Von Stuttgart-Münster bis Remseck

Stuttgart-Burgholzhof, im Hintergrund Neugereut, Max-Eyth-See, Hofen und weiter neckarabwärts Mühlhausen – Quelle: LMZ BW

Stuttgart-Burgholzhof, im Hintergrund Neugereut, Max-Eyth-See, Hofen und weiter neckarabwärts Mühlhausen – Quelle: LMZ BW

Unmittelbar hinter Cannstatt verlässt der Neckar die Stuttgarter Bucht, quert die Bruchzonen des nördlichen Fildergrabens und tritt ein weiteres Mal in den widerständigen Hauptmuschelkalk ein. Die Talflanken werden wieder steiler und rücken enger zusammen. In rascher Folge wechseln anfangs Prallhänge – wie der Cannstatter Zuckerberg oder der Steilhang unterhalb Stuttgart-Freibergs, die beide als Württemberger  Weinlagen (Cannstatter Zuckerle) Berühmtheit erlangt haben – mit beckenartigen Gleithängen ab, in welchen der Fluss stärker Schottern absetzen konnte. Aus dem Abbau solcher Kiese beim Bau eines Stauwehrs entstand 1932/35 bei Stuttgart-Hofen im Zuge der Neckarkanalisierung der Max-Eyth-See als größter See im Stadtkreis Stuttgart. Anfangs mit dem Fluss verbunden und als Bade- und Sportgewässer für Segel- und Motorboote, sogar für Ausflugsschiffe genutzt, wurde er im Zweiten Weltkrieg vom Fluss getrennt und zeitweise trockengelegt. Später über einen Durchstich erneut geflutet und seit 1961 unter Landschaftsschutz gestellt, ist der See heute ein bedeutender Brut- und Rastplatz für Wasservögel und – trotz Badeverbot – nach wie vor ein äußerst beliebtes Naherholungsgebiet. Lange Zeit war seine ökologische Stabilität in heißen Sommern akut gefährdet, bis eine Frischwasserleitung das wieder fischreiche Stillwasser mit Sauerstoff versorgte.

Nur wenig stromabwärts begleitet der Neckar auf der linken, hier sehr flach einfallenden Gäufläche das ausgedehnte Gelände des Hauptklärwerks Stuttgart-Mühlhausen. Seit den 1950er Jahren bildet es das Zentrum der Abwasserreinigung der Landeshauptstadt und ist heute die größte Kläranlage Baden-Württembergs. Ihr weithin sichtbares, herausragendes Element ist der 100 m hohe Schornstein. Das steil ansteigende Gegenufer wird vom Naturschutzgebiet Oeffinger Scillawald eingenommen, wo sich in seiner Ursprünglichkeit ein Waldtyp erhalten hat, der entlang des Neckars und seiner Nebenflüsse einst weit verbreitet war. Das Naturschutzgebiet endet an der Mündung des Weidachtals, ab der flussabwärts dann beispielhaft Renaturierungsversuche zu erkennen sind, die verschiedentlich an der Wasserstraße vorgenommen werden. Das Bestreben ist es, den durch die Neckarkanalisation sterilen und tristen Flussrand wieder zu einer erlebbaren Uferzone umzugestalten. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde 2009 die Stahlkonstruktion Fellbacher Landungsbrücke als modernes Kunstwerk sowie Aussichts- und Orientierungspunkt aufgestellt.