkirchen nahmen. Der Mauritiusrotunde als wichtigstem Projekt wurde ein weiteres Kanonikerstift angegliedert. Der an den Kreuzgang des Münsters anschließende Pavillon beherbergt eine Darstellung des Heiligen Grabes. Dieses, wie auch die Kirchenbauten, hatte Konrad während seiner Pilgerreisen nach Rom und Jerusalem kennengelernt. Gegen Ende des Jahrhunderts setzte Bischof Gebhard II. (979-995) die Planungen seines Vorgängers fort, indem er am jenseitigen Ufer, gegenüber der heutigen Konstanzer Altstadt, eine Benediktinerabtei gründete. Mit der Ansiedlung „jenseits des Flusses“ und der ungewöhnlichen Ausrichtung nach Westen lehnte sich der Bau an die alte römische Petersbasilika an. So entwickelte sich der Name Petershausen für das Kloster, das überdies mit hochrangigen Reliquien ausgestattet wurde. Es war gelungen, den Kopf Gregors des Großen, eines als Nachfolger Petri hoch angesehenen Papstes, dorthin zu bringen. Auch in anderen Städten wie Aachen Trier oder Bamberg wurde im Lauf der Jahrhunderte versucht, den Bezug zu Rom herzustellen und zum Ausdruck kommen zu lassen. Im Konstanz des 10. Jh. bezog sich diese Idee nicht nur auf die römischen Päpste, also die geistliche Ebene, sondern hatte über die ottonischen Kaiser auch einen zusätzlichen Aspekt. Die Familie von Bischof Gebhard war den Ottonen eng verbunden. Insbesondere Otto III. (980-1002, Kaiser ab 996) verfolgte mit seiner Italienpolitik das Ziel der "Renovatio imperii Romanorum" (Erneuerung des römischen Reiches).

Mehr über die Geschichte der Konstanzer Klöster finden Sie im Themenportal Badisches Klosterbuch auf LEO-BW.

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