Hegau

(Naturraum Nr. 030)

Der Hegau in der Großlandschaft Voralpines Hügel- und Moorland - Quelle LUBW
Der Hegau in der Großlandschaft Voralpines Hügel- und Moorland - Quelle LUBW (zur Vergrößerung bitte klicken)

Der Naturraum Hegau bildet den westlichen Ausläufer der Großlandschaft Voralpines Hügel- und Moorland. Er schließt sich südlich an den Randen (Naturraum 90) und die Hegaualb (Naturraum 91) an, von wo aus er bis zum Rheinfall bei Schaffhausen und nach Osten entlang von Hochrhein und Bodenseerhein bis zum Untersee bei Konstanz reicht. Hier umfasst er den Zeller- und den Gnadensee genauso wie nördlich davon den Bodanrück und den Überlinger See. Seine östliche Grenze findet der Hegau etwa an der Linie Überlingen-Owingen-Herdwangen-Schönach. Ohne scharfe Schnitte geht er dort sowohl in das Bodenseebecken (Naturraum 31) als auch in das Oberschwäbische Hügelland (Naturraum 32) sowie in die sich nördlich davor bis zum Albkörper erstreckenden Donau-Ablach-Platten (Naturraum 40) über. Er ist eine in hohem Maße durch tertiären Vulkanismus entlang tektonischer Bruchzonen gestaltete Beckenlandschaft, die von der letzten Eiszeit stark überformt wurde. Zu den markantesten Teilräumen gehören die vom Rheingletscher als Zungenbecken ausgebildeten westlichen Bodenseeausläufer (Überlinger See sowie Untersee mit Zeller- und Gnadensee), die durch bis rd. 700 m über NN aufragende, moränenbedeckte Molasserücken (Bodanrück und Schiener Berg) getrennt werden. Ausgedehnte Flachwasserzonen, die heute bedeutende Naturschutzgebiete sind (u.a. Mettnau), kennzeichnen vor allem den Untersee, wohingegen der tiefere Überlinger See als wichtiges Trinkwasserreservoir für zentrale Teile Baden-Württembergs herangezogen wird. Gerade im östlichen Hegau, rund um den Bodensee, hat der Gletscher sowohl durch Vorstoßformen (Drumlinfelder auf der Bodanhalbinsel) als auch während verschiedener Rückzugsstadien durch Endmoränenreste, lange Schmelzwasserrinnen und kleinräumige Schotterfluren prägnante Spuren hinterlassen. Nach Südwesten hin, entlang des Hochrheins, verzahnen sich diese mit von Grundmoränen überzogenen höheren Molassehügeln (Westhegauer Talwannen, Herblinger-Dörflinger Hügelland).

Hegau mit Hohenstoffeln, Hohenhewen, Hohentwiel und Hohenkrähen - Quelle LMZ BW
Hegau mit Hohenstoffeln, Hohenhewen, Hohentwiel und Hohenkrähen - Quelle LMZ BW

Der westliche Hegau zeichnet sich aber vor allem durch die aus mächtigen Deckentuffen bergartig aufragenden jungtertiären (miozänen) Vulkanschlote aus, die an zwei nebeneinander von nordwest nach südost verlaufende Störungszonen gebunden sind (Hegauer Kegelbergland). Die älteren westlichen Basaltberge sind mit rd. 840 m (u.a. Hohenhewen, Hohenstoffeln, Wartenberg) höher als die jüngeren Phonolitpropfen im Osten, die, oft eigenwillig geformt, bis knapp 690 m über NN (Hohentwiel) ansteigen. Sie sind nahe der damaligen Erdoberfläche rasch erkaltet. Der Eisstrom hat die Berge zusätzlich herauspräpariert, indem er zwischen ihnen oft weite Talbecken mit unterschiedlichsten Böden hinterließ. Vor allem auf den eiszeitlichen Lockerböden und besser drainierten Moränenlehmen des Westens herrscht weithin Ackerbau vor, während in den feuchteren Beckenteilen des östlichen Hegaus Grünlandwirtschaft dominiert.

Der Hohentwiel bei Singen - Quelle LMZ BW
Der Hohentwiel bei Singen - Quelle LMZ BW

Die Molasserücken tragen überwiegend Laubwald. Als Beckenlandschaft ist der Hegau durch geringere Niederschläge (710 bis 800 mm) und extremere Temperaturen im Jahr – vor allem häufige Fröste im Winter – gekennzeichnet. Gleichwohl findet sich etwa am Hohentwiel bis 500 m Höhe Weinbau, und die Insel Reichenau gehört dank Alpenföhn und Temperaturausgleich des Bodensees zu den bedeutenden Feldgemüseanbaugebieten des Landes. Diese Klimagunst ausnutzend, konnte auf der Insel Mainau das bekannte Palmen- und Blumenparadies geschaffen werden. Die natürliche Entwässerung der Einheit übernehmen Stockacher und vor allem Radolfzeller Aach. Letztere entspringt dem maßgeblich von Donauversickerungswasser gespeisten Karstwasserquelltopf bei der Stadt Aach. Der altbesiedelte, geschichtsreiche Raum, der neben dem einst weit ausstrahlenden Kloster Reichenau auf fast jedem Vulkanberg eine Burgruine hinterlassen hat, ist bis heute wichtige Durchgangsregion zur Schweiz, in der sich vor allem im Oberzentrum Konstanz und in den Mittelzentren Radolfzell und Singen zentrale Verkehrsachsen bündeln.

Weiterführende Informationen zu diesem Naturraum finden Sie unter dieser URL im Webangebot der LUBW.