Berkheim - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1190

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Auf Berkheimer Gebiet haben sich neben Siedlungsspuren des 3. Jahrtausends auch bronze- und eisenzeitliche Funde erhalten. Wichtig war die Lage an der Römerstraße zwischen Cannstatt und Grinario (Köngen): In der Köngener Straße konnten römische Fundamente identifiziert werden. Bedeutend ist der Fund im Steinriegelwäldchen, 1,5 Kilometer südöstlich des Ortes, wo Reste einer doppelt ummauerten »Villa rustica« mit zwei Gebäuden ergraben wurden (2. Jahrhundert nach Christus). Berkheim liegt in einer Mulde oberhalb des Neckars am Kamm der Filderhöhe. Der Ortsname kennzeichnet – von Esslingen aus gesehen – eine Siedlung auf dem Berg. Die Siedlung wird dem 6. Jahrhundert angehören, worauf auch ein merowingerzeitliches Reihengräberfeld mit bedeutenden Funden (»Spatha«) am Südwestende des alten Ortskerns hinweist. Den Siedlungskern um die Michaelskirche und den oberhalb direkt angrenzenden, großflächigen Widumhof (1684: sechs Häuser sowie die Zehntscheuer) ergänzten Höfe. Die wohl zunächst mit der Sirnauer gemeinsame, später relativ kleine Gemarkung erstreckte sich ursprünglich wohl bis zum Neckar. Auseinandersetzungen mit dem Kloster Sirnau sind erstmals 1379 dokumentiert und dauerten bis in das 18. Jahrhundert an. Die Berkheimer Zelgen Österbach, Gegen Plienshalde und Gegen Espach werden erstmals 1381 genannt. Der Ort hat vielfach unter kriegerischen Ereignissen gelitten. Am 22. August 1287 wurde er im Krieg gegen König Rudolf von Habsburg von württembergischen Verbündeten verwüstet. Die größten Verheerungen erfolgten durch Esslingen, so im Verlauf des Großen Städtekriegs im April 1450 und schließlich im Herbst 1519 von Truppen Esslingens und des Schwäbischen Bundes. Auch im 30-jährigen Krieg kam Berkheim zu Schaden. Am Rande der Neckartalaue auf der Filderhochflache breitete sich das Dorf nach dem Zweiten Weltkrieg durch Neubaugebiete besonders im Osten und Süden (1960/70) sowie nach Westen hin (bis 1960) aus. Während Ein- und Zweifamilienhäuser überwiegen, finden sich an der Schwarzwaldstraße auch 1974/76 erbaute Hochhäuser. Industrieanlagen im Osten und Westen des Ortes.
Historische Namensformen:
  • Bercheim 1150
  • Berchein 1190
Geschichte: Die Quellen erlauben bis zum Ende des 12. Jahrhunderts keine Zuweisung der herrschaftlichen Verhältnisse. Nach der Dominanz der Staufer zersplitterte sich der Filderraum. Der Bezug eines um 1150 im Schenkungsbuch des Klosters Allerheiligen (Schaffhausen) erwähnten Ortes auf Berkheim ist nicht zu verifizieren. Mit Sicherheit wird der Ort erstmals 1190 erwähnt, als der Konstanzer Bischof dem Chorherrenstift Denkendorf die Kirche in Berkheim inkorporierte. Ob die Propstei bereits seit ihrer Gründung um 1129 Teile der dortigen Güter und Rechte besaß, ist unklar. Ebenso könnte Vorbesitz der mit dem Kloster Sankt Blasien verbundenen Herren von Nellingen in Frage kommen. Prägend für Berkheim wurde das Chorherrenstift vom Heiligen Grabe in Denkendorf, dessen Schutz und Vogtei wechselnd das Reich, Esslingen und Württemberg ausübten. 1387 stellte sich Denkendorf unter den Schutz Esslingens, durch den letztlich endgültigen Übergang der Vogtei (1424) sowie das zunehmende Eingreifen in die inneren Verhältnisse der Propstei wurde aber die württembergische Herrschaft über Denkendorf und somit auch Berkheim eingeleitet. Die Berkheimer Vogtei verkaufte 1345 Diepold der Jüngere von Bernhausen an den Esslinger Konrad Bürgermeister, dessen Familie sie noch 1383 hielt. Über Ulrich Sachs (1430) und Agatha Ronerin gelangte sie 1438 an Denkendorf. Für 1231 kann in Berkheim Königsgut nachgewiesen werden, das von Esslinger Ministerialen König Heinrichs (VII.) an Denkendorf gelangte. Die Propstei besaß wohl seit dem 12. Jahrhundert auch Teile des großen Widumhofes. Spätestens seit 1432 wurde der Hof bei der Kirche mit reichem Zubehör als Erblehen vergeben. Bedeutende Besitzerweiterungen gelangen dem Kloster Denkendorf 1438 mit dem späteren »Fritzenhof« des Truchsessen von Bichishausen, dem »Manzenhof« (vor 1523) sowie Gütern des Klosters Sirnau, wodurch schließlich Grund- und Vogtherrschaft weitgehend in einer Hand lagen. Auch die Zehnten kamen weitgehend Denkendorf zu. 1480 erfolgte ein Tausch mit dem Kloster Sirnau, sodass später noch Zehntrechte des Esslinger Katharinenhospitals von dem eigenen und vom Nellinger Hof bestanden, dessen andere Hälfte der Pfarrei Hegenlohe zustand. Zum zweitgrößten Grundbesitzer in Berkheim entwickelte sich das Esslinger Katharinenhospital, das unter anderem 1430 den »mitten im Dorf« gelegenen »Schwäntzlinshof« mit 110 Morgen Acker erwarb. Als Rechtsnachfolger erhielt es 1525 auch die Besitzungen des Klosters Sirnau, darunter ausgedehnten Waldbesitz. Weitere Grundbesitzer und Inhaber von Einkünften waren Esslinger Klöster und Bürger, über Höfe verfügten auch Württemberg (1462) und die Propstei Nellingen (1354). Im Kontext von Streitigkeiten über die Vogteiabgaben (1383) wird die Einsetzung eines ortsansässigen Schultheißen in Berkheim festgelegt, der ab 1648 gewählt wurde. Das achtköpfige Gericht ist für 1425 belegt. Weitere Gemeindeorgane waren ein vierköpfiger Ausschuss (Rat) sowie später zwei gewählte Heimbürgen als Gemeindevorsteher. Eine Dorfordnung liegt bereits aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor. Um 1780 wurde das alte Rathaus errichtet, das bis 1854 als Rat- und Schulhaus diente. Bauern aus Berkheim und den Denkendorfer Klosterorten waren 1514 an den Aufständen des »Armen Konrad« beteiligt. Von dem Kloster-Amt Denkendorf kam Berkheim 1806 zum neu errichteten Oberamt Köngen, 1808 zum Oberamt, seit 1938 Landkreis Esslingen.
Wirtschaft und Bevölkerung: Für das Ende des 15. Jahrhunderts ist mit circa 250 Einwohnern Berkheims zu rechnen. 1544/45 zählte Berkheim 61 Haushaltungen, 1598 74 Bürger, 1655 – nach Gewalt, Pest und Hunger im 30-jährigen Krieg – nur noch 37 Bürger und einen Beisitzer. Die Bewohnerzahl stieg dann bis zum Ende des Alten Reichs, um 1800, auf circa 500 Einwohner an. Auch Berkheim war landwirtschaftlich geprägt. Etwas größer als die Bedeutung des 1363 erwähnten, in der Frühen Neuzeit rückläufigen Weinbaus war die im Sirnauer Wald oft umstrittene Waldnutzung. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht führte der 30-jährige Krieg zu erheblichen Veränderungen, sodass die Schuldenlast 1655 vergleichsweise hoch war (308 Gulden Schulden pro Kopf). Das Nebenerwerbsgewerbe der Weberei entwickelte sich bereits im 18. Jahrhundert. 1768 gründete Isaak Blessing im sogenannten Friedenstäle nördlich von Berkheim in Richtung Neckar eine Sägemühle, die 1800 von Jakob Zink aus Steinbach übernommen und zu einer Hammerschmiede umgebaut wurde. Sie blieb, 1857 abgebrannt und wieder aufgebaut, bis 1970 im Besitz der Familie Zink.

Ersterwähnung: 1191
Kirche und Schule: Aufgrund des 1191 erstmals erwähnten Michaelspatroziniums ist anzunehmen, dass eine Kapelle in Berkheim bereits im Frühmittelalter bestand. Die Anfang des 12. Jahrhunderts erbaute Kirche wurde dem Chorherrenstift inkorporiert. Bis 1739 blieb Berkheim eine Filiale Denkendorfs, wurde dann aber Nellingen zugeschlagen, wo es bis zur Erhebung zur Pfarrverweserei 1841 verblieb. Die Kirche ist im Kern romanisch und deshalb älter als ihre erste Erwähnung. 1508 erhielt der Berkheimer Pfarrer die Erlaubnis, die Kirche baulich und die Aufstellung der Altäre zu verändern. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Chor angebaut. Mit der Einführung der Reformation in Denkendorf Mitte Juni 1535 wurde auch Berkheim evangelisch. Der erste nachweisbare Pfarrer in Denkendorf ist 1539 Sebastian Aurelis, der auch in Berkheim predigte. Der Herzog von Württemberg übernahm das Patronat. Bereits vor 1601 bestand in Berkheim eine Schule. Ab 1780 fand der Unterricht im neu erbauten Rathaus statt. Seit 1889 ist Berkheim eine selbständige Pfarrei. Evangelische Pfarrkirche im früher befestigten Kirchhof mit romansichen Umfassungsmauern. Flachgedecktes Schiff. Vieleckchor mit Spitzbogenfenstern, 1841 und 1876 umgebaut, 1929 erneuert. Pfarramt und Vikariat. Katholische Kirche St. Johannes Baptist von 1953; Pfarrei St. Maria seit 1975.
Patrozinium: Hl. Michael
Ersterwähnung: 1191

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