Geislingen am Kocher - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1215

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Neben dem an der Mündung der Bühler in den Kocher gelegenen Kernort zählten noch weitere Ortsteile zu Geislingen. Der Weiler Bühlerzimmern wird möglicherweise schon 1090 erstmals als »Cimberen« im Comburger Schenkungsbuch, 1266 dann sicher erwähnt. Auch im Comburger Lagerbuch von 1462 besaß das Kloster noch mindestens einen Hof. Im 16. Jahrhundert konnte vor allem Hall Besitz über das Stift Comburg und die Limpurger Schenken erwerben, es sind allerdings auch noch Einkünfte von Ansbach-Bayreuth nachweisbar. Den ab 1401 genannten Hergershof auf dem Bergrücken südöstlich von Geislingen konnte das Haller Spital 1463 und 1506 zu seinen Gütern hinzufügen. Das abgegangene, als »villa Steuenesbach« 1091 genannte Steffersbach, war 1352 limpurgisch. Noch bis ins 15. Jahrhundert wird ein Hof erwähnt, der 1422 von Anna von Bachenstein an Kraft von Enslingen verkauft wurde. Auch für die 1470 eingerichtete Geislinger Frühmesse verwendete man Einkünfte aus Steffersbach. Im gleichfalls abgegangenen Grimbach, 1333 auch als »Grunden« und später als »Gründbach« bezeichnet, waren im 14. Jahrhundert vorrangig Haller Bürger, 1478 das Kloster Comburg mit mehreren Gütern vertreten. Aus der Talweitung an der Mündung der Bühler in den Kocher hat sich Geislingen nach Süden und den Hang hinauf nach Westen ausgedehnt. Das neue Wohngebiet »Hofäcker« wurde 1960 am westlichen Ortsrand begonnen.
Historische Namensformen:
  • Giselingen 1215
Geschichte: Im Jahr 1215 erscheint ein »Heinricus de Giselingen« als Zeuge in einer Urkunde des staufischen Königs Friedrich II. über einen Burgentausch des Bischofs von Regensburg und des Abts von Ellwangen. Die bis 1235 erwähnten Ministerialen von »Giselingen« hatten ihre Burg möglicherweise auf dem südöstlich von Geislingen gelegenen Löwenberg. Auch war Geislingen ein Grenzort des Wildbannes, den Schenk Walther von Limpurg von König Konrad IV. verliehen bekam. Die Limpurger besaßen hier ab dem 14. Jahrhundert zudem das wichtige und finanziell einträgliche Geleitsrecht, welches später (1541 und 1754) Hall über die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach an sich bringen konnte und damit auch die Baulast an den Kocherbrücken zu tragen hatte. So wurde 1546 Kaiser Karl V., der mit 1000 Mann Gefolge durch das Kochertal – damals schon ein stark frequentierter Verkehrsweg – ritt, in Geislingen von einer Haller Ratsdeputation begrüßt und hielt sich kurz im Gasthof Zum Ochsen auf. Auch Kaiser Leopold durchquerte 1702 das Dorf auf einer Reise zu der Belagerung des von französischen Truppen besetzten Landaus und gewährte ebenfalls im Wirtshaus Abgesandten des Haller Magistrats eine Audienz. Der größte Grundbesitzer im Ort war das Spital zu Hall. Bereits 1396 beanspruchte das Spital die alleinige Vogtei im Ort für sich, 1399 kaufte es vom Haller Rat die Mühle samt Zubehör und 1418 gestattete es einem Dorfbewohner die Einrichtung einer Schmiede. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert wird eine Schänke genannt, deren Nutzung damals zwischen Haller Bürgern und dem Spital aufgeteilt war, 1402 wird sie dann vom Spital verliehen. Zuvor hatte bis ins 14. Jahrhundert unter anderem das Geschlecht der Küchenmeister von Bielriet über umfangreichen Besitz verfügt und sowohl Gerichts- als auch Kelterrechte besessen. Neben diesen waren auch weitere Haller Familien, die häufig Teile ihres Besitzes aus Sorge um ihr Seelenheil an das Spital vermachten, und die Herren von Stetten begütert. 1401 bestand im Ort bereits ein Gericht, welches 1477 als Gericht des Siechenspitals zu Hall bezeichnet wird. Weitere Güter in Geislingen konnte das Spital 1497 und 1505 von den Klöstern Comburg und Goldbach erwerben. Um 1394 wurde Geislingen im so genannten Streckfußkrieg – vermutlich eine Auseinandersetzung Halls mit dem regionalen Adel in der Endphase des Städtekrieges – gebrandschatzt. Im 30-jährigen Krieg kam es 1626 zu einer Plünderung durch kaiserliche Truppen. 1803 fiel Geislingen als Bestandteil des Haller Amts Bühler an Württemberg. Geislingen gehörte zum Oberamt Hall, 1938 Landkreis Schwäbisch Hall.
Wirtschaft und Bevölkerung: Im Jahr 1668 war Geislingen ein Dorf des Haller Amts Bühler mit 54 Gemeinrechten. An Gemeindegut waren Schulhaus, Kelter, Zehntscheuer und Hirtenhaus vorhanden. Die Lagerbuchüberlieferung dokumentiert eine deutliche Zersplitterung des Güterbesitzes, der überwiegende Teil der Güter und Lehen bewegte sich zwischen einem und fünf Morgen, nur wenige waren größer. Dafür sind vielfach kleinere Weinbaueinheiten nachweisbar. Nur wenige Viehställe werden aufgezählt, wenn, dann bezieht es sich auf Schweinehaltung. Der bereits im 14. Jahrhundert genannte Weinbau war im 19. Jahrhundert weitgehend zurückgegangen, dafür wurde offenbar die Viehzucht und der Viehhandel intensiviert. Im 19. Jahrhundert war Geislingen ein Stapelplatz des Mastviehhandels nach Frankfurt und Straßburg. Bühlerzimmern war 1698 ein Weiler des Haller Amts Schlicht mit acht Gemeinrechten und vier Bauern. Im Gegensatz zu Geislingen waren hier die einzelnen Güter deutlich größer: 1698 existierten elf Güter, davon umfasste das kleinste 14 Morgen, das größte 37 Morgen. Jeder Hof verfügte zudem über einen Schweinestall.

Name: Burg der von Giselingen (abgegangen)
Datum der Ersterwähnung: 1215

Ersterwähnung: 1382
Kirche und Schule: Kirchlich war Geislingen zunächst ein Filial von Untermünkheim. 1363 wird eine Heiligenpflege zu Geislingen genannt, die zugehörige und durch einen Kaplan versehene Kapelle wird 1382 erwähnt. So stammen die Turmuntergeschosse und die Langhausmauern aus der Gotik, 1788 vollzog man eine Erweiterung des Baus als Quersaal und einen Umbau des Innenraums. Das Veits-Patrozinium der Kapelle erscheint erstmalig 1435. Im Jahr 1470 vollzogen Schultheiß, Richter und Gemeinde zu Geislingen mit Zustimmung des Untermünkheimer Pfarrers die Stiftung einer Frühmesse in der Kapelle zu den Heiligen Veit, Achilleus und Nereus. Hierbei wurden drei Messen pro Woche vor dem Arbeitsbeginn der Dorfbewohner und eine Sonntagsmesse, außerdem Jahrtage für die Stifter, abgehalten. Der Haller Magistrat sollte Lehensherr der Frühmesse sein, die durch den Würzburger Bischof bestätigt wurde. Für den Inhaber dieser Pfründe bestand Residenzpflicht, zudem hatte er den Untermünkheimer Pfarrer an Festtagen zu unterstützen, Sakramente durfte er aber nur im Notfall spenden. Das Haller Dorf Geislingen wurde zusammen mit dem übrigen Landbesitz der Reichsstadt reformiert und erhielt fortan eine eigene Pfarrei. Der Pfarrer erteilte, bis 1660 eine eigene Schule errichtet wurde, den Unterricht für die Kinder des Dorfes. Auch die Kinder des nach Geislingen eingepfarrten Bühlerzimmern besuchten dort die Schule. Evangelische Pfarrkirche, zum Turm quergestelltes Schiff von 1788 mit gotischem Sockel, 1963 umgestaltet, der wiedergeöffnete Turmchor jetzt Taufkapelle. Katholiken zu Braunsbach.
Patrozinium: St. Veit
Ersterwähnung: 1435

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