Oberboihingen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.oberboihingen.de
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Einwohner: 5280
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 836.0
Max. Höhe ü. NN (m): 346.58
Min. Höhe ü. NN (m): 314.93
PLZ: 72644

Die kleine Gemeinde liegt nördlich der Stadt Nürtingen fast im geographischen Mittelpunkt des Landkreises Esslingen. Auf lößbedeckter Unterjurafläche reicht sie vom Neckartal, das naturräumlich zu den Fildern zählt, entlang des Talbachs in das Mittlere Albvorland hinein. Nördlich des Baches umfasst sie Teile des Kirchheimer Beckens, südlich des Erms-Steinach-Albvorlands, wo sie mit 366 m über NN (Sterrich) ihr Höhenmaximum erreicht. Der tiefste Punkt liegt bei 260 m im Neckartal. Landwirtschaft und bedeutende Schafhaltung prägten lange das Bild. Der Ortskern nimmt die südliche Flanke der Talbachmündung ins Neckartal ein, wo er sich neben der evangelischen Bartholomäuskirche durch weitere historische Gebäude, u.a. durch das älteste Pfarrhaus im Landkreis („Hohentwiel“ genannt) heraushebt. Von dort wuchs er in den 1950er und dann ab den 1970er Jahren mit teilweise kompakter Wohnbebauung ins Talbachtal nach Osten bzw. folgt als weites Band dem östlichen Neckartalfuß. Industrieansiedlungen am südwestlichen Ortsrand (1950/51) und in der Neckaraue (ab 1975) bewirkten den raschen Wandel des Bauerndorfs zum Wohn- und Industrieort, dessen Attraktivität durch verbesserte Gastronomie- und Einkaufsmöglichkeiten im Zuge der Ortskersanierung (1989) sich weiter erhöhte. Zudem wird das nahe gelegene Hofgut Tachenhausen durch die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen genutzt. Der Ort ist mit eigenem Bahnhof an die Neckar-Alb-Bahn angeschlossen und über die L1250 von Nürtingen und Wendlingen (dort u.a. auch von der A8 her) gut zu erreichen. Ab 1808 gehörte er zum Oberamt Nürtingen und 1973 zum Landkreis Esslingen.

Oberboihingen, mit 6,31 Quadratkilometer eine der kleineren Gemeinden, liegt in der Mitte des Landkreises – der geographische Mittelpunkt des Landkreises befindet sich im Bereich der Einmündung Unterboihinger Straße/Friedrichstraße – am rechten Neckarufer zwischen Nürtingen und Wendlingen. Das Gemeindegebiet erstreckt sich östlich des Neckars bis zu den Waldgebieten Rübholz und Sterrich und reicht vom Marbach im Süden bis an die Autobahntrasse Stuttgart–Ulm im Norden. Zu Oberboihingen gehört das Hofgut Tachenhausen auf einer Anhöhe östlich des Ortes. Während Esslingen 11 Kilometer Luftlinie entfernt ist, bilden die größeren Städte Nürtingen (Entfernung 3 Kilometer) und Kirchheim unter Teck (6 Kilometer) die direkten Nachbarn, zu denen noch Wendlingen am Neckar und Unterensingen hinzukommen. Nach dem Landesentwicklungsplan zählt Oberboihingen zum Verdichtungsraum. Die Siedlungen von Unterensingen und Oberboihingen sind inzwischen beide stellenweise bis an den Neckar herangewachsen und werden nur noch durch ihn getrennt. Trotzdem besteht bei Oberboihingen ein rund 4,5 Kilometer langer Flussabschnitt ohne Querungsmöglichkeit, denn die nächsten Neckarbrücken befinden sich in Zizishausen und in Wendlingen. Da das Neckartal mit seinen Hängen noch zum Naturraum Filder zählt, liegt Oberboihingen am Übergang der Filder zum Albvorland. Zwar reicht die Gemeinde im Norden nur ans rechte Neckarufer heran, wo sich an der Grenze nach Wendlingen bei 260 Meter über Normalnull auch ihr tiefster topographischer Punkt befindet. Nach Süden hin, unterhalb des Wehres, schließt sie aber den gesamten Flusslauf ein. Hier, am Wasen, ist die Talsohle ungefähr 1 Kilometer breit. Abgesehen von einer Wasserburg blieb die gesamte überschwemmungsgefährdete Neckaraue lange unbebaut. Das alte Oberboihingen liegt leicht erhöht über dem Talboden des Neckars auf dem Schwemmfächer des Talbachs. Nach Osten steigen die Neckartalhänge bis über 300 Meter über Normalnull an und gehen – ungefähr mit dem Einsetzen des Unterjuras – ohne scharfe Grenze ins Vorland der Mittleren Schwäbischen Alb über. Letzteres greift von Norden mit seiner Untereinheit Kirchheimer Becken bis an den mitten durch die Gemeinde von Ost nach West fließenden Talbach aus, während das Gemeindegebiet südlich davon zum Erms-Steinach-Albvorland gerechnet wird. Beiderseits des Talbachs erreichen die Hochflächen 330 bis 340 Meter über Normalnull, am Waldrand des Sterrich im Südosten sogar mit 366 Meter über Normalnull den höchsten Punkt Oberboihingens. Im Südwesten reicht das Gemeindegebiet über die zum Teil recht steilen Talhänge zum Marbach hinab, der hier die Grenze nach Nürtingen markiert. Keuper, Unterjura, Talkiese und Löss prägen den Untergrund. Die älteste Ablagerung ist der Knollenmergel, der am Hang des Neckartals flache Rutschhänge bildet. Sie sind trotzdem bebaut worden. Oberkeuper (Rhätsandstein) ist nur geringmächtig am Bergsporn oberhalb der Marbachmündung ausgebildet. Der Übergang vom Keuper zum Jura vollzieht sich am Neckartalhang in etwa 280–290 Meter Höhe, ist aber am besten im Bachbett des Marbachs zu sehen. Dort bilden die harten, schwarzblauen Kalkbänke der Psilonotenbank (Schwarzjura alpha 1) einen Wasserfall. Oberhalb trifft man auf den Angulatensandstein (Schwarzjura alpha 2), der früher am Bergsporn über dem Marbachtal und am Talbach abgebaut und speziell für Grundmauern verwendet wurde. Bestes Beispiel hierfür bietet das frühere Pfarrhaus, übrigens das älteste des Landkreises aus dem Jahr 1467. Höhere Unterjuraschichten treten, abgesehen von einer kleinen Fläche am Waldrand des Sterrich, nur an den Talhängen des Talbachs und Marbachs zutage. Der Turneriton (Schwarzjura beta) bildet unterhalb von Tachenhausen und östlich davon im Gewann Fleckenwäldchen Rutschhänge. Am Steilhang nahe der Gemarkungsgrenze, bei der Lauereiche, folgen die fossilienreichen Numismalismergel (Schwarzjura gamma) und der Amaltheenton (delta). Vor allem das südliche Gemeindegebiet ist reich an Quellen, die von den Tonsteinen des Unterjuras aufgestaut werden. Am Hang über dem Marbachtal ist die Fassung des Möllesbrunnens zu sehen, im Sterrichwald entspringt die Schelmenwasenquelle (Villabrunnen), und nördlich von Tachenhausen liegt neben einer Brunnenstube ein kleiner Teich (Naturdenkmal). Die Hochflächen sind von einer dicken Lössschicht bedeckt. Im Löss eingeschlossene eiszeitliche Schotter in den Gewannen Goldäcker und Brand deuten auf einen damaligen, mäandrierenden Neckarlauf etwa 68–80 Meter über dem heutigen Flussbett hin. Ihr hohes Alter belegt der Backenzahn eines Altelefanten, den man beim Bau der Autobahn fand. Die heutige Talsohle des Neckars ist mit mächtigen Schottern (Kiesen) erfüllt, die früher in den Gewannen Steinleswiesen und Wasen ausgebaggert wurden. Grundwasser aus dem Kieskörper wird seit langem genutzt und in einem Pumpwerk zutage gefördert. Sein gesamter Einzugsbereich, der sich nach Süden bis Nürtingen erstreckt, ist als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Gut ein Viertel der Gemeindefläche Oberboihingens wird von Siedlungs- und Verkehrsflächen beansprucht. Wald ist rar und bedeckt nur 11 Prozent, ausschließlich im Osten im Sterrich und bei der Lauereiche. Dank der weit verbreiteten, fruchtbaren Lössböden nimmt die Landwirtschaft 61 Prozent der Fläche ein. Davon entfallen fast zwei Drittel auf Ackerland, während die schweren Böden des Unterjura und Knollenmergel Obstbaumwiesen und Wiesen tragen. Im 19. Jahrhundert und bis in die 1960er Jahre war die Gemeinde ein Zentrum der Schafhaltung mit vielen Schafhöfen im Ort. Daran erinnert der alle zwei Jahre veranstaltete Oberboihinger Schäfermarkt. Landschaftlich besonders reizvoll sind die Talzüge der Gemeinde mit weiten Auenwiesen und Resten eines Silberweiden-Auenwaldes etwa am Neckar oder reichen Ufergehölzen, Wiesen und Steilhängen im Talbach- und Marbachtal. Daher wurden dort überall Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, durch welche diese Bach- und Flusslandschaften einschließlich ihrer Hänge mit Streuobstwiesen als Freiräume und Grünzäsuren zwischen den Siedlungsflächen und als Naherholungsgebiete langfristig erhalten werden sollen. Als Naturdenkmale stehen unter Schutz ein 500 Meter langer Abschnitt des Neckars, die beiden markanten Linden im Ortskern und an der Straße nach Reudern, ein Feldgehölz im Gewann Hartwasen, ein Feuchtgebiet am Oberlauf des Marbachs sowie der erwähnte Teich beim Tachenhäuser Hof. Der gepflegte botanische Garten dieses Hofgutes, heute landwirtschaftlicher Lehr- und Versuchsbetrieb der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, ist ebenfalls besuchenswert. Nicht unumstritten waren allerdings die bis 2008 gelaufenen Anbauversuche der Hochschule mit gentechnisch verändertem Mais und Zuckerrüben.

Oberboihingen gehörte zum Amt Nürtingen und ging mit ihm im 1806 neugebildeten Oberamt Nürtingen auf. Der Hof Tachenhausen liegt auf der Markung Oberboihingen, gehörte aber der Stadt Nürtingen; zuvor dem Spital Nürtingen. Die zum Gut Tachenhausen gehörigen Höfe wurden 1829 zu einem landwirtschaftlichen Pachtgut vereinigt (heute von der Hochschule Nürtingen-Geislingen bewirtschaftet). Seit der Reichstagswahl 1898 (63,1 Prozent) ging die SPD als Siegerin aus den Wahlen hervor. Zuvor unterlag die SPD noch ihren Konkurrenten Deutsche Partei und Volkspartei, wobei Letztere von den Wählern favorisiert wurde. Die SPD, programmatisch der Volkspartei nahe, fand mit ihrem auf Arbeiter zugeschnittenen politischen Profil bald mehr Zustimmung. Die Landtagswahl 1932 am Vorabend der nationalsozialistischen Herrschaft zeigt nochmals die Stärke einer links orientierten Wählerschicht, doch galt sie dieses Mal der radikaleren Kommunistischen Partei, die als Bollwerk gegen Rechts (33 Prozent) gegen die erstarkende NSDAP auftrat, die in dieser Wahl noch auf Platz Zwei blieb (26,7 Prozent). Ein Bombenangriff am 26. November 1944 am Bahnübergang an der Nürtinger Straße tötete vier Menschen, zertrümmerte Wohnhäuser und beschädigte das Schulhaus. Von weiteren gewaltsamen Kriegsereignissen blieb der Ort verschont. Am 22. April 1945 rückten von Lindorf und Unterboihingen her kommend Amerikaner der 103. Infanteriedivison ein. Bei den Kampfhandlungen verloren deutsche Soldaten das Leben. Im Ort untergebrachte Ausländer setzte die amerikanische Besatzungsmacht als Polizei ein. Im Oktober mussten polnische Fremdarbeiter aufgenommen werden. Das erste Jahr nach Kriegsende war durch häufige Wechsel im Bürgermeisteramt gekennzeichnet. Nach der Pensionierung des früheren Bürgermeisters Daniel Kern am 2. Juni 1945 wurde kommissarisch Friedrich Eppinger von der Militärregierung eingesetzt, nur wenige Wochen später, am 25. Juni, wieder seines Dienstes enthoben. Ihm folgte Ernst Held, der bereits am 20. September wieder abgesetzt wurde. Erneut trat Friedrich Eppinger an. Bei dessen Erkrankung wurde Gottlob Vollmer eingesetzt. Er wurde am 13. März 1946 vom Gemeinderat neu gewählt und blieb bis 1948 im Amt. Der Erfolg der SPD seit Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den Landtagswahlen bis 1968 fort, wo sie jeweils den Wahlsieg vor der CDU errang. Bei den Bundestagswahlen gelang ihr die Platzierung vor der CDU nur 1949 und 1961. Die Liberalen erwiesen sich gegenüber der Partei der GRÜNEN in den Bundestagswahlen mit einer Ausnahme (2002) als die erfolgreichere Partei; in den Landtagswahlen überrundete die ökologische Partei die FDP/DVP in den drei aufeinanderfolgenden Wahlgängen 1988, 1992 und 1996. Konkurrenz erwuchs diesen beiden Parteien in den Landtagswahlen 1992 und 1996 in den Republikanern, die es 1992 zur drittstärksten Partei brachten. Die Wahl zum Landtag 2006 ergab für die CDU 40,7 Prozent, die SPD 23,8 Prozent, die FDP/DVP 13,7 Prozent, die GRÜNEN 13,3 Prozent und die Republikaner 4,4 Prozent. Die Wahl zum Deutschen Bundestag zeigt folgende Ergebnisse: CDU 39,6 Prozent, SPD 28,1 Prozent, FDP/DVP 14,5 Prozent, Partei der GRÜNEN 10,4 Prozent. In den Wahlen zum Europaparlament konnten sich die GRÜNEN mit einer Ausnahme vor der FDP behaupten; die CDU bildete auch hier die stärkste Kraft. In der Europawahl 2004 erreichte die CDU 46,7 Prozent, die SPD 19,4 Prozent, die Partei der GRÜNEN 13,1 Prozent, die FDP 7,8 Prozent und die Republikaner 4,9 Prozent. Die Kommunalwahl 2004 ergab acht Sitze an FWV/UWV (Freie Wählervereinigung/Unabhängige Wählervereinigung Oberboihingen), sechs an BLO (Bürgerliste Oberboihingen). Oberboihingen gehört mit Frickenhausen, Großbettlingen, Linsenhofen, Unterensingen und Wolfschlugen zur Verwaltungsgemeinschaft Nürtingen. Seit 1991 pflegt die Gemeinde mit Seebergen im Landkreis Gotha eine Partnerschaft, die aus der Freundschaft der beiden evangelischen Kirchengemeinden hervorgegangen war.

Wappen von Oberboihingen

In Silber (Weiß) unter einer liegenden schwarzen Hirschstange ein schwarzer Doppelhaken (schräges Z mit spitzen Enden).

Beschreibung Wappen

Vor 1930 wies das Schultheißenamtssiegel unter einer mit den Enden nach rechts weisenden Hirschstange einen Wappenschild auf, der den als „Wolfsangel" bezeichneten Doppelhaken - wohl ein Fleckenzeichen - enthielt. Im Jahre 1951 legte der Gemeinderat das jetzige Wappen fest, wobei die württembergische Hirschstange in normaler Stellung über dem Doppelhaken in den Schild gesetzt wurde. Die Verleihung des Wappens und der Flagge erfolgte am 11. Juli 1973 durch das Innenministerium.