Ittlingen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.ittlingen.de/
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Einwohner: 2401
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 170.0
Max. Höhe ü. NN (m): 273.23
Min. Höhe ü. NN (m): 170.97
PLZ: 74930

Ittlingen zählt administrativ zum Landkreis Heilbronn und gehört naturräumlich dem fruchtbaren Hügelland des mittleren Kraichgaus an. Im oberen Tal der Elsenz gelegen, stößt die 14,11 qkm große Gemarkung im Norden an den Rhein-Neckar-Kreis und reicht am Lochberg im Westen bis auf etwa 257 m NN hinauf. Den tiefsten Punkt markiert die Elsenz im Norden auf rd. 170 m NN an der Grenze gegen Sinsheim. Sie durchläuft die Gemarkung von Süden nach Norden an der Schnittstelle von Eppinger Gäu, Leinbachgäu und Neckarbischofsheimer Höhen. Von Osten fließen der Elsenz der Sulzgraben, von Westen der Krausenklingengraben, der Schindklingengraben sowie der Kirchardter und der Bockschafter Graben zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg breitete sich die Kommune entlang der Elsenz und nach Westen aus. Im Nordosten wurde im Gewann Bannholz ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Der Landesentwicklungsplan teilt die Gemeinde dem ländlichen Raum im engeren Sinn zu. Das gemmingische Ittlingen wurde 1806 nach der Mediatisierung badisch. Es kam am 22. Juni 1807 zum Oberamt Gochsheim und am 15. November 1810 zum grundherrlichen Amt Gemmingen, dem einzigen seiner Art im Großherzogtum. Am 24. Juli 1813 wies man Ittlingen dem Bezirksamt Eppingen zu und nach dessen Aufhebung zum 1. April 1924 dem Bezirksamt Sinsheim. Mit der Liquidation des gleichnamigen Landkreises (seit 25.6.1939) zum 31. Dezember 1972 gelangte die Gemeinde zum Landkreis Heilbronn.

Die Gemeinde Ittlingen liegt im westlichen Teil des Landkreises Heilbronn, im oberen Tal der Elsenz. Ihre Entfernung zur Kreisstadt beträgt in der Luftlinie etwa 23 Kilometer. Mit Heilbronn ist sie über die B39 und die Autobahn 6 (E50, Autobahnauffahrt Steinfurt) im Norden sowie über die B293 im Süden mit Anschlussstellen in Eppingen und Stebbach verbunden. Ittlingen liegt an der Bahnstrecke von Sinsheim nach Eppingen. Nachbargemeinden sind von Norden nach Süden Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis), Kirchardt und Eppingen. Mit der Stadt Eppingen und dem südöstlich gelegenen Gemmingen ist Ittlingen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen. Dem Landesentwicklungsplan zufolge gehört die Gemeinde zum ländlichen Raum im engeren Sinn. Ittlingen (181 Meter über Normalnull) liegt im mittleren Kraichgau, einem zwischen Odenwald und Schwarzwald eingeschobenen fruchtbaren Hügelland; der höchste Punkt der 14,11 Quadratkilometer umfassenden Gemarkung liegt mit knapp 257 Meter über Normalnull am Lochberg, der tiefste bei etwa 170 Meter dort, wo die Elsenz die Gemarkung in Richtung Reihen verlässt. Die von Süden kommende Elsenz fließt hier in nördlicher Richtung ungefähr mittig durch den Übergang zwischen Eppinger Gäu, Leinbachgäu und Neckarbischofsheimer Höhen. Der anstehende Keupermergel ist großflächig von Löss bedeckt. Die Oberfläche wird durch die Nebenbäche der Elsenz – von Westen durch den Sulzgraben, von Osten durch den Krausenklingengraben, den Schindklingengraben, den Kirchardter Graben und den Bockschafter Graben – in Bodenwellen gegliedert. Nach Norden hin schneidet sich der Fluss in den Oberen Muschelkalk ein. Im Osten grenzt die waldarme Gemarkung an die bereits auf Berwanger Gebiet gelegenen Wälder Reut und Pfitsche sowie Lindenteich. Östlich des Dorfs, aber von der Siedlung deutlich entfernt, besteht am Lochberg ein ausgedehnter Muschelkalksteinbruch. Die Muschelkalkböden spielen hier anders als im übrigen Kraichgau eine untergeordnete Rolle. Die Böden sind steinig mit lehmig-mergeliger Zwischenlage und neigen stark zur Austrocknung. So wird in der Gegend vorwiegend Obst- und Weinbau gepflegt, daneben der Anbau von Luzerne. Die Entstehung der Kraichgausenke steht in engem Zusammenhang mit dem Rheingrabeneinbruch des mittleren Tertiär. Im Gefolge dieser Entwicklung finden sich im Großraum neben vielfacher Mulden- und Sattelbildung zwei quer zur Kraichgausenke von Nordnordwest nach Südsüdost verlaufende Störungen im oberen Hilsbachtal beziehungsweise fast von Norden nach Süden verlaufend im unteren Elsenztal. Die letztere hängt mit einem Sattel zusammen, der sich über den Dattenberg bei Ittlingen, die Steinbrüche bei Richen und das Eichbäumle oberhalb von Streichenberg zieht, dann etwas nach Osten abbiegt und über den Schäufelesberg und die Wagenburg bei Stebbach die Landkreisgrenze überschreitet. Das Ausstreichen des Muschelkalks, der sich um etwa 20 bis 30 Meter über die Umgebung erhebt, ist an diesen Sattel gebunden, der wohl auch ursächlich war für die Erstreckung des Elsenztales in Nord-Süd-Richtung vom Bahnhof Stebbach bis nach Ittlingen. Der leicht erreichbare obere Muschelkalk wird in verschiedenen Steinbrüchen ausgebeutet. Er dient vorwiegend als Baumaterial zur Straßen- und Eisenbahnbeschotterung, als Bau- und Pflasterstein sowie zur Herstellung von Zement. Der in dem ausgedehnten Steinbruch von Ittlingen gewonnene Muschelkalk wird überwiegend für Baustoffgemische verwendet. Der mittlere Kraichgau im Großraum um Eppingen ist aufgrund seiner geringen Waldbedeckung sowie fehlender größerer tektonischer Verwerfungen und Störungen, an denen sich Wasser aus großen Einzugsgebieten sammeln könnte, arm an Quellen. Die vergleichsweise spärlichen Niederschläge dringen durch die großflächige Lehm- und Lössdecke des Bodens direkt in das ältere Gebirge ein. Im Muschelkalk treten wegen der geringen Verbreitung keine Quellen zu Tage. Dagegen entspringt eine Quelle am Lochberg direkt aus dem Sandstein.

Ittlingen kam nach der Mediatisierung durch Baden 1807 zum Oberamt Gochsheim und 1810/13 zum grundherrlichen Amt Gemmingen. 1813 wurde es dem Bezirksamt Eppingen zugeteilt, mit der Auflösung des Amtsbezirks Eppingen 1924 dem Amtsbezirk Sinsheim und mit der Auflösung des Landkreises Sinsheim zum 31. Dezember 1972 dem Landkreis Heilbronn. Die Zehntablösung begann 1834/44 mit der Übernahme der Farrenhaltung durch die Gemeinde. Seit 1840 wurden Verhandlungen wegen der Ablösung der Brenn- und Bauholzberechtigung im Gemmingen-Hornberger Ortsteil geführt. Im Frühjahr 1848 standen einige Einwohner auf der Seite der Aufständischen; Ausdruck ihrer politischen Gesinnung war nicht zuletzt die Gründung eines Männergesangvereins. Es kam auch zu Ausschreitungen gegen Juden im Dorf, zu deren Sicherheit Wachen aufgestellt werden mussten; das Haus des Juden Eichertsheimer war besonders gefährdet. 1849 marschierten preußische Truppen ein und schlugen die Revolution nieder. Ittlingen wählte im Kaiserreich überwiegend konservativ und national. Bei den Reichstagswahlen 1877 erhielten die Nationalliberale Partei 79,8 Prozent und die Deutsche Reichspartei 20,2 Prozent der Stimmen. 1893 vereinigte die Deutschkonservative Partei 83,9 Prozent auf sich, die SPD 4,8, die Volkspartei 8,9 und die Deutsche Reformpartei/Antisemiten 1,8 Prozent. Veränderungen zeigten sich im 20. Jahrhundert; so erreichte 1912 der Bund der Landwirte 60 Prozent, gefolgt von der SPD mit 23,7 und der Nationalliberalen Partei mit 15,9 Prozent. Während der Weimarer Republik konsolidierte sich das Wahlverhalten im konservativen und nationalen Parteienspektrum. Bei der Reichstagswahl 1920 erhielten die USPD 7,6, die SPD 9,6, die DDP 16,4 und die Christliche Volkspartei 64,1 Prozent. 1928 konnte zwar die SPD hinzugewinnen (16,2 Prozent), stärkste Partei wurde jedoch die NSDAP mit 39,7 Prozent, gefolgt von der Christlichen Volkspartei mit 31,9 Prozent; lediglich 7 Prozent wählten die DDP. Im November 1932 legte die NSDAP nochmals zu und erreichte 76 Prozent aller Stimmen, die SPD war mit 9,5 Prozent die zweitstärkste Partei, gefolgt von der Christlichen Volkspartei mit 6,1 und der KPD mit 3,8 Prozent. Bei der Märzwahl 1933, die schon von Terrormaßnahmen begleitet war, erhielten die NSDAP 84,5 Prozent, die SPD 5 und die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 4,7 Prozent der Stimmen. Die Krankenpflegestation wurde 1935 von der NSV übernommen. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurden in den Jahren 1934 bis 1937 Wiesen trockengelegt und Drainagen eingerichtet. Mindestens eine psychisch kranke Frau wurde 1940 bei der sogenannten Euthanasieaktion T4 in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb ermordet; sie war zuvor über Jahre hinweg in der Kreispflegeanstalt Sinsheim versorgt worden. 1933 zählten zur jüdischen Gemeinde in Ittlingen noch 37 Personen. Bis 1938 emigrierte mehr als die Hälfte von ihnen in die USA. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge zerstört und danach abgebrochen; seit November 1988 erinnert an sie ein Hinweisschild in der Mühlgasse. Die acht noch in Ittllingen verbliebenen Juden wurden im Oktober 1940 nach Gurs verschleppt. Nur einer von ihnen überlebte das Konzentrationslager. Bei den ersten Gemeinderatswahlen im Januar 1946 erhielten die SPD 32,7 und die CDU 67,3 Prozent der Stimmen. Die Wahl zum ersten Landtag von Württemberg-Baden ergab 1946 bei einer Wahlbeteiligung von nur 61,5 Prozent für die CDU 52,2 Prozent, für die SPD 37,4 für die DVP 6,4 und für die KPD 4 Prozent. Die absolute Mehrheit der CDU blieb allerdings zunächst die Ausnahme; bei der Landtagswahl 1952 erhielt sie nur noch 17,6, 1956 35,5, kam aber 1972 erneut auf 58,3 und 1976 sogar auf 60,9 Prozent. Die SPD konnte seit 1964 ihren Stimmenanteil steigern; 1988 erreichte sie mit 38,9 Prozent ihr bestes Ergebnis, aber darauf folgte ein kontinuierlicher Rückgang (2006 23,7 Prozent). 1992 zogen die Republikaner in den Landtag ein und gewannen in Ittlingen 11,1, 1996 sogar 12,3 Prozent; damit lagen sie über dem Landesdurchschnitt. Die Grünen blieben stets unter 9 Prozent. Die FDP, die 1956 25,7 Prozent erreichte, scheiterte 1992 mit 4,9 an der Fünf-Prozent-Hürde; im weiteren legte sie aber wieder zu und errang 2006 10,0 Prozent. Bei den Wahlen zum Bundestag war ebenfalls die CDU stets stärkste Partei, 1949 gefolgt von der FDP als zweitstärkster Kraft mit 17,5 Prozent. In der Folge rückte aber die SPD auf den zweiten Platz, bis sie 2009 mit 18 Prozent wieder hinter die FDP (21 Prozent) zurückfiel. Auch die Linken erreichten 2009 mehr als 5 Prozent, die Grünen kamen erstmals auf 9 Prozent. Bei der Kommunalwahl 2009 erhielten die Freien Wähler acht Sitze und die Liste Frauen im Gemeinderat vier. Damit liegt der Frauenanteil im Ittlinger Gemeinderat weit über dem Landesdurchschnitt (22 Prozent).

Wappen von Ittlingen

In Blau zwei goldene (gelbe) Balken, belegt mit einem roten Herzschild, darin eine gestürzte goldene (gelbe) Pflugschar.

Beschreibung Wappen

Das im Jahre 1910 vom Generallandesarchiv Karlsruhe vorgeschlagene Gemeindewappen zeigt den blauen, mit zwei goldenen Balken belegten Schild der Herren von Gemmingen, die Ittlingen von 1355 bis 1806 besessen haben. Der Herzschild mit dem bäuerlichen Symbol der Pflugschar unterscheidet dieses Gemeindewappen von dem erwähnten Adelswappen. Das Landratsamt Heilbronn hat am 1. Oktober 1980 die aus dem Wappen abgeleitete Flagge verliehen.