Zeitungsausschnittsammlungen

Von Christoph Florian

Sammlung von Zeitungsausschnitten, auf Papier geklebt und in einer Archivbox gelagert (Quelle: Stadtarchiv Böblingen E 7/1)
Sammlung von Zeitungsausschnitten, auf Papier geklebt und in einem Karton gelagert (Quelle: Stadtarchiv Böblingen E 7/1)

Definition der Quellengattung

Die Aufgabe einer Zeitungsausschnittsammlung liegt „in der Auswahl relevanter, auf ihren aktuellen Nutzungszweck ausgerichteter Dossiers“.[1] Diese Definition kann auch auf die Zeitungsammlungen in Archiven übertragen werden, wobei hier eher von einem dauerhaften Nutzungszweck zu sprechen ist. Um die Informationen, welche in den in chronologischer Folge erscheinenden Zeitungen enthalten sind, für bestimmte Fragestellungen nutzbar machen zu können, werden die entsprechenden Informationen (Zeitungsausschnitte) nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Danach werden sie ausgeschnitten und in der Regel in einem sachlichen Zusammenhang abgelegt. Es gibt zwei Arten von Zeitungsausschnittsammlungen: Zum einen geschlossene Bestände, die nur Zeitungsausschnitte enthalten, wie z.B. die Bestände des HStA Stuttgart J 190 und J 191, und zum anderen kleinere und kleinste Sammlungen, die nicht eigenständig, sondern Teil eines Aktenbestandes sind und sich oft nur auf ein Thema beziehen.

Historische Entwicklung

Die Entstehung der Zeitungsausschnittsammlungen steht im Zusammenhang mit dem durch die rasante technologische Entwicklung bedingten Aufkommen der Massenpresse im 19. Jahrhundert.[2] Weil die Zeitungen billig und umfangreich wurden,[3] entstand die Möglichkeit und Notwendigkeit, durch das Ausschneiden von Artikeln zu bestimmten vordefinierten Themen Informationen zu extrahieren. In der Folge entstanden zahlreiche Zeitungsauschnittbüros, das erste bekannt gewordene gewerbliche Büro war das 1879 in Paris gegründete „Argus de la Presse“.[4]

Die Zeitung entwickelte sich dann ab Beginn des 20. Jahrhunderts hin zu einem wissenschaftlichen Untersuchungsobjekt und der Zeitungsausschnitt wurde zu einem historischen Dokument.[5] Die Sammlungsarbeit wurde und wird dabei weniger von Bibliotheken als vielmehr von den Orts- und Regionalarchiven betrieben.[6]

Die Zukunft der Zeitungsausschnittsammlungen ist abhängig von der Entwicklung der Printmedien. So lange Zeitungen auch als Druckerzeugnisse erscheinen, haben analoge Zeitungsausschnittsammlungen eine Materialgrundlage. Da in der Gegenwart bei Onlineversionen von Zeitungen die Informationen oft auch in der Form eines Einzelartikels greifbar sind, werden die elektronischen Zeitungsausschnittsammlungen jedoch immer wichtiger werden.

Es gibt in vielen Archiven neben den Zeitungsausschnittsammlungen auch Zeitungssammlungen. Daher stellt sich die Frage, ob nicht elektronische Indizes, die den Inhalt ganzer Zeitungssammlungen erschließen, Zeitungsausschnittsammlungen überflüssig machen könnten. Es gibt aus dem 19. Jahrhundert Beispiele für jahresweise angelegte Zeitungsindizes. Anderseits schützt der Gebrauch der Zeitungsausschnittsammlung die oft empfindlichen Exemplare der Zeitungssammlung.

Aufbau und Inhalt

Die Zeitungsausschnitte werden entweder lose, auf Papier aufgeklebt oder in Form von Papierkopien gesammelt. Auf den einzelnen Artikeln sind als Zusatzinformation Name und Datum der Zeitung vermerkt. Die Aufbewahrung kann in Bänden, Stehordnern, aber auch in Kartons erfolgen. Die Artikel werden meist nach sachlichen Merkmalen abgelegt. Die Systematik ist dabei höchst unterschiedlich. Sehr verbreitet ist die Ablage nach alphabetisch geordneten Sach- und Stichworten. Möglich ist aber auch eine Ablage nach einem Aktenplan. Viele Archive wenden selbst geschaffene Systematiken an.

Da die Tageszeitungen überwiegend einen regionalen oder lokalen Bezug haben, werden Zeitungsausschnittsammlungen vor allem in Archiven von Gebietskörperschaften angelegt. Der Inhalt hat dann auch meist strikt lokalen Bezug. In manchen Sammlungen liegen neben Zeitungsartikeln auch Dokumente anderer Herkunft wie beispielsweise Kopien von Gemeinderatsprotokollen oder sonstige Dokumente. So bekamen diese Sammlungen den Charakter einer allgemeinen Material- oder Dokumentensammlung.

Die Nutzung solcher Sammlungen kann durch mehrmalige Wechsel der Systematik erschwert werden. Auch variiert zuweilen die Intensität der Sammeltätigkeit. Schwierigkeiten bei der Bestandserhaltung sind möglich. So können sowohl das Papier des Zeitungsausschnittes als auch das Papier, an den der Ausschnitt befestigt wurde, oder der verwendete Kleber säurehaltig sein.[7] Durch häufige Nutzung kann die vorhandene Ordnung der Ausschnitte gegebenenfalls gestört werden.[8]

Quellenkritik und Auswertungsmöglichkeiten

Die Nutzung einer Zeitungsausschnittsammlung ist von dem ihr zugrunde liegenden Sammlungszweck abhängig. Die Druckschrift sowie die für die Zeitung typische Begrenztheit des Textes erleichtern dem Benutzer die Recherche und den Zugang zur Information. Recherchen zu bestimmten Themen werden durch die Erschließung nach sachlichen Gesichtspunkten erleichtert. Insbesondere bei lokalhistorischen Forschungsvorhaben bieten Zeitungsausschnittsammlungen die Möglichkeit für einen ersten Einstieg in die Thematik. In den lokalen Sammlungen finden sich viele Nachrichten oder Ereignisse, die anderweitig nicht überliefert sind oder nur durch sehr aufwendige Recherchen ermittelt werden können.

Hinweise zur Benutzung

Die öffentliche Nutzung der Zeitungsausschnittsammlungen erscheint zunächst als unproblematisch, da Presseerzeugnisse von ihrer Natur aus keine personenbezogene Rechte berühren. Doch setzen in der Regel bei neueren Presseerzeugnissen urheberrechtliche Bestimmungen einer weitergehenden Nutzung Schranken. Dies trifft z.B. auf Digitalisierungsvorhaben zu. Möglicherweise lassen sich durch eine Zusammenarbeit bzw. Übereinkunft mit dem Zeitungsverlag solche Probleme ausräumen. Ein weiteres Nutzungshindernis kann bei den oben genannten Mischbeständen entstehen, wenn diese noch mit Sperrfristen versehene amtliche Schriftstücke oder Unterlagen, deren Inhalt personenbezogenen Rechte berühren, enthalten.

Anmerkungen

[1] Scherwath, Zeitungsausschnittsammlung, S. 301.
[2] Heesen, Zeitungsausschnitt, S. 69–71.
[3] Vgl. ebd., S. 72.
[4] Ulrich, Zeitungsausschnittsammlungen, S. 16.
[5] Heesen, Zeitungsausschnitt, S. 132.
[6] Ulrich, Zeitungsausschnittsammlungen, S. 19.
[7] Fleer-Meyer, Zeitungsausschnittsammlung, S. 22.
[8] Buchholz, Zeitungsausschnittsammlung, S. 25.

Literatur

  • Buchholz, Dirk, Die Zeitungsausschnittsammlung im Stadtarchiv Dortmund, in: Archivpflege in Westfalen und Lippe 34 (1991), S. 25f.
  • Fleer-Meyer, Regina, Die Zeitungsausschnittsammlung im Stadtarchiv Bielefeld, in: Archivpflege in Westfalen und Lippe 34 (1991), S. 20–22.
  • Heesen, Anke te, Der Zeitungsausschnitt. Ein Papierobjekt der Moderne, Frankfurt am Main 2006.
  • Scherwath, Wolfgang, Zeitungsausschnittsammlung, in: Zeitungswörterbuch. Sachwörterbuch für den bibliothekarischen Umgang mit Zeitungen, hg. von Hans Bohrmann/Wilbert Ubbens, Berlin 1994, S. 299–301.
  • Ulrich, Anita, Zeitungsausschnittsammlungen. „Dokumentationen der Gegenwart für die Zukunft“, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 60 (2010), S. 13–22.

Zitierhinweis: Christoph Florian, Zeitungsausschnittsammlungen, in: Südwestdeutsche Archivalienkunde, URL: […], Stand: 12.07.2017.

 

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