Wehrabecken

Das Wehrabecken, zusammen mit dem Hornbergbecken Teil der Kraftwerkskaskade der Schluchseewerke, Quelle: LGL BW
Das Wehrabecken, zusammen mit dem Hornbergbecken Teil der Kraftwerkskaskade der Schluchseewerke, Quelle: LGL BW

Das Wehrabecken, auch als Wehrastausee oder Wehratalsperre bezeichnet, ist ein Stausee im Tal der Wehra. Der Stausee liegt im südlichen Schwarzwald nordöstlich der rund 13.000 Einwohner großen Stadt Wehr. Der See ist Teil der Kraftwerkskaskade der Schluchseewerke und bildet mit dem Kraftwerk Wehr das Unterbecken der Hornbergstufe.

Die östlich von Todtmoos im Schwarzwald entspringende Wehra ist ein etwa 25 km langer rechter Nebenfluss des Hochrheins, der von seinem Ursprung zunächst in südwestlicher Richtung verläuft, dann in der Nähe der Stadt Wehr nach dem Verlassen des Stausees seinen Lauf in südlicher Richtung ändert, um nach wenigen Kilometern beim Ortsteil Brennet in den Rhein zu münden. Das Wehratal zeigt in seinem Oberlauf das Bild eines typischen Schwarzwaldhochtales, ist hier jedoch mit 200 bis 300 m deutlich stärker eingeschnitten. Im weiteren Verlauf hat die Wehra eine mehr als 400 m tiefe Schlucht in den Südwesthang des Schwarzwaldes eingeschnitten. Der deutlich mäandrierende Fluss mit ausgeprägtem Gefälle wird hier sportlich als schwierige Wildwasserstrecke mit internationalem Bekanntheitsgrad genutzt. Der Mittellauf endet in der Wehratalsperre, hinter der der Fluss auf den letzten etwa 7 km bis zur Mündung in weitgehend grader Linienführung verläuft. Westlich erhebt sich das verkarstete Plateau des Dinkelberges, der hier nur noch etwa 100 m ansteigt.

Die Wehratalsperre wurde 1971 bis 74 als Steinschüttdamm mit einer Asphaltbeton-Außendichtung errichtet. Sie verläuft auf etwa 420 m Höhe am südwestlichen Ende des Stausees zwischen dem 540,6 m hohen Wolfristkopf im Nordwesten und dem 702 m hohen Steineckberg im Südosten. Der Damm mit einem Bauwerksvolumen von 400.000 Kubikmetern hat eine Höhe über der Gründungssohle von 50 m und erhebt sich rund 40 m über die Talsohle. Die Kronenlänge beträgt 235 m bei einer Breite von 5 m. Die Wasserfläche der 1975 in Betrieb genommenen Talsperre beträgt bei Volleinstau rund 0,25 Quadratkilometern. Der Stausee ist 1,6 km lang, aber aufgrund des engen Wehratales nur 200 m breit. Insgesamt können hier bis zu 4,1 Millionen Kubikmeter Wasser eingestaut werden. Der Wasserzufluss erfolgt sowohl durch die Wehra selbst als auch über das Einlaufbauwerk des Kraftwerkes am östlichen Ufer. Hier wird das vom Hornbergbecken kommende Wasser eingeleitet, nachdem es die Kraftwerksturbinen passiert hat. Die Kaverne mit dem Kraftwerk liegt auf halbem Weg zwischen dem Hornbergbecken und dem Wehrabecken im Berg. Das Hornberg-Speicherbecken als Oberstufe liegt etwa 3 km östlich des Wehrabeckens.

Die Wehra verlässt das Staubecken über ein Einlaufbauwerk mit einem anschließenden, 290 m langen und 3,7 m durchmessenden Stollen. Dieser endet in einem in den Hang östlich neben dem Staudamm eingebauten Auslaufbauwerk, wo er sich in zwei Rohrleitungsstränge teilt. Westlich des Staudamms befindet sich ein weiterer Hochwasserentlastungsstollen. Der Wehradurchfluss muss bei jedem Beckenstand zwischen Stauziel 419 m und Absenkziel 395 m über NN zeitgleich wieder in das ursprüngliche Flussbett abgegeben werden, um den Bestand des Flusses in seinem weiteren Verlauf ohne Einschränkung zu sichern. Die Abgabewassermengen schwanken im Tagesverlauf entsprechend der Nutzung sehr stark. Um das Energiepotenzial des hier abfließenden Wassers dennoch zu nutzen, wurde 1998 bis 2000 eine zusätzliche Kleinwasserkraftanlage in einem seitlichen Anbau an das Ausflussbauwerk errichtet. Anders als bei den bisherigen Wasserkraftwerken wurde hier keine Francis-Turbine, sondern eine Ossberger-Turbine eingebaut. Dabei handelt es sich um eine Durchströmturbine, bei der das Wasser den Turbinenläufer nicht axial oder radial, sondern quer durchströmt. Durch den doppelten Aufschlag ergibt sich eine bessere Wirkung. Die 1933 entwickelte Ossberger-Turbine gehört gemäß ihrer Drehzahl zu den Langsamläufern und ist somit besser auf die schwankenden Wassermengen und die stark variierenden Fallhöhen ausgerichtet. Die Unterschiede betragen je nach Wasserstand zwischen 16 m und 36 m bei einer mittleren Fallhöhe von 29 m. Die Ossberger-Turbine erzielt bei einem Laufraddurchmesser von 1000 mm und einer Schluckwassermenge von 4 Kubikmetern pro Sekunde eine Maximalleistung von 1,135 MW. Jährlich werden in der Anlage bis zu 3,5 Millionen kWh regenerativer Energie erzeugt.

Neuere Planungen der Schluchseewerke AG als Eigentümer und Betreiber des Stausees sehen ab 2016 eine Erhöhung des Speichervolumens im Stausee um 220.000 Kubikmeter oder 5,26 Prozent der Wassermenge vor. Zu diesem Zweck muss der Staudamm um 90 cm erhöht werden, um den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,5 m zwischen der Wasseroberkante und der Dammkrone zu erhalten. Dadurch wird sichergestellt, daß auch bei Hochwasser und Starkwind kein Wasser über die Dammkrone schwappen kann. Neben dem Einbau stählerner Wellenumlenker auf der Dammkrone muss auch die am Ufer verlaufende L 148 auf rund 450 m Länge angehoben und mit Stützmauern gesichert werden, um eine Durchnässung des Straßenfundaments zu vermeiden. Hinzu kommen verschiedene Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz bedrohter Kleintiere.

Das Luftbild wird im Kartenmodul auf den Gemeindeseiten angezeigt: Menüpunkt Kartenauswahl/Hintergrund - Orthophotos. Dazu muss die Zoomstufe mindestens auf die drittkleinste Ansicht eingestellt sein.