„Christa arbeitet auf dem Bau“
Visuelle und textuelle Repräsentationen von Frauen und Arbeit in Frauenzeitschriften

Von Sarah Wirschke

Hostessen bei der Bundesgartenschau  
Idealvorstellungen von Weiblichkeit: Hostessen bei der Bundesgartenschau, 1967 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe. Bildarchiv Schlesiger]

„Die sechsundzwanzigjährige Christa Wenskowski aus Hannover ist Malergesellin und arbeitet als einzige Frau unter Männern. […] Christa ist das, was man einen netten Kerl […] nennt. Und eben da fingen Christas Sorgen an. […] In ihrem Arbeitsanzug, einer plumpen Kombination von Jacke und Männerhose, konnte man sie auf den ersten Blick kaum von ihren männlichen Kollegen unterscheiden.“

So stand es im Jahr 1963 in der Frauenzeit Brigitte. Sogenannte Frauenzeitschriften sind kein neues Phänomen, bereits im Februar 1693 erschien die erste gedruckte Frauenzeitschrift der Welt – The Ladies‘ Mercury. Schnell sollten weitere Periodika speziell für Frauen folgen. Dabei reichte die Bandbreite an Inhalten von feministischen über politische Magazine bis hin zu Zeitschriften, die sich mit „Unterhaltung, Zerstreuung und Lebenspoesie“ beschäftigten. Das Archiv der Alltagskultur des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft verfügt über eine fragmentarische Sammlung verschiedenster Zeitschriften ab dem 19. Jahrhundert. Es handelt sich um eine „An“-Sammlung, die je nach Lehr- und Forschungsinteresse ergänzt wurde.

In Ausgaben der Zeitschriften Praline, Elegante Welt – Die Zeitschrift für die Dame, Für Sie, Constanze und Brigitte zeichnet sich ab den 1960er Jahren eine zunehmend kritische Reflexion der Rolle(n) der Frau ab. Das zeigt sich sowohl in visuellen und textuellen Repräsentationen von Frauen und Arbeit als auch in Artikeln und Werbeanzeigen.

In den Zeitschriften werden Idealbilder von Frauen entworfen und gespiegelt. Diese Repräsentationen von weiblicher Arbeit lassen sich in Hinblick auf soziale Normen und gesellschaftlichen Wandel kritisch reflektieren.

Hausarbeit, Erwerbstätigkeit und Arbeit am Selbst

In den Zeitschriften finden sich die Themenfelder Wohnen, Schönheit/Kosmetik, Mode, Unterhaltung, Familie und Beziehung. Weibliche Arbeit lässt sich in allen genannten Bereichen finden. Aber wie wird diese ex­plizit thematisiert? Drei unterschiedliche Formen von Arbeit lassen sich unterscheiden: Hausarbeit, Erwerbstätigkeit und die Arbeit am Selbst. Dabei sind Hausarbeit und Erwerbstätigkeit leicht einzuordnen. Das Konzept der Arbeit am Selbst aber ist erklärungsbedürftig: Hierzu zählt zum einen die Arbeit am ‚inneren‘ Selbst. Gemeint ist die Beherrschung der eige­nen Emotionen sowie affektive Arbeit in Beruf und Familie. Zum anderen be­trifft Arbeit am Selbst auch das ‚äußere‘ Selbst, den weiblichen Körper. In einer ethnografischen Studie zu Hostessen weist die Soziologin Tanja Kubes darauf hin, dass diese Weiblichkeit und Schönheit durch körperliche Performanz pro­duzieren und reproduzieren. Ergebnis sei ein erstaunlich homogenes Bild von Weiblichkeit, hinter dem harte Arbeit an der Darstellung des Selbst stehe. Das Geschlecht werde auf diese Weise sichtbar gemacht, wirke sich aber ebenso auf Handeln und Empfinden der Frauen aus. ‚Spezifisch‘ weibliches Fühlen und Verhalten in Familie und Beruf, ebenso wie weibliche Schönheit, sind also nicht natürlich, sondern Ergebnis harter Arbeit. In den Zeitschriften äußert sich dies in Ratschlägen zur optischen sowie inneren Selbstoptimierung und Bezie­hungstipps. Frauen lernen hier, so Kubes, Techniken zur „Einverleibung“ weiblicher Ge­schlechtsstereotype.

Es zeigt sich aber eine Entwicklung in der Reprä­sentation der drei Formen von weiblicher Arbeit: Hausarbeit ist vor allem in den Zeitschriften der 1950er Jahre ein wichtiges Thema; Erwerbstätigkeit wird ab Mitte der 1960er Jahre öfter und in den 1970er Jahren verstärkt behandelt; die Arbeit am Selbst hingegen ist durchgängig wichtiger Inhalt der Magazine.

„Das Ideal aller Ideale“ – Die 1950er Jahre: Die schöne Hausfrau

Modenschau
Modenschau der Zeitschriften Constanze, Petra und Brigitte im Großen Stadthallesaal mit Auftritt des Show-Masters Lou van Burg, 1969 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe. Bildarchiv Schlesiger 1969]

Mitte der 1950er Jahre berichtet die Zeitschrift Praline über einen Hausfrauenwettbewerb in den USA:

„Keine der vielen schlichten ‚Artistinnen des Alltags‘, die von früh bis spät putzen, kochen, waschen, plätten, Kinder erziehen und mit schmalem Geldbeutel jonglieren müssen und außerdem noch amüsant und schön sein sollen, kann sich auf einer Bühne bewundern lassen.“

Der Artikel macht die Mühen der Hausarbeit zwar zum Teil sichtbar und beschreibt die Arbeit am Selbst – hier das „amüsant-und-schön-sein-Sollen“ – als zusätzliche Last. Eine Kritik bleibt aber aus: Es gehört zur Aufgabe der Frau schön zu sein. Der männliche Blick bestimmt dabei den Wert der Frau und ihrer Arbeit: Junge, schöne Frauen führen geschminkt und frisiert in hohen Schuhen und hübschen Kleidern Haushaltstätigkeiten vor einer älteren und ausschließlich männlichen Jury auf. Diese Überinszenierung des weiblichen Alltags auf einer Bühne wirkt heutzutage zutiefst verstörend.

Neben solchen Ar­tikeln finden sich Re­präsentationen von Hausarbeit und Ar­beit am Selbst in den 1950er Jahren vor al­lem in der zahlreichen Reklame für Haus­haltsgeräte, in denen Vorzeige-Hausfrauen abgebildet sind. Sie ste­hen stets lächelnd, meist neben Küchengeräten, in einer sauberen Umge­bung, tragen Kleid und hohe Schuhe und wer­ben für Geräte, die die Hausarbeit erleichtern sollen. Mit tatsächlicher Hausarbeit hat dies we­nig zu tun, stattdessen geht es um Konsumanreize und die Verbreitung eines Ideal-Typus. Zusätzlich zu solcher Hausfrauenwerbung findet sich in den Zeitschriften viel Reklame für körperformende Mieder, Büstenhalter sowie Hygieneartikel und Cremes. Hin­gegen fehlen Bilder erwerbstätiger Frauen hier gänzlich. Der Status der Frau wird durch ihre Beziehung zum Ehemann definiert. Und diese Beziehung ist abhängig von Schönheit, wie eine Werbung aus dem Jahr 1951 deutlich macht: „Frauen, die man heiratet... müssen vor allem gepflegt sein. Der Liebreiz eines anziehenden, jugendfrischen Teints hat schon manches Männerherz für immer gewonnen“.

„Sie sind keine Küchensklavin!“ – Die 1960er Jahre: Weibliche Vorbilder und Selbstoptimierung

Auch in den Frauenzeitschriften der 1960er Jahre finden sich noch Bilder überidealisierter Hausfrauen. Doch nach und nach verändert sich – zumindest teilweise – der Ton der Reklamen: „Sie sind keine Küchensklavin!“ heißt es zum Beispiel 1966 in der Eleganten Welt.

Die Arbeit am Selbst ist weiterhin wichtig, wird aber anders aufgegriffen. So wird in der Brigitte 1968 gefragt: „Wann über den Mann beklagen?“ und die Antwort lautet: „So gut wie nie.“ Im Gegensatz dazu stellt die Constanze 1966 die Frage: „Ist meine Ehe nur ein Irrtum?“ und rät einer Leserin, nicht ihrem Mann zuliebe auf ihre Karriere zu verzichten.

Wichtig bleibt die Optimierung des Äußeren. So wirbt die Kosmetikmarke „Orlane Paris“ mit dem Spruch: „Eine schöne Frau weiss: Ihre Schönheit ist Folge steten Bemühens. Das war zu allen Zeiten so.“ Hinter diesen Schönheitstipps verbirgt sich zusätzlich zu Konsumanreizen die indirekte Pflicht zur Arbeit am eigenen Körper.

Darüber hinaus wird nun vermehrt Erwerbstätigkeit von Frauen thematisiert. Insbesondere Porträts einzelner Frauen mit der Beschreibung ihres jeweiligen Berufes sind ab Mitte der 1960er-Jahre regelmäßig Bestandteil der Zeitschriften: Die Elegante Welt stellt zum Beispiel 1966 die Art Directorin Ursula Roos vor. Auffallend ist, dass das Äußere der Porträtierten ausführlich beschrieben wird: Sie sei zierlich wie eine Pariserin, trage Haar und Kleidung wie eine Londonerin – hiermit sind Bubikopf und Hosenanzug gemeint. Gleichzeitig wird sie als selbstständige, um die Welt reisende Frau mit klarem Kopf und starkem Willen beschrieben. Dieses Beispiel illustriert, dass Frauenzeitschriften nun weibliche Vorbilder anführen. Allerdings zeigt sich, dass solche Berufe oft als prinzipiell männlich definiert werden. Die vorgestellten Frauen werden kaum unabhängig von ihrem Äußeren betrachtet. Die Praline berichtet 1966 beispielsweise von der Pilotin Sheila Scott, die den Weltrekord im Alleinflug um die Erde aufstellte, unter der Überschrift „Lippenstift auch im Taifun“. Der Text schließt damit, dass Scott sich vor jeder Landung zurecht mache: „Schließlich kann ich den Fotografen und meinen Freunden keine Vogelscheuche anbieten.“

„Männer diskutieren – Meine Frau ist berufstätig“ – Die 1970er Jahre: Widersprüchliche Bilder

1972 erscheint in der Brigitte eine ausführliche Diskussionsrunde, in der Männer über die Berufstätigkeit ihrer Frauen diskutieren. Einleitend schreibt die Brigitte: „Was sagen Männer dazu, daß ihre Frauen berufstätig sind? [...] Fast alle meinen: Bequemer ist es, wenn die Frau zu Hause bleibt.“ Es ist bemerkenswert, dass hier Ehemänner über ihre Frauen reden, anstatt diese selbst zu Wort kommen zu lassen. Die Erwerbstätigkeit der Frau ist somit abhängig vom männlichen Blick. Allerdings lässt die Brigitte die Aussagen der Ehemänner nicht unkommentiert, indem sie auf den geringen Anteil der Männer an der Hausarbeit und die Doppelbelastung erwerbstätiger Frauen eingeht: „Von gleichberechtigter Partnerschaft und fairer Arbeitsteilung kann also in diesen Ehen keine Rede sein. […] Wenn es um ihre Bequemlichkeit geht, tun einige Männer so, als sei der Beruf das Privatvergnügen ihrer Frauen.“

Solch ein emanzipatorischer Ton wird vermehrt laut. So bringt die Brigitte in den 1970er Jahren eine Reihe mit dem Titel „Was kann ich werden?“ heraus. Hier werden ausführlich und neutral verschiedenste Berufsfelder, beispielsweise in Touristik, Biologie und Chemie mitsamt Anforderungen, Chancen und Verdienst vorgestellt. Dazu erscheinen detaillierte Porträts berufstätiger Frauen, wie etwa von drei Grafikerinnen, die sich „ihre eigene Welt“ malen.

Während Hausarbeit weniger überidealisiert, aber beispielsweise in Form von Rezepten immer noch dargestellt wird, ist die Arbeit am Selbst weiterhin äußerst dominant. Eine Werbung zeigt zum Beispiel die sexualisierte Darstellung eines vorpubertären Mädchens im Bikini mit dem Text: „Eine Traumfrau ist sie schon jetzt.“

In den Zeitschriften der 1970er Jahre wird weibliche Arbeit demnach widersprüchlich thematisiert. Es findet sich eine Mischung aus emanzipatorischen Inhalten zur selbstständigen Erwerbstätigkeit, dem männlichen Blick auf weibliche Erwerbsarbeit sowie der Verpflichtung zur Arbeit am Selbst.

Ein Wandel gesellschaftlicher Normen

Die vermehrten Portraits berufstätiger Frauen ab den 1960er Jahren spiegeln den Wandel gesellschaftlicher Normen. Gleichzeitig bleibt die Darstellung von Frauen in Verbindung mit Arbeit ambivalent. Ermächtigende Artikel zu beruflich erfolgreichen Frauen werden von Kosmetik- und Haushaltsthemen durchbro­chen. Während sich das Bild der Hausfrau stark wandelt, ist die Arbeit am Selbst in Form von Selbstoptimierung und Beziehungsarbeit durchgängig ein dominie­rendes Thema. Gänzlich ausgelassen werden Frauen, die erwerbstätig sind, sich aber in prekären Lagen befinden. Dabei ist genau dies die Gruppe an Frauen, die über mehrere Jahrzehnte konstant erwerbstätig war. Zeitschriften, wie die 1977 erstmals publizierte Emma zeigen, dass das Frauenbild der untersuchten Maga­zine auch kritisiert wurde.

Mittlerweile verlagern sich die typischen Diskurse aus Frauenzeitschriften immer mehr ins Internet und Fragen zu weiblicher Erwerbstätigkeit haben sich gewandelt. Trotzdem ist die Parallelität der populären Thematisierung von beruf­licher Emanzipation sowie der Arbeit am Selbst heute noch sehr präsent. Zwar sind immer mehr Frauen berufstätig, doch Erziehung, Haushalt und Pflege von Familienmitgliedern werden nach wie vor dem weiblichen Geschlecht zugeschrie­ben. Diskussionen zur Wertschätzung von sogenannter „Care-Arbeit“ versuchen, diese Verschiebungen zu problematisieren. Inwiefern sich die populäre Reprä­sentation weiblicher Arbeit ändert, bleibt weiter zu beobachten.

Literatur

  • Belting, Hans, Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft, München 2001.
  • Bolognese-Leuchtenmüller, Birgit: ‚Der Zwang zur Freiwilligkeit’. Zur Ideologisierung der ‚Frauenerwerbsfrage’ durch Politik, Wissenschaft und öffentliche Meinung, in: Dies./Michael Mitterauer (Hg.), Frauen – Arbeitswelten. Zur historischen Genese gegenwärtiger Probleme. Beiträge zur historischen Sozialkunde, Beiheft 3. Wien 1993, S. 173–174.
  • Brem, Sabine/Thiemeyer, Thomas, Spurensuche. Sammlungen und Archive am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft. In: Frank Duerr/Ernst Seidel (Hg.): Aufmacher, Titelstorys deutscher Zeitschriften, Tübingen 2014, S. 218–230.
  • Goffman, Erving, Geschlecht und Werbung, Frankfurt am Main 1981.
  • Gruner, Paul Hermann, Die suggestive Konfiguration von ‚Weiblichkeit’. Frauenzeitschriften, Doing Gender und die Kontinuität tradierter Rollenstereotype, Wiesbaden 2018.
  • Hägele, Ulrich, Experimentierfeld der Moderne. Fotomontage 1890–1940, Tübingen 2017.
  • Kubes, Tanja, Fieldwork on high heels. Eine ethnographische Studie über Hostessen auf Automobilmessen, Bielefeld 2018.
  • Waters, Mary, Periodical Writing, in: Catherine Ingrassia (Hg.), The Cambridge Companion to Women’s Writing in Britain, 1660 – 1789, Cambridge 2015, S. 226–241.

 

Zitierhinweis: Sarah Wirschke, „Christa arbeitet auf dem Bau“. Visuelle und textuelle Repräsentationen von Frauen und Arbeit in Frauenzeitschriften, in: Alltagskultur im Südwesten, URL: […], Stand: 08.08.2020

 

Hinweis: Dieser Beitrag von Sarah Wirschke erschien unter dem Titel „Christa arbeitet auf dem Bau. Visuelle und textuelle Repräsentationen von Frauen und Arbeit in Frauenzeitschriften“ in der Publikation: Karin Bürkert und Matthias Möller (Hg.): Arbeit ist Arbeit ist Arbeit ist … gesammelt, bewahrt und neu betrachtet. Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde 2019, S. 128-138.