Mannheim-Neuostheim mit dem südlich anschließenden Flugplatzgelände, Luftbild 1968

Mannheim-Neuostheim mit dem südlich anschließenden Flugplatzgelände: Auf dem Orthofoto von 1968 ist der unbefestigte Zustand erkennbar. Quelle: LEO-BW-Kartenmodul.

Vor 100 Jahren wurde der Flugplatz Mannheim-Neuostheim in Betrieb genommen. Starts und Landungen erfolgten damals über eine Graspiste. Das Unternehmen selbst war hochprofessionell und wurde unter dem Namen Badisch-Pfälzische Flugverkehr AG in Mannheim gegründet. Wenig später in die Badisch-Pfälzische Lufthansa umgewandelt, wurde eine Kooperation mit der deutschen Lufthansa vereinbart. Zu den Zielen zählten Frankfurt a. M., Darmstadt, Karlsruhe, Baden-Baden, Villingen, Freiburg und Basel, dann auch Hamburg, Berlin und weitere. Gegen Ende der 1930er Jahre wurden jährlich über 10.000 Passagiere befördert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Platz durch US-Einrichtungen genutzt und erst 1953 bzw. 1957 für den Segel- und motorisierten Sportflugbetrieb freigegeben. Über einen langen Zeitraum stieg die Zahl der Flüge und Passagiere kontinuierlich. Die Graspisten blieben zunächst erhalten. In den 1970er Jahren entstand eine 1000 Meter lange befestigte Bahn.

Der weitere Ausbau folgte ab den 1990er Jahren, nachdem Pläne für einen Regionalflughafen in Sandheim gescheitert waren. Zeitweise bestanden Linienverbindungen, hauptsächlich nach Berlin, bedarfsweise wurden auch München, Dresden und Hamburg angeflogen. Den heutigen Airport Mannheim City bestimmt zu großen Teilen der Sport-, Privat- und Werkflugsverkehr. Die Passagiere kommen aus großen Unternehmen im Raum Mannheim. Ferienziele, etwa Elba, Heringsdorf und aktuell Sylt, ergänzen das Angebot.

Mehr Infos zur Geschichte des Flugplatzes gibt es beim Marchivum . Am Mittwoch, 9. September findet dazu um 18 Uhr ein Vortrag statt, der via YouTube im Livestream verfügbar ist . Weitere Infos, insbesondere zu den erhaltenen Gebäuden, finden Sie bei Rhein-Neckar-Industriekultur e.V.

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Fotogeschäft auf dem Land, aus einem Privatalbum der Sammlung Schlesiger mit Karlsruher Motiven, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger 8 / Alben 312

Fotogeschäft auf dem Land, aus einem Privatalbum der Sammlung Schlesiger mit Karlsruher Motiven, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger 8 / Alben 312

Es ist umstritten, wann genau die ersten Fotos entstanden. Als früher Meilenstein gilt der „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“, das Joseph Nicéphore Niépce um 1826 im Heliografie-Verfahren anfertigte. Als Bildträger diente eine Asphaltmischung. Die Belichtungszeit betrug bemerkenswerte acht Stunden. Rund zehn Jahre später entwickelte Louis Daguerre ein Verfahren mit silberbeschichteten Platten, die chemisch entwickelt und fixiert wurden. Damit verkürzte sich die Aufnahmezeit auf 30 Minuten. In den Folgejahren wurde ständig an der Verbesserung der Verfahren gearbeitet, bei denen lichtempfindliche Silbersalze sowie lichtstärkere Objektive zum Einsatz kamen. Ab den 1880er Jahren waren die ersten Handkameras mit Rollfilm erhältlich. Mit den Neuerungen der 1920er Jahre eroberten erschwingliche und leicht zu bedienende Kameras in größerer Stückzahl den Markt. Die von Oskar Barnack bei den Optischen Werken Leitz entwickelte Leica erschien 1925. Fotografie wurde zum Produkt für die breite Masse, sowohl im privaten als auch im Pressebereich. Der Bogen lässt sich weiter spannen zum Smartphone, das eine ständige Verfügbarkeit und Verbreitung aktueller Fotos ermöglicht, bis hin zur KI. Bildbearbeitung und Fälschung war allerdings schon in den Anfangsjahren der Fotografie an der Tagesordnung.

In Archiven und Museen gehören Fotosammlungen zu den Beständen, die den historischen Kontext und seine Veränderungen auf anschauliche Weise vermitteln können. Fotos liefern einen detailgetreuen Eindruck. Dabei ist zu beachten, dass es sich um Momentaufnahmen handelt, mit technischen Mitteln erzeugt und umgesetzt. Je nach Kamera, Film und Einsatz der Person hinter dem Apparat entstehen unterschiedliche Bilder eines Objekts. Sie dokumentieren aber sie illustrieren und interpretieren auch.

Die folgende Auswahl stellt Archiv- und Museumsbestände vor, die teils über LEO-BW verfügbar sind. Sie halten Menschen, Ereignisse und Situationen zu bestimmten Zeiten fest und ergänzen damit andere historische Quellen.

Das Fotoinventar des Landesarchivs Baden-Württemberg umfasst rund 150 Bestände, darunter die Patientenfotografien des Weinsberger Arztes Paul Kemmler (1865—1929), die Fotoglasplatten der Sammlung Wilhelm Kratt oder das Archiv des Sigmaringer Fotoateliers Kugler. Erwähnenswert sind außerdem die umfangreichen Sammlungen, die im Rahmen dienstlicher Belange entstanden. So dokumentierte Erich Blankenhorn (1878-1963) als Chef der in der Weimarer Republik neu gegründeten Badischen Polizei deren Aufbau und Trainingsprogramm. Weitere Sammlungen entstanden im Bereich Verkehr, etwa zur Bahn, zu Land- und Wasserstraßen.

Bei den Personen, die im Südwesten Fotogeschichte geschrieben haben, handelt es sich um Größen wie Felix H. Man alias Hans Felix Sigismund Baumann (1893-1985), der in Freiburg geboren und mit frühen Bildreportagen international bekannt wurde. Umfangreiche Sammlungen hinterließen die Fotojournalisten Willy Pragher (1908-1992) mit Sitz in Freiburg (Bestand im Staatsarchiv Freiburg) und Burghard Hüdig (1933-2020), der „Hof-Fotograf“ der baden-württembergischen Landesregierung (Bestand im Hauptstaatsarchiv Stuttgart). Vom Staatsarchiv Freiburg soll in den nächsten Jahren die Fotosammlung Hanns Tschiras (1899–1957) erschlossen werden. Tschira wurde als Bordfotograf auf Atlantikschiffen bekannt und gründete einen eigenen Bilderdienst in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in seiner neuen Heimat Baden-Baden. Das ohne große Kriegsverluste erhaltene Bildarchiv deckt eine große Bandbreite an Themen ab, die auch für die Zeit vor 1945 bedeutsam sind.

Weniger bekannt sind die Frauen, die bereits in den Anfangsjahren der Fotografie Bedeutendes leisteten. Julie Bauer (1879–1968) gehört zu den ersten Profi-Fotografinnen und eröffnete nach Ablegung der Meisterprüfung 1906 ein eigenes Atelier in der Karlsruher Moltkestraße. Annemarie Brenzinger (1884-1968) war fotografische Autodidaktin. Sie nahm an Ausstellungen teil, veröffentlichte in Zeitschriften und erhielt Preise für ihre Arbeiten. Für die familieneigene Baufirma entstanden Dokumentationen. Eine Besonderheit war ihre technische Experimentierfreude. So beschäftigte sie sich mit Stereo- und frühen Farbaufnahmen. Ihr fotografischer Nachlass gilt wegen seiner Vielfalt und Geschlossenheit als kultur- und fotohistorische Besonderheit und befindet sich in der Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums. Die Bilder sind unter Eingabe des Namens auf LEO-BW abrufbar. Marlis Decker absolvierte ein Volontariat bei dem Freiburger Bild- und Textjournalisten Wilfrid E. Vits. Ab 1976 arbeitete sie als selbstständige Bild- und Pressejournalistin. Eine Werksammlung aus über 30 Jahren ihrer Tätigkeit befindet sich im Staatsarchiv Freiburg. Das Bildarchiv des Ehepaars Lilo (1926-2009) und Horst Schlesiger (1925-1993) bildet einen Bestand im Stadtarchiv Karlsruhe. Horst Schlesiger war ab 1950 als freiberuflicher Bildjournalist für die Badischen Neuesten Nachrichten tätig. Seine Aufnahmen fangen über 40 Jahre die zeitgenössischen Themen in und um die Stadt Karlsruhe ein. Lilo Schlesiger, ausgebildete Kupferstecherin und Keramikmalerin, begleitete diese Zeit nicht nur organisatorisch. Aufnahmen von Bauten, Natur und besonders Porträts von Jubilarinnen und Jubilaren sind ihr zuzuordnen, wobei die Urheberschaft auch in anderen Bereichen des Archivs nicht immer eindeutig ist.

Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern!

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Kauf- bzw. Waaghaus mit Blaserturm, Rathaus und Kornhaus am Westrand der Oberstadt, Lederhaus und Karmeliterkloster am Übergang zur Unterstadt, Ausschnitt aus einer Reproduktion der Karte von David Mieser, 1625. Quelle: Historischer Atlas Baden-Württemberg, Karte 1,5.

Kauf- bzw. Waaghaus mit Blaserturm, Rathaus und Kornhaus am Westrand der Oberstadt, Lederhaus und Karmeliterkloster am Übergang zur Unterstadt, Ausschnitt aus einer Reproduktion der Karte von David Mieser, 1625. Quelle: Historischer Atlas Baden-Württemberg, Karte 1,5.

1276, also vor 750 Jahren, wurde Ravensburg Reichsstadt. Aus einer Siedlung im Bereich der Welfenburg war Mitte des 13. Jh. die ummauerte spätere Oberstadt entstanden, die rund 100 Jahre später nach Westen erweitert und durch eine gemeinsame Befestigung ergänzt wurde. Wohlstand entstand durch den Fernhandel des 14. und 15. Jh. sowie die Produktion von Textilien und Papier. Im 16. Jh. verlagerten sich Handelsrouten und wirtschaftliche Schwerpunkte nach Augsburg. Große bauliche Veränderungen fanden ab dem 15. Jh. über lange Zeit nicht mehr statt.

Die von David Mieser 1625 fertiggestellte Karte von Ravensburg und Umgebung war eine Arbeit im Auftrag der Stadt. Das Original, ein auf Leinwand gemaltes Ölbild, hat die Größe von 220 x 285 cm, was einem Gebiet von mehr als 12 Quadratkilometern entspricht. Ein Ausschnitt wurde als Reproduktion in den Historischen Atlas von Baden-Württemberg aufgenommen. Hier sind neben der Kernstadt die beiden kleinen Vorstädte »Ölschwang« und »Pfannenstiel« zu sehen sowie die bereits außerhalb der Stadtgrenze liegende Veitsburg, die welfische Stammburg. Neben Gärten, Landhäusern und Weinbergen sind die Wirtschaftsgebäude bemerkenswert, darunter Keltern sowie die zahlreichen Mühlen der Vorstädte. Im innerstädtischen Bereich ist die Zweiteilung in die ältere Ober- und jüngere Unterstadt mit ihrer regelmäßigeren Bebauung erkennbar, die durch den heutigen Marienplatz getrennt sind. Als markante Gebäude, die durch eine Legende beschrieben sind, erscheinen neben dem Rathaus die Brotlaube, das Kauf- oder Waaghaus sowie das Kornhaus. Die Situation der Unterstadt wird maßgeblich durch den Flattbach geprägt, der die Stadt sowohl oberirdisch als auch verdolt durchquert. Er tritt am Lederhaus zutage, begleitet die Trocknungsplätze der Gerber und passiert schließlich beim Spital zum Heiligen Geist am Untertor die Stadtbefestigung. Neben deren Türmen treten die der Kirchen Unserer Lieben Frau und St. Jodok hervor. Als sakrale Gebäude sind ferner die Kapelle des Franziskanerinnenklosters erkennbar, die sich an den „Mehlsack“ anschließt und in der südöstlichen Ecke der Unterstadt das Karmeliterkloster.

Die Ansicht von David Mieser von 1625 ist nicht nur deshalb bedeutsam, weil sie einen realitätsbezogenen Eindruck der Stadt unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Krieg vermittelt. Einbezogen wurden auch die Gegebenheiten des Umlands. Während der folgenden Kriegszeit verlor Ravensburg viele Einwohner durch Hunger und Seuchen sowie einen Teil seines ohnehin kleinen Territoriums. Ein großer Bereich der Veitsburg brannte 1647 ab. David Mieser starb 1635 durch die Pest.

Eine ausführliche Beschreibung unter Berücksichtigung der Person des Malers David Mieser finden Sie im Historischen Atlas von Baden-Württemberg (hierzu die Vorschaubilder unter dem Titelbild anklicken und dann nochmals auf den Titel klicken).

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Die Stadt Rottweil mit ihren Türmen, Ausschnitt aus einer um 1900 angefertigten Abzeichnung der Pürschgerichtskarte, Quelle: Landesarchiv BW, StAL EL 68 IV Nr. 56, gemeinfrei

Die Stadt Rottweil mit ihren Türmen, Ausschnitt aus einer um 1900 angefertigten Abzeichnung der Pürschgerichtskarte, Quelle: Landesarchiv BW, StAL EL 68 IV Nr. 56, gemeinfrei

Heute werfen wir einen Blick auf die Rottweiler Pürschgerichtskarte. Das Stück ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Eine runde Form und die konzentrische Darstellung verleihen ihm ein „globales“ Aussehen. Auch der Durchmesser von über zwei Metern kann sich sehen lassen. Angefertigt wurde die Karte, um den Verwaltungs-, Gerichts- und Jagdbezirk der Stadt Rottweil wiederzugeben sowie die damit verbundenen herrschaftlichen Ansprüche. Gezeichnet hat sie David Rötlin, von dem keine genauen Lebensdaten überliefert sind. Im Zentrum steht die Stadt Rottweil, deren öffentliche, religiöse und private Gebäude detailreich erfasst wurden. Den Mittelpunkt bildet die Kapellenkirche mit ihrem Turm. Das für eine Karte frühe Entstehungsdatum von 1564 dokumentiert einen Zustand, der viele Veränderungen erfuhr, etwa durch den Dreißigjährigen Krieg, mehrere Brände und später auch Abbrucharbeiten. Zu den öffentlichen Gebäuden am zentralen Straßenkreuz der Stadt zählten ein 49 Meter langes Kaufhaus (erwähnt 1285), die Brotlaube (1293), die auch als Wachthaus bezeichnete Kürsnerlaube (1344) und die Metzig (1345).

Das auf der Karte dargestellte Umland reicht von Oberndorf im Norden bis nach Villingen im Süden. Im Westen erscheint die Ruine Waldau bei Königsfeld am Rand des Schwarzwalds. Im Osten liegen Orte wie Zepfenhan, Wellendingen oder Frittlingen, die sich im Einzugsbereich der Schwäbischen Alb befinden. Der Geländemaßstab nimmt zu den Rändern hin ab, wobei sich die Größe der Ortsdarstellungen nicht verändert. Auch hier überrascht der Detailreichtum. Es finden sich Höfe und Mühlen, Bildstöcke, Kapellen und Klöster, Straßen, Bäche, Brunnen und Waldgebiete, Burgen, Schlösser und Ruinen. Zu den heute nicht mehr existierenden Örtlichkeiten gehören Schloss Graneck bei Niedereschach oder die Burg Rotenstein bei Horgen. Rötlin teilte die Erzählfreude vieler Kartographen der Frühen Neuzeit und schmückte sein Werk mit Anekdoten und Genredarstellungen. Reiter bevölkern die Straßen, Bauern bestellen Felder. Und schon 1564 ragen die zahlreichen Rottweiler Türme auf, die identitätsstiftend für die Stadt geworden sind.

Das drehbare Original der Pürschgerichtskarte befindet sich heute im Besitz des Stadtmuseums Rottweil. Die um 1900 angefertigte Kopie einer Abzeichnung steht online im Bestand des Staatsarchivs Ludwigsburg zur Verfügung.

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Zwei Junge Frauen im Gras, Bild aus dem Atelier Kugler in Sigmaringen, um 1933

Botanische Beobachtungen oder ein Gespräch unter Freundinnen? Wir wissen nicht, was die beiden Damen beschäftigt aber es scheint interessant zu sein. Das Bild entstand Anfang der 1930er Jahre als Glasplattenaufnahme und gehört zum Bestand des Fotoateliers Kugler in Sigmaringen. Quelle: Landesarchiv BW, StAS N 1/68 Nr. 2005, Lizenz CC BY 4.0

Der LEO-Blog macht Sommerpause. Wir wünschen einen schönen August sowie den Urlauberinnen und Urlaubern gute Erholung. Ende des Monats geht es weiter.

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