Kloster Schöntal - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1163

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Der Ortsteil Kloster Schöntal besteht im wesentlichen aus der einstigen Klosteranlage und entwickelte sich erst infolge der Säkularisation seit dem 19. Jahrhundert zu einer dörflichen Siedlung. Seine Geschichte ist im Grund die der einstigen Zisterzienserabtei. Auf der Gemarkung des Klosterorts Schöntal gibt es eine Reihe von Weilern, Höfen und Wüstungen, die zum Teil so alt sind wie das Kloster selbst. Der Hof Halsberg (»Hallesberch«) wird zusammen mit den Höfen Brechelberg und Stein 1157 unter den von Wolfram von Bebenburg als Erstausstattung Schöntals gestifteten Gütern genannt. Das auf der Höhe links der Jagst gelegene Gehöft, zu dem Schöntal 1212 auch die zugehörigen Zehnten erwarb, wurde 1176/77 und noch 1237 als Grangie geführt. 1448 zog man die dort zuvor betriebene Schäferei ab und verpachtete den Hof. Der Nordflügel entstand 1599 als Ochsenstall; 1705 wurde er um ein Geschoss erhöht. Das 1695 errichtete Wohnhaus erhielt 1731 einen Turmanbau mit Kapelle. 1741 entsandte der Konvent wieder einen »grangiarius« auf den Halsberg. Mit der Säkularisation fiel der Güterkomplex an Württemberg und wurde 1840 an die Freiherren von Berlichingen verkauft. Nach dem Weiler Rossach (1171 »Rossrith«, 1286 »Rosseriet«) nannte sich im 12. Jahrhundert ein edelfreies Geschlecht, in dem man möglicherweise einen Zweig der älteren, edelfreien Herren von Aschhausen zu erkennen hat. Von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis ins spätere 14. Jahrhundert saßen auf der Burg Boxberger Ministerialen. Seit 1360 erwarben nach und nach die von Berlichingen den Herrschaftssitz samt zugehörigen Gütern. In der frühen Neuzeit war das Rittergut beim Kanton Odenwald der fränkischen Reichsritterschaft immatrikuliert. 1806 von Württemberg mediatisiert, wird Schloss Rossach noch heute von den Freiherren von Berlichingen bewohnt. Der Eichelshof (ursprünglich »Eichesholz« oder »Eicholzheim«), ganz im Süden des Gemeindegebiets, gelangte 1302 aus dem Besitz der Grafen von Flügelau käuflich an das Kloster Schöntal; ursprünglich gehörte er den Edelherren von Krautheim, später war er ganz schöntalisch. Den Zehnt bezogen zu fünf Sechsteln das Kloster und zu einem Sechstel die Pfarrei Sindringen. Der unmittelbar benachbarte Spitzenhof (15. Jahrhundert »Spitzengeren«) taucht zuerst in hohenlohischen Jagdgrenzbeschreibungen des späten Mittelalters auf. Kloster Schöntal hatte dort bis zum Ende des Alten Reiches alle herrschaftlichen Gerechtsame außer der Zenthoheit (Kurmainz). An der Stelle des Hofs Neusaß (1157 »Nuweseze«, 1163 »Nusaze«) wurde um 1157 das Kloster Schöntal gegründet, bevor es ins Tal der Jagst verlegt wurde. Im späten Mittelalter entstand hier eine Marien-Wallfahrt mit Markt; sie ist 1395 erstmals bezeugt. Die spätgotische Kapelle erhielt 1667 einen neuen, gewölbten Chor und wurde 1706 vergrößert. Auf dem Kreuzberg, dem westlichsten Ausläufer des Benediktsbergs, entstand unmittelbar über dem Kloster 1716/20 auf Veranlassung Abt Benedikt Knittels die Rotunde der Heiliggrabkapelle; auf dem die Kapelle umgebenden Gottesacker wurde 1811 der letzte Schöntaler Abt beigesetzt. Außer all diesen noch bestehenden Wohnplätzen bleiben noch die schon seit längerem wüstgefallenen zu erwähnen. Der Hof Brechelberg (»Bracheberch«), einst im Gebiet der Flur Brechelacker zwischen Halsberg und Kreuzberg gelegen, war bereits 1176/77 und 1237 als Grangie im Besitz des Klosters Schöntal. Eschach (»Eschahe«) lag zwischen Neusaß, Halsberg und Schleierhof; es wurde den Zisterziensern 1225 geschenkt. Davon zu unterscheiden ist die 1237 bezeugte Schöntaler Grangie Eschenau (»Escenouwe«) auf der Ebene in Richtung Weltersberg; die Gemarkung wird noch 1461 genannt. Die Grangie »Hohenhart« ist entweder auf dem Hohenberg rechts der Jagst oder im Gewann Hohenten bei Bieringen zu suchen; sie bestand 1176 und fiel bereits vor 1237 wüst. Auch der 1157 zur Stiftung Wolfram von Bebenburgs gehörige und 1176 als Grangie charakterisierte Hof Stein (»Stene« beziehungsweise »curtis in Lapide«) existierte 1237 offenbar nicht mehr; er lag am Steinernen Kreuz beim sogenannten Neuhof. Im Ortsteil Kloster Schöntal kam 1960 ein Neubaugebiet hinzu.
Historische Namensformen:
  • Speciosa Valus 1163
  • Sconendal 1228
Geschichte: 1163 Speciosa Valus, 1228 Sconendal. Vor 1157 gründete Wolfram von Bebenburg auf seinem Allod ein Zisterzienser-Kloster Nuwesaze beim heutigen Neusaß, dem er mehrere Höfe als Erstausstattung übergab. Papst Eugen III. bestätigte die Gründung, die von Maulbronn aus besiedelt wurde. Kaiser Friedrich I. unterstellte sie dem Schutz des Reiches. Dieser wurde später von der Wimpfener Reichslandvogtei wahrgenommen. Wegen der ungünstigen Lage auf der Hochebene wurde das Kloster wenige Jahre später (vor 1163) an die Jagst an die Stelle des Weilers Hoefelden verlegt und in Schöntal umbenannt. Seit 1161 wurde dort gebaut. Der Gründer Wolfram trat als Laienbruder in seine Gründung ein. Nach Auseinandersetzungen mit den Söhnen des Gründers, den Herren von Berlichingen und der Pfarrei Bieringen wurde die Bieringer Kirche dem Kloster inkorporiert. Durch Schenkung, Kauf und Rodung wuchs der Besitz ständig an. Nach einer schweren Krise im 13. Jahrhundert wurde Schöntal der Paternität des Klosters Kaisheim unterstellt. Es gelangte zu neuem Wohlstand. 1439 erhielt der Abt vom Baseler Konzil die bischöflichen Insignien. 1495 verzichtete Maximilian I. auf die bisherigen Schirmrechte des Reiches. Der Klosterschutz durch den Erzbischof von Mainz blieb ohne Bedeutung. In der Reformationszeit verlor das Kloster mehrere ihm unterstellte Pfarreien, auch das Visitationsrecht in den aufgehobenen Klöstern Gnadental und Billigheim. Spät setzten gegenreformatorische Bestrebungen ein, die durch den 30 Jährigen Krieg ein Ende fanden. 1631/34 unterstand das Kloster, dessen Mönche fast alle geflohen waren, dem Grafen Kraft von Hohenlohe-Neuenstein, der es vom König Gustav II. Adolf von Schweden als Schenkung erhalten hatte. Nach schweren Kriegsdrangsalen konsolidierte sich das Kloster unter Abt Christoph Haan (1636 — 1675), der Aschhausen für Schöntal erwarb. Es entfaltete unter dem Abt Benedikt Knittel (1683 — 1732) eine großartige Bautätigkeit. Nach Auseinandersetzungen um die Reichsunmittelbarkeit, dem Zerfall der Klosterzucht und internen, durch kaiserliche Kommissionen kostpieligen Querelen wurde das Kloster 1802/03 Württemberg zugewiesen, aufgehoben, dem letzten Abt Maurus Schreiner (1784 — 1802, gestorben 1811) Aschhausen als Wohnsitz angewiesen, die letzten Mönche pensioniert. Das Kloster wurde Sitz eines 1810 aufgehobenen Oberamts. Aus Schöntal, Halsberg und Neusaß wurde 1851 die politische Gemeinde Schöntal gebildet, 1855 Rossach, 1888 die Wohnplätze Eichelshof und Spitzenhof angegliedert. Der Klosterbezirk hieß als Wohnplatz seit Bildung der neuen Gemeinde Schöntal. 1972 Altschöntal und wurde 1973 in Kloster Schöntal umbenannt.

Ersterwähnung: 1600 [im 17. Jahrhundert]
Kirche und Schule: Die Klosteranlage in ihrer heutigen Form entstand im 17./18. Jahrhundert unter Abt Knittel, der das ganze Bauwerk mit seinen Versen zierte. Die Klosterkirche, der heiligen Dreifaltigkeit, Maria, Joseph und Andreas geweiht, wurde 1708/37 im wesentlichen auf den Grundmauern einer Basilika des 14. Jahrhunderts errichtet, deren Querhaussüdwand mitbenutzt wurde. Nach später modifizierten Plänen von Johann Leonhard Dientzenhofer (gestorben 1707) baute sein Schwager Jakob Ströhlein Langhaus und die zweitürmige, figurengeschmückte Westfassade bis zu seinem Tode 1711 (Grabplatte in der Kirche). Bernhard Schießer setzte die Arbeiten fort, die bis 1717 abgeschlossen waren. Anschließend wurde seit 1722 der gotische Hallenchor abgebrochen, ein vergrößerter Chor und die auf einem Tambour stehende Vierungskuppel erbaut. Bis 1727 war die Ausstattung vollendet. Der Chor wurde geweiht, die gesamte Kirche 1736. Das Gewölbe der dreischiffigen Hallenkirche wird von 24 durch Pfeiler getragene Flachkuppeln gebildet. Fast die gesamten Stukkaturen fertigte 1714/25 Johann Bauer aus Heidingsfeld. Die Ausmalung mit einem christologischen Programm, Marienleben, Abbildungen von Zisterzienseräbten und Ordensheiligen besorgten Konrad Hoffmann, Christian Talwitzer, vor allem aber Luca Antonio Columba und Johann Baptist Ferradini. Die Statuen des Hochaltars mit der Himmelfahrt Mariens von Oswald Onghers (1680) stammen von H. J. Sommer und Achilles Kern. Michael Kern schuf 1628 den Trinitätsaltar, 1630 den Johannesaltar, 1641 den Bernhardsaltar, 1644 den Passionsaltar, Achilles Kern 1643 den Michaelsaltar, zum größten Teil aus Alabaster, Ph. J. Sommer 1727 den Stephanusaltar. Die Chorgitter fertigten 1727/28 Conrad Benholdt aus Rothenburg und Friedrich Scheerer. Die Orgel mit dem Prospekt von Sebastian Zimmermann (1723) wurde 1810 aus der Schloßkapelle Ludwigsburg nach Schöntal verbracht, dessen drei Orgeln zum Teil als Altmetall nach der Säkularisation verkauft worden waren. Von Balthasar Knüttel aus Lauda stammen die Figuren der Westfassade und die Kreuzigungsgruppe auf der Westempore, von Ph. J. Sommer die Kanzelfiguren (1729). Weitere Bildhauerarbeiten schuf Georg Schäfer, so einen Marienaltar (1790) und das heilige Grab auf der südlichen Querhausempore. Im Eingangsjoch stehen seit 1717 Bronzefiguren Konrads von Weinsberg (gestorben 1446) und seiner Frau Anna geborene Hohenlohe (gestorben 1434), 1424/28 in Nürnberg gegossen mit Spuren von Vergoldung, ursprügliche Grabplastiken. Davor liegen die zugehörigen Grabplatten. Außerdem stehen unter der Empore ein gotisches Standbild Wolframs von Bebenburg (vor 1415) und Reliefplatten von Papst Alexander II., Abt Herwig und Kaiser Friedrich I. von G. Chr. Sommer (1714). Bedeutend sind die Grabmäler Albrechts von Hohenlohe-Möckmühl (gestorben 1338) und Philipps von Weinsberg (gestorben 1506) mit seiner Frau Anna von Stoffelsheim (gestorben 1509). Die Langhauswände zieren die Grabdenkmäler der Äbte von 1445 bis 1762. Nach Süden schließen sich an die Kirche die Klostergebäude an. Der Kreuzgang wurde ab 1706 von Dientzenhofer neu erbaut, 1789 im Kreuzgarten der Brunnen errichtet. Im Ostflügel befindet sich die Grablege der Herren von Berlichingen mit zum Teil hervorragenden Grabmälern von 1377 bis 1567, darunter das des Götz von Berlichingen. Die Torkapelle St. Kilian, ein rechteckiger Saal mit flacher Balkendecke, heute profaniert, entstand um 1310/20. Seit 1698 laufende Planungen Dientzenhofers für einen Neubau der Konventsgebäude wurden seit 1701 ausgeführt. 1707 wurde der Ostflügel vollendet, 1737/54 zunächst von dem Schweizer Christian Fluhr (gestorben 1743) die neue Abtei nach modifizierten Plänen Dientzenhofers errichtet. Das Treppenhaus enthält ein Deckenbild des Triumphs der Kirche von Ferradini (1745). Der vertäfelte Ordenssaal enthält 302 Bilder der Trachten aller männlichen und weiblichen Orden sowie der Ritterorden. Die Brücke über die Jagst wurde 1609 von Michael Kern erbaut, dessen Büste sich an der Brücke befindet. 1677 wurde die Abtei in die 1617/18 als Pferdestall, Gästehaus und Remise im rechten Winkel mit Renaissancegiebeln erbauten Gebäude westlich der Kirche verlegt, die deswegen nach der Errichtung des Barockbaus die Bezeichnung Alte Abtei erhielt. 1697 wurde der Archivturm angefügt, der nach 1806 zeitweilig als Gefängnis diente. Wirtschaftsgebäude (Pistorei von 1584, Mühle, Stallungen) schließen den ummauerten Klosterhof ab. Nach der Aufhebung des Klosters wurde eine katholische Pfarrei gegründet, 1810 eine evangelische Pfarrei im Zusammenhang mit dem Seminar. 1846 wurden ihr die Evangelischen in Aschhausen, Berlichingen, Bieringen, Neuhof, Oberkessach, Westernhausen und den Wohnplätzen von Schöntal angegliedert. Als Kirche dient ein Saal im Konventsbau. — Nach Aufhebung des Oberamts Schöntal wurde ein evangelisch-theologisches Seminar als Ersatz für die aufgehobenen Seminare Blaubeuren und Denkendorf eingerichtet. Seit 1975 werden die Konventsgebäude von der Diözese Rottenburg als Bildungszentrum genutzt.
Patrozinium: Heiligen Dreifaltigkeit, St. Maria, Joseph und Andreas
Ersterwähnung: 1708 [1708/37]

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