Leinfelden-Echterdingen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Große Kreisstadt
Homepage: http://www.leinfelden-echterdingen.de
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Einwohner: 37224
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 1.245
Max. Höhe ü. NN (m): 498.37
Min. Höhe ü. NN (m): 341.3
PLZ: 70771, 71144

Die Große Kreisstadt, gebildet aus vier vor 1975 eigenständigen Gemeinden, liegt im äußersten Nordwesten des Landkreises Esslingen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtkreis Stuttgart, mit dem sie stark verzahnt ist. Das Stadtareal greift von den bewaldeten Glemswald-Schönbuchhöhen im Westen auf die tektonisch abgesenkte, durch Lößlehmauflagen äußerst fruchtbare, offene Schwarzjuraebene der Fildern aus. Die Durchschnittshöhe erreicht dort etwa 400 m über NN, steigt im Schönbuch auf maximal 498 m an und fällt im tiefeingeschnittenen Reichenbachtal (ebenfalls Schönbuch) auf 342 m ab. Die Waldhänge und Wiesenmatten dieses Tals stehen unter Naturschutz (‚Siebenmühlental‘), genauso wie Streuobst- und Magerwiesen am Schönbuchrand (‚Musberger Eichwald‘). Zum Kern des Verdichtungsraums Stuttgart gehörend, erlebte die Stadt ein enormes Bevölkerungs- und Siedlungswachstum. Die Dörfer nähern sich raumzersiedelnd bis auf Sichtweite. Auf große Industrie- und Gewerbeareale an den Siedlungsrändern siedelten sich namhafte Unternehmen an, die Dorfkerne wandelten sich zu Wohn- und Geschäftszentren. Hervorragende Verkehrsanbindungen unterstützen diese Entwicklung. Die A8 verläuft entlang der nördlichen Stadtgrenze, mit direktem Anschluss über die neue, vierspurig ausgebaute B27, die das Stadtgebiet von Nord nach Süd quert. Mit S- und U-Bahnlinien ist die Stadt direkt in das Nah- und Fernverkehrsnetz der Landeshauptstadt eingebunden. Die Verkehrslinien ermöglichen den Zugang zum Landesflughafen Stuttgart-Echterdingen, dessen Hauptzugang mit den Abfertigungshallen im Stadtgebiet liegt, sowie zum unmittelbar benachbarten Gelände, der 2007 eröffneten Neuen Messe. Sämtliche Stadtteile gehörten bis 1938 zum Amt bzw. Oberamt Stuttgart. Dann kamen Echterdingen und Stetten zum Landkreis Esslingen, Leinfelden und Musberg zum Landkreis Böblingen. Erst 1972 kamen auch sie zum heutigen Landkreis.

Leinfelden-Echterdingen liegt am nordwestlichen Rand des Landkreises Esslingen vor den Toren der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Große Kreisstadt, zu der auch Musberg und Stetten auf den Fildern zählen, erstreckt sich über eine Fläche von 29,89 Quadratkilometer von der A 8 im Norden bis zum Siebenmühlental im Südwesten und vom Flughafen im Osten bis nach Musberg im Westen. Dort grenzt bereits der Landkreis Böblingen an, zu dem vor der Kreisreform auch Leinfelden und Musberg gehörten. Messegelände, Flughafen, ausufernde Bebauung aber auch die Laubwälder an den Hängen und auf den Höhen von Schönbuch und Glemswald sowie das beschauliche Siebenmühlental sind markante Kennzeichen des stark nach Stuttgart orientierten Stadtgebiets und weisen auf den kaum zu überbietenden Kontrast zwischen dessen dicht besiedelter Nordosthälfte und dem bewaldeten Südwesten hin. Die Stadt ist nach dem Landesentwicklungsplan unmittelbarer Teil des Verdichtungsraumes Stuttgart. Der angesprochene Gegensatz basiert auf dem Zusammentreffen zweier sehr unterschiedlicher Naturräume. Im Norden und Osten hat das Stadtgebiet Anteil an den Fildern, deren namengebende »Felder« allerdings immer mehr durch Bebauung zurückgedrängt werden. Im Westen und Süden greift es auf Glemswald und Schönbuch mit ausgedehnten Wäldern und dem als Naherholungsgebiet hochgeschätzten Siebenmühlental aus. Die Grenze beider Naturräume folgt etwa der Linie Oberaichen–Stetten. Östlich davon sind die Filder in einem Nordwest-Südost streichenden Graben, dem Fildergraben, zum Teil über 100 Meter abgesenkt. Daher ist hier der Unterjura großflächig vor der Abtragung erhalten geblieben. Seine Tonsteine bilden den Untergrund, auf den während der Eiszeit Löss aufgeweht wurde und aus dem sich die fruchtbaren Löss- beziehungsweise Lösslehmböden vom Typ Parabraunerde entwickelten. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Filder einen landwirtschaftlichen Gunstraum ersten Ranges darstellen. Dort, wo größere Tonanreicherungen auftreten, wie insbesondere in den Bachmulden, sind die Parabraunerden oft pseudovergleyt. Bäche sind allerdings auf den Fildern rar und aufgrund der starken Überbauung inzwischen häufig verdolt beziehungsweise gleichen wegen der intensiven landwirtschaftlichen Eingriffe oft begradigten Gräben (zum Beispiel Streitgraben beziehungsweise Erlenbrunnen östlich von Unteraichen/Leinfelden). Ursprünglich flossen auch sie in weiten, flachen Talmulden, wie dies noch die Oberläufe von Katzenbach und Flinsbach zeigen. Generell erfolgt die Entwässerung der Filder im Stadtgebiet nach Südosten, entsprechend dem flachen Einfallen der Filderebene. Ihr Höhenniveau liegt bei Unteraichen bei etwa 425 Meter über Normalnull und sinkt auf Gemarkung Stetten bis zur Grenze nach Filderstadt auf 395 Meter über Normalnull ab. Der Westrand des Fildergrabens macht sich durch eine bis zu 70 Meter hohe, bewaldete Stufe bemerkbar, die zum Naturraum Schönbuch überleitet. Seine markantesten Erhebungen im Stadtgebiet bilden die Weidacher Höhe bei Stetten beziehungsweise die Federlesmahd-Kuppe, die mit 495 Meter über Normalnull nur knapp unter dem Höhenmaximum Leinfelden-Echterdingens bleibt. Beide Erhebungen werden wiederum von Unterjuraplatten gebildet, die hier, außerhalb des Grabens, als Reste in ihrer ungestörten Lage erhalten geblieben sind. Eigentlich zusammengehörend, hat ein Seitenbach des Reichenbachs auch diese Deckschicht bereits in zwei Einheiten zerlegt. Auf der größeren, südlichen lössüberdeckten Platte lag einst innerhalb einer Rodungsinsel der Weiler Weidach, der heute vollkommen im Stadtteil Stetten aufgegangen ist. Nach Westen fällt das Gelände steil ins Siebenmühlental ab, wo der Reichenbach die einstige Unterjura-Deckschicht parallel zum Grabenrand vollständig durchsägt und sich mit einem relativ breiten, 50 Meter tiefen Sohlental inzwischen durch den Knollenmergel bis in den Stubensandstein eingeschnitten hat. Hier, unterhalb der Kochenmühle, erreicht das Stadtgebiet mit 342 Meter über Normalnull auch seinen tiefsten Punkt. Nördlich der Seebrückenmühle greift die Stadt weiter westwärts über den Reichenbach aus und trifft an der Hohenwart auf den gegenüberliegenden Teil der einstmals durchgängigen Unterjuraplatte. Dort, an der Hohenwart, liegt mit knapp 498 Meter über Normalnull der höchste Punkt der Stadt. Hohenwart und Federlesmahd-Kuppe markieren das nördliche Ende der Unterjurascholle. Im gesamten nordwestlichen Stadtgebiet fehlt sie. Die Waldberge erreichen hier noch Höhen von maximal 487 Meter über Normalnull (Oberaichener Höhe) und werden vom Stubensandstein aufgebaut. An seinem Oberlauf, bei Musberg, hat sich der Reichenbach tief in die Keuperschichten eingeschnitten und das Gelände zusammen mit seinen Nebenbächen in sich fingerförmig auffächernde Riedel zerlegt (zum Beispiel Eichberg). Der Reichenbach und seine Nebenbäche konnten ihren naturnahen Charakter weitestgehend bewahren. Der sehr wasserreiche Bach trieb früher einmal 13 Mühlen an, welche die reiche Kornernte der Filder vermahlen haben. Heute sind noch elf Mühlen erhalten, von denen sieben zu Leinfelden-Echterdingen gehören, aber zum Teil anderweitig genutzt werden. Leinfelden-Echterdingen weist einen hohen Verbrauch an Siedlungs- und Verkehrsflächen auf, der sich vor allem auf den Fildern niederschlägt. Die großen zusammenhängenden Waldgebiete im Schönbuch gleichen die Bilanz etwas aus, sodass die Siedlungsfläche insgesamt ein Drittel des Stadtgebiets ausmacht, je ein weiteres Drittel nehmen Wald und landwirtschaftlich genutzte Flächen ein. Von der Landwirtschaftsfläche entfallen gut ein Drittel auf Grünland, jedoch knapp zwei Drittel auf Ackerland, das nahezu ausschließlich auf den fruchtbaren Filderböden zu finden ist, die sich für den Getreide-, Gemüse- und Futterpflanzenanbau gleichermaßen eignen. Die Flächennutzung gibt vor, wo naturnahe Landschaft zu erhalten und zu schützen ist. So gehören sämtliche Waldgebiete von Leinfelden-Echterdingen einschließlich dem Siebenmühlental zum Landschaftsschutzgebiet Glemswald. Das Siebenmühlental ist außerdem in das Schutzgebietsnetz Natura 2000 einbezogen. Der Eichberg südlich von Musberg ist im Oktober 2007 wegen seiner Eichen, Hecken und Halbtrockenrasen und der herausragenden Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt unter Naturschutz gestellt worden. Im Schonwald Federlesmahd nördlich der Schlösslesmühle stehen die Pflege der strukturreichen Eichenmischwälder und der seltenen Elsbeeren, die Förderung höhlenbrütender Vogelarten und die Erhöhung des Totholzanteils im Vordergrund. Alle Schutzgebiete sind wichtige Naherholungsgebiete. Auf dem Skihang bei Musberg haben Generationen von Kindern das Skifahren erlernt. Durch das Siebenmühlental führt auf der Trasse einer früheren Schmalspurbahn ein stark frequentierter Rad- und Wanderweg. Die Mühlen werden zum Teil als Gaststätten bewirtschaftet, beherbergen Museen, ein Mundart-Theater und eine Kunstgalerie.

Nach der Erhebung Württembergs zum Königreich 1806 verblieben die Gemeinden Leinfelden, Echterdingen, Stetten und Musberg beim Amt Stuttgart. Sie wurden 1806 Bestandteil des bis 1938 bestehenden Amtsoberamts Stuttgart. Leinfelden war Verwaltungssitz des 1524 erstmals urkundlich erwähnten und bis 1819 bestehenden Leinfelder Ämtleins. Als Unteramt des Amtes Stuttgart umfasste es neben Leinfelden Ober- und Unteraichen, Stetten, Hof und Weidach sowie Musberg und sieben Mühlen im Reichenbachtal. Damit waren – mit Ausnahme Echterdingens – diejenigen Gemeinden, die seit dem 1. Januar 1975 die Stadt Leinfelden-Echterdingen mit Verwaltungssitz in Leinfelden bilden, schon einmal politisch zusammengefasst. Am 1. April 1926 schlossen sich die Gemeinden Oberaichen, Unteraichen und Leinfelden auf Weisung des Innenministeriums zur neuen Gemeinde Leinfelden zusammen. Stetten, Hof und Weidach hatten sich bereits 1810 zur Gesamtgemeinde Stetten vereinigt. Im Revolutionsjahr 1848 lehnte der Gemeinderat in Musberg den Befehl zur allgemeinen Volksbewaffnung und die Aufstellung einer Bürgerwehr mit dem Hinweis ab, dass es zu gefährlich sei, den Armen in diesen unruhigen Zeiten Gewehre in die Hand zu geben. Im Vormärz war der Echterdinger Gasthof Hirsch ein Treff- und Kristallisationspunkt der ständischen Opposition gewesen. Bereits 1815 hatten deren Repräsentanten im Gasthof Hirsch die Ablehnung der Verfassung König Friedrichs I. beschlossen. Am Ende des Ersten Weltkrieges verschoben sich die politischen Kräfteverhältnisse zunächst zugunsten der Arbeiterschaft: Arbeiter- und Bauernräte übernahmen die Macht. Ausdruck dieser Entwicklung war zum Beispiel die Tatsache, dass in Musberg die im Sitzungssaal des Rathauses hängenden Fürstenbilder gegen den Willen des Gemeinderates abgenommen und auf die Bühne verbannt wurden. Der durch die Industrialisierung ausgelöste fundamentale wirtschaftliche Strukturwandel führte zur Veränderung der Parteienlandschaft und des Wahlverhaltens: Kam die konservative Deutsche Partei bei den Reichstagswahlen 1871 in Echterdingen noch auf 99,3 Prozent der abgegebenen Stimmen (Leinfelden: 99,1 Prozent, Musberg und Stetten: jeweils 100 Prozent), verlor sie bei den Reichstagswahlen 1912 erhebliche Stimmenanteile an die Vertretung der Arbeiterschaft, die SPD, die in Leinfelden auf 54,8 Prozent, in Musberg auf 61,0 Prozent und in Stetten auf 52,5 Prozent kam. In der Weimarer Republik war die KPD in Musberg schon lange vor der Weltwirtschaftskrise mit Abstand die stärkste Partei. Sie kam bei den Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 auf 47,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. In Echterdingen und Stetten war dagegen der Württembergische Weingärtner- und Bauernbund mit 37,0 Prozent beziehungsweise 41,8 Prozent die stärkste Partei. Nur in Leinfelden hatte die SPD mit 32,0 Prozent der abgegebenen Stimmen vor dem Bauernbund (30,5 Prozent) die meisten Wähler. Die Weltwirtschaftskrise hatte eine starke politische Polarisierung und Radikalisierung zur Folge: Der NSDAP gelang bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 der große Durchbruch: Sie kam in Echterdingen auf 51,4 Prozent, in Leinfelden auf 34,6 Prozent, in Stetten auf 31,3 Prozent und in Musberg auf 25,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die KPD erreichte in Musberg 41,6 Prozent, in Echterdingen lediglich 4,4 Prozent. Der Wahlerfolg der Hitler-Partei hat sie für das konservative Establishment als möglichen Koalitionspartner erst interessant gemacht. Dem NS-Regime gelang es im Zuge der Machtergreifung rasch und reibungslos, sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens, gesellschaftliche Institutionen, Vereine und Parteien gleichzuschalten und seinem Machtanspruch zu unterwerfen. Regimegegner wurden durch Terror eingeschüchtert. Im Zuge der Mitte März 1933 in Württemberg einsetzenden Verhaftungswelle wurden in unseren vier Gemeinden 21 Bürger von SA und Polizei bei Nacht und Nebel in Schutzhaft genommen und im Stuttgarter Polizeigefängnis (Hotel Silber) oder im neu geschaffenen KZ auf dem Heuberg bei Stetten am Kalten Markt interniert. Im Rahmen des Gleichschaltungsgesetzes (31. März 1933) wurden die Gemeinderäte aufgelöst. Durch die Deutsche Gemeindeordnung wurde 1935 in den Gemeindeverwaltungen das Führerprinzip eingeführt. Die Zusammensetzung der Gemeinderäte wurde vom NSDAP-Kreisleiter bestimmt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm die Luftwaffe den soeben fertig gestellten neuen Flughafen Stuttgart-Echterdingen. Während des Frankreichfeldzugs 1940 flog sie von hier aus Angriffe auf das Nachbarland. In drei auf dem Flughafen ansässigen Rüstungsbetrieben leisteten während des Krieges mehrere hundert Fremdarbeiter vor allem osteuropäischer Herkunft Zwangsarbeit. Von Ende November 1944 bis Ende Januar 1945 bestand auf dem Flughafengelände eines der zahlreichen Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im Elsass mit 600 jüdischen Häftlingen aus 17 Ländern. Mindestens 119 Häftlinge verloren infolge von Krankheiten, Hunger und Kälte ihr Leben. Mit den Auswirkungen des Luftkrieges wurde die Bevölkerung hauptsächlich durch die beiden britischen Luftangriffe vom 22. November 1942 und vom 15./16. März 1944 konfrontiert. Sie forderten mehrere Todesopfer, ein Großteil der historischen Bausubstanz wurde vernichtet. Echterdingen erlitt einen Zerstörungsgrad von 40 Prozent, Musberg sogar von 80 Prozent. Der Zweite Weltkrieg und die NS-Diktatur gingen am 20./21. April 1945 mit dem Einmarsch französischer Kolonialtruppen zu Ende. Ehemalige französische Kriegsgefangene in Echterdingen und Musberg konnten Übergriffe weitgehend verhindern. Am 8. Juli 1945 lösten die Amerikaner die Franzosen als Besatzungsmacht ab. Die Gemeindeverwaltungen standen zunächst unter dem Befehl der alliierten Militärregierung. Durch Wohnraumbewirtschaftung gelang es, bis 1948 in Leinfelden rund 380, in Echterdingen knapp 600, in Musberg 180 und in Stetten 220 Heimatvertriebene unterzubringen. Im Zuge der Entnazifizierung wurden die Bürgermeister von Leinfelden, Echterdingen, Stetten und Musberg – Heinrich Körber, Albert Rohleder, Karl Wißt und Gustav Egler –, die 1933 alle in die NSDAP eingetreten waren, von den Amerikanern erst im Sommer 1945 aus ihren Ämtern entfernt und durch Amtsverweser ersetzt. Bei den ersten freien Bürgermeisterwahlen am 15. Februar 1948 wurden die seitherigen Amtsverweser Friedrich Moltenbrey und Gottlob Steck in ihrem Amt bestätigt. Gustav Egler, der frühere Musberger Bürgermeister, wurde sowohl Bürgermeister in Musberg als auch in Leinfelden. Die ersten freien Gemeinderatswahlen fanden am 27. Januar 1946 statt. Im neuen Musberger Gemeinderat stellte die Liste der »Christlich Demokratischen Union der Landwirte, des Handwerks und des Handels« mit sieben gewählten Vertretern die Mehrheit. Vom gemeinsamen Wahlvorschlag der SPD und KPD wurden fünf Gemeinderäte gewählt. In Echterdingen bildeten die »Sozialdemokratische Partei und Bauernschaft Echterdingen« eine gemeinsame Liste, die alle zwölf Gemeinderäte stellte. Bei den 16 Bundestagswahlen zwischen 1949 und 2005 war die CDU im Ganzen gesehen die stärkste politische Kraft. Sie kam im langjährigen Mittel auf 40,2 Prozent, die SPD als zweitstärkste Partei auf 35,3 Prozent. Bei den Wahlen 1949, 1953, 1961 und 1969 war jedoch noch die SPD mit 38,3 Prozent, 38,4 Prozent, 40,5 Prozent und 43,1 Prozent der abgegebenen Stimmen die stärkste Partei (CDU: 31,3 Prozent, 37,6 Prozent, 34,0 Prozent und 43,0 Prozent). Bei den acht Wahlen, die zwischen 1976 und 2005, also nach der Stadtgründung 1975 abgehalten wurden, war die SPD nur noch einmal, nämlich 1998 mit 36,8 Prozent die stärkste Partei. (CDU: 34,7 Prozent). Ansonsten war dies immer die CDU. Auch bei der letzten Bundestagswahl 2005 war die CDU mit 34,7 Prozent die stärkste politische Kraft, gefolgt von der SPD (30,5), der FDP (15,3 Prozent) und den GRÜNEN (13,4 Prozent). Auch bei den früheren Wahlen war immer die FDP die drittstärkste Partei; lediglich bei der Wahl 2002 konnten die GRÜNEN mit 13,8 Prozent (FDP 8,9 Prozent) einen größeren Stimmenanteil erreichen. Bei den Landtagswahlen ergibt sich ein ähnliches Bild: Bei den ersten vier Landtagswahlen 1952, 1956, 1960 und 1964 war die SPD mit durchschnittlich 47,0 Prozent (CDU 28,6 Prozent) die stärkste Partei, bei den folgenden zehn Landtagswahlen zwischen 1968 und 2006 immer die CDU, und zwar mit durchschnittlich 41,4 Prozent (SPD 33,0 Prozent). Bei der Landtagswahl 2006 kam die CDU auf 37,7 Prozent, die SPD auf 24,3 Prozent, die GRÜNEN auf 16,3 Prozent und die FDP auf 15,2 Prozent der abgegeben Stimmen. Gemeinderatswahlen sind stets in erster Linie Persönlichkeitswahlen. Splittert man das Wahlergebnis von 2004 dennoch nach der Parteienzugehörigkeit der politischen Vertreter der Bürgerschaft auf, dann bildet im derzeitigen Gemeinderat die CDU mit sieben Abgeordneten die größte Fraktion, gefolgt von den Freien Wählern mit sechs, der SPD und den GRÜNEN mit jeweils fünf, der FDP mit zwei und den L.-E. Bürgern mit einem Abgeordneten. Das Wahlergebnis der EU-Wahlen von 2004 spiegelt das der Bundestagswahl von 2004 kaum wider. Offenbar wurde die Wahl als Protestwahl gegen die aus SPD und GRÜNEN bestehende Regierungskoalition instrumentalisiert: Während die SPD bei der Bundestagswahl 2002 noch auf 35,6 Prozent kam, ging ihr Stimmenanteil bei der Europawahl auf 21,6 Prozent zurück. Dagegen konnte sich die CDU von 38,4 Prozent (2002) auf 41,4 Prozent (2004) steigern. Im Rahmen der Gemeinde- und Gebietsreform schlossen sich zum 1. Januar 1975 die Stadt Leinfelden sowie die Gemeinden Echterdingen, Stetten und Musberg zur Stadt Leinfelden-Echterdingen zusammen. Für die »erzwungene Freiwilligkeit« gab es eine Prämie in Höhe von 1,5 Millionen DM. Ein wesentlicher Streitpunkt war die Frage der Kreiszugehörigkeit – sie wurde am 3. Juli 1974 zu Gunsten des Landkreises Esslingen entschieden. Musberg und Leinfelden plädierten vergeblich für den Kreis Böblingen, dem sie seit der Auflösung des Amtsoberamts Stuttgart 1938 angehört hatten. Am 1. Juli 1976 wurde Leinfelden-Echterdingen von der Landesregierung zur Großen Kreisstadt erhoben. Der Name der Stadt war bis Anfang 1977 Gegenstand heftiger Diskussionen. Bereits am 14. Oktober 1973 besiegelten die Stadt Leinfelden und Manosque (Südfrankreich, Haute Provence) ihre Städtepartnerschaft. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen übernahm sie und wurde dafür 1986 mit der Ehrenfahne des Europarats ausgezeichnet. Seit 1988 besteht außerdem zwischen den drei Filderstädten Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern und Filderstadt einerseits und der Stadt Poltawa (Ukraine) andererseits eine Partnerschaft. 1990 kam mit York (Pennsylvania/USA) eine dritte Partnerstadt hinzu. Die vierte Partnerschaft wurde am 2. Dezember 2000 mit Voghera (Norditalien) eingegangen. Sie wurde am 15. September 2001 zur trilateralen Städtepartnerschaft zwischen Leinfelden-Echterdingen, Manosque und Voghera ausgebaut. Getragen wird der Austausch von den Vereinen, Schulen, Kirchen und den Gastfamilien bei tatkräftiger Unterstützung durch das städtische Kulturamt.

Wappen von Leinfelden-Echterdingen

In Gold (Gelb) ein blauer Ring, darin eine blaue Leiste, von der oben ein blauer Stab ausgeht (Sester).

Beschreibung Wappen

Das Wappen der am 1. Januar 1975 aus der Vereinigung von Echterdingen, Leinfelden, Musberg und Stetten auf den Fildern hervorgegangenen Stadt verbindet den allen ihren Vorgängerinnen gemeinsamen goldenen Schild mit dem auf die Stilisierung eines alten Getreidemaßes (Sester) zurückgeführten Echterdinger Fleckenzeichen in der Farbe des ehemaligen Leinfeldener Schildbildes. Das Regierungs-präsidium Stuttgart hat das Wappen und die Flagge am 22. März 1978 verliehen.