Bodenseebecken

(Naturraum Nr. 031)

Das Bodenseebecken in der Großlandschaft Voralpines Hügel- und Moorland - Quelle LUBW

Das Bodenseebecken in der Großlandschaft Voralpines Hügel- und Moorland - Quelle LUBW

Als Teil der Großlandschaft Voralpines Hügel- und Moorland umfasst der Naturraum das zur Würmeiszeit eisbedeckte Stammbecken des alpinen Rheingletschers sowie sein entlang der heutigen Schussen weit ins nördliche Vorland geschobenes wichtigstes Zweigbecken. Der Beckenrand liegt bei rd. 500 m über NN. Über den weitflächigen Obersee, den eigentlichen Bodensee, reicht der Naturraum damit nach Norden bis an die auf über 750 m über NN ansteigenden Molasserücken (u.a. Gehrenberg, 754 m), die sich von Schönach über Heiligenberg bis Markdorf ziehen. Von dort greift er dann mit dem Schussenbecken noch einmal weit nach Norden aus, und zwar über Ravensburg und Weingarten bis an die ursprünglich mächtige Rückzugsmoräne des Altdorfer Waldes. Mit diesem geht er im Norden in das Oberschwäbische Hügelland (Naturraum 32) über. Im Osten grenzt er an das Westallgäuer Hügelland (Naturraum 33), im Westen an den Hegau (Naturraum 30) und im Süden an das Schweizer Mittelland.

Der Untersee mit Radolfzell und Halbinsel Mettnau, im Hintergrund die Reichenau - Quelle LMZ BW

Der Untersee mit Radolfzell und Halbinsel Mettnau, im Hintergrund die Reichenau - Quelle LMZ BW

Der Obersee, das wohl augenfälligste Element des Naturraums, wurde vom Rheingletscher beim Alpenaustritt ins Vorland als zentrales Zungenbecken bis auf 157 m über NN eingetieft. Heute nimmt er bei einem mittleren Wasserstand von 396 m über NN eine Wasserfläche von ca. 473 qkm ein (maximale Seetiefe ca. 239 m). Mit Lindau hat auch dieser See im Osten eine Insel. Ursprünglich war er von seinen im Hegau liegenden westlichen Zweigbecken (Untersee, Überlinger See) durch eine bei Konstanz noch erkennbare Endmoränenstaffel getrennt. Sowohl auf der Schweizer Seite als auch nördlich des heutigen Bodenseeufers hinterließ der Gletscher auf rd. 10 km Breite eine Landschaft aus Kies- und Grundmoränenhügeln (Drumlinfelder), welche zahlreiche Bäche ausschließlich seewärts entwässern, u.a. über die breite Markdorfer (Schmelzwasser-) Rinne. Nach Nordosten reicht das Jungmoränenland über die Argen bis an den Nagelfluhrücken des Pfänders heran. Im Westen fällt das Vorland mit steilen, engen Terrassen ab, die – wie bei Meersburg – oft nur einen schmalen Uferstreifen zulassen.

Meersburg am Bodensee - Quelle LMZ BW

Meersburg am Bodensee - Quelle LMZ BW

Das Schussenbecken schließlich ist von Schottern völlig aufgefüllt und verlandet. Sein einstiger Endmoränenkranz gibt sich nur noch ansatzweise zu erkennen, wohingegen sich frühere Schmelzwasserrinnen deutlicher abzeichnen. Deren wenig fruchtbare Kiese und Sande werden nämlich meist genauso von Wald eingenommen (Tettnanger Wald) wie die sandig-tonigen Molasserücken. Dabei überwiegt im Osten des Naturraums der Nadelwald. Entwässert wird das Becken von der Schussen, die im Oberschwäbischen Hügelland entspringt, den Altdorfer Wald in dem langen, schluchtförmigen Engtal des Schussentobels durchbricht, das gesamte, weithin landwirtschaftlich nutzbare Becken durchzieht und bei Eriskirch den Bodensee erreicht. Dort mündet sie mit einem kleinen Delta, dessen Auenwälder bemerkenswert sind, in den ausgedehnten Flachwasserbereich des Eriskircher Rieds. Mit 552 Hektar ist es das größte Naturschutzgebiet am gesamten Nordufer. Solche Flachgebiete weist der Obersee nur noch an der Bregenzer Aach und am weitflächigen Alpenrheindelta auf. Während die Grünlandnutzung meist an den Rändern des Naturraumes vorherrscht, geben die Lockerböden auf Grundmoränen – selbst an den weniger steilen Drumlinhügeln – sowie auf den Beckentonen häufig gutes Ackerland ab. Landwirtschaft wird dort durch das Bodenseeklima besonders begünstigt. Zwar steigt der Niederschlag von 750 mm pro Jahr im Norden bis auf 1400 mm am Alpenrand (Bregenz) an, doch fungiert der See als Wärmespeicher, und winterliche Hochnebel schützen vor extremen Frösten. Alpenföhn sorgt häufig für zusätzliche Erwärmung. Das Bodenseebecken konnte sich dadurch zum herausragenden Anbaugebiet von Sonderkulturen entwickeln (Gemüse, Obst, Hopfen und Wein). Heute gehört die Region einerseits zum Hauptfremdenverkehrsgebiet in Baden-Württemberg und zeigt andererseits zwischen Friedrichshafen (Mittelzentrum) und Ravensburg-Weingarten (Oberzentrum) anhaltende Verdichtungsprozesse.