Zeit für eine Bilanz

Die Bestandsaufnahmen der Kriegsschäden in der Grafschaft Hohenlohe nach dem Westfälischen Frieden

Die im Jahr 1632 zerstörte und wieder aufgebaute Burg Bartenstein auf einer Karte der Bartenstein-Langenburg- und Schrozberger Jagd von G.A. Rübel, um 1700, Vorlage: Landesarchiv BW, HZAN GA 100 Nr. 23
Die im Jahr 1632 zerstörte und wieder aufgebaute Burg Bartenstein auf einer Karte der Bartenstein-Langenburg- und Schrozberger Jagd von G.A. Rübel, um 1700, Vorlage: Landesarchiv BW, HZAN GA 100 Nr. 23

Als die schwedische Armee mit ihren protestantischen Verbündeten am 6. September 1634 in Nördlingen eine katastrophale Niederlage erlitt, brach auch über die Grafschaft Hohenlohe das Unheil herein. Das schwedische Herrschaftssystem in Schwaben und Franken löste sich auf, die hohenlohischen Grafen waren auf der Flucht, die Kaiserlichen drängten herein und besetzten die Grafschaft, zahlreiche Orte wurden geplündert und zerstört. Mit den Kaiserlichen und den Flüchtlingen, die sie vor sich hertrieben, kam die größte Pestwelle, die die Grafschaft Hohenlohe während des Dreißigjährigen Krieges heimsuchen sollte und brachte ihrerseits Tod und Verzweiflung. Im Jahr 1635 starben allein in Öhringen 800 Menschen.

Das Doppeljahr 1634 und 1635 wurde so zum Tiefpunkt der hohenlohischen Geschichte während des Dreißigjährigen Krieges. Wenn auch die Herrschaft der Grafen, abgesehen von Weikersheim, schon im Prager Frieden vom 30. Mai 1635 wiederaufgerichtet wurde, so zeitigten die Ereignisse seit der Schlacht von Nördlingen, wie auch die andauernden Kriegshandlungen, langfristig massive Folgen. Zahlreiche Höfe und Kleinbauernhäuser standen leer und verfielen, Fel der und Weinberge wurden nicht mehr bestellt und verwilderten, Steuern und Abgaben konnten in vielen Phasen weder geleistet noch eingezogen werden. So nimmt es nicht Wunder, dass die verschiedenen hohenlohischen Linien nach dem Westfälischen Frieden von 1648 nicht nur mit dem Wiederaufbau einer geordneten Verwaltung begannen, sondern auch eine umfängliche Bestandsaufnahme über Zustand und Bevölkerung ihrer Dörfer, Weiler und Höfe durchführten.

Wie die einzelnen Übersichten zeigen, hatte der grausame Krieg den Osten Hohenlohes am härtesten getroffen: In den Ämtern Schillingsfürst, Bartenstein und Wildenholz der Herrschaft Hohenlohe- Schillingsfürst waren von ursprünglich 501 Herdstätten 1653 gerade noch 235 übrig geblieben, im Amt Schillingsfürst von 283 sogar nur 98. Da aber deren Bewohner zwar noch vorhanden, [oft] aber durch das lange Kriegswesen also [v] erarmet und verderbet worden, daß ieziger zeit nit die helffte [an den geschuldeten Gefällen] von Ihnen zu erbringen, blieb in vielen Fällen nichts anderes übrig, als auch diese Abgaben in mehr oder weniger großem Umfang nachzulassen, da man anderst selbigen nit gar vollend zum grund richten wollen. Neuansiedlern wurde für die ersten Jahre ohnehin Abgabenfreiheit gewährt. Auf diese Weise aber reduzierten sich die Gefälle noch stärker: In diesen drei Ämtern fielen die Einnahmen von ursprünglich 4.499 Gulden im Jahr auf klägliche 842 – nicht einmal der fünfte Teil der ursprünglichen Summe! Gleichzeitig beliefen sich die Schulden allein dieser hohenlohischen Linie auf 89.725 Gulden.

Angesichts dieser Ausgangslage verwundert es nicht, dass die wirtschaftliche Erholung auch nach dem Abzug der Schweden 1650 nur sehr zögerlich in Gang kam. Die Feier eines großen Friedensfestes im selben Jahr war daher zwar zweifelsohne ein Ausdruck großer Freude über den so lange ersehnten Frieden, aber mehr noch ein Aufbruchssignal: Wiederaufbau und Abwendung der schieren Not hatten gerade erst begonnen.

Ulrich Schludi

Quelle: Archivnachrichten 57 (2018), S. 30-31