Kriegssammlungen 1914–1918

Von Julia Freifrau Hiller von Gaertringen

Feldpostkarte, die deutsche Soldaten vor der Renaissancefassade der Kirche St. Maurille in Vouziers zeigt, verschickt am 18. Mai 1917 nach Schilbach in Thüringen, (Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe)
Feldpostkarte, die deutsche Soldaten vor der Renaissancefassade der Kirche St. Maurille in Vouziers zeigt, verschickt am 18. Mai 1917 nach Schilbach in Thüringen, (Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe)

Definition der Quellengattung

Zwischen 1914 und 1918 legten Bibliotheken, Archive, Museen, Behörden und Privatpersonen überall im Deutschen Reich Kriegssammlungen an, in denen der Erste Weltkrieg als „große Zeitenwende“ akribisch dokumentiert wurde. Erstmals wurde ein Krieg umfassend archiviert, noch während er stattfand. Denn die Zeitgenossen erlebten ihn im Bewusstsein, an einem weltgeschichtlich einschneidenden Ereignis teilzuhaben, das den Alltag jedes Einzelnen ebenso tiefgreifend prägte wie die Existenz der Nation als Gesamtheit und für dessen spätere Bewertung das Tagesschrifttum von größter Wichtigkeit sein würde.

Es war ihnen zudem wohl bewusst, dass sie den ersten Medienkrieg der Geschichte miterlebten. Nie zuvor hatte die Publizistik eine vergleichbare Rolle gespielt, nie zuvor die Propaganda so entscheidenden Einfluss gehabt. Als der Krieg zu Ende war, stellte Karl Hayo von Stockmayer, der eine umfangreiche Kriegssammlung an der Stuttgarter Hofbibliothek aufgebaut hatte, fest: „Die Hauptwaffe des Weltkriegs war allenthalben das bedruckte, beschriebene und bemalte Papier.“[1]

Die vielerorts großen Anstrengungen zum Aufbau von Kriegssammlungen, die es weder früher noch später im Zweiten Weltkrieg in ähnlicher Intensität gegeben hat, belegen den nationalen Kampf- und Siegeswillen. Eine spartenspezifische Spezialisierung der Sammeltätigkeit war kaum erkennbar. Archive, Bibliotheken, Museen: alle sammelten dasselbe Material – manche mit einer lokalen oder regionalen, manche mit einer thematischen Beschränkung, viele aber mit geradezu enzyklopädischem Anspruch.

Historische Entwicklung

Zum Zeitpunkt der Entstehung der Kriegssammlungen galt als sicher, dass durch die früh einsetzende und umfassende Sammeltätigkeit die Überlieferung auch der Ephemera weitgehend gewährleistet sei. Walther Schultze, Leiter der Kriegssammlung an der Berliner Königlichen Bibliothek, veröffentlichte Anfang 1918 im Zentralblatt für Bibliothekswesen einen Bericht über die Bemühung deutscher Bibliotheken, das Quellenschrifttum des Weltkriegs zu dokumentieren.[2] Darin beklagte er allerdings die mangelnde Koordination beim Aufbau öffentlicher Kriegssammlungen: Planlos und wenig diszipliniert seien mancherorts gleich mehrere Sammlungen angelegt worden, deren Sammlungsprofile nicht abgestimmt seien und die miteinander nicht kooperierten. Nachteil des weitverbreiteten Sammeleifers war, dass sich die zahlreichen Kriegssammlungen untereinander Konkurrenz machten und in kurzer Zeit ein Sammlermarkt entstand, der noch während des Krieges die Preise in die Höhe schnellen ließ.

Schon bald wurden Interessenverbände und Mitteilungsblätter gegründet, die der gegenseitigen Unterstützung dienen sollten.[3] Seit November 1916 erschien in Wien eine Kriegssammler-Zeitung, die den Sammlern von Abzeichen, Flugblättern, Plakaten, Kriegshilfsmarken oder Notgeld als Nachrichtenblatt und Tauschbörse diente. Das neugegründete Hindenburg-Museum in Posen war Geschäftsstelle einer Ende 1917 ins Leben gerufenen „Vereinigung der Weltkriegssammler“, die den Informationsaustausch zwischen den Sammlungen ankurbeln und den Austausch von Dubletten ermöglichen wollte. Im Mai 1918 noch wurde der „Verband deutscher Kriegssammlungen“ ins Leben gerufen, um die Tätigkeit der Kriegssammlungen zu fördern und zu koordinieren, ihre Nutzung zu unterstützen und ihre gemeinsamen Interessen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Die mit dem Jahrgang 1919 einsetzende Verbandszeitschrift erschien bis Ende 1921 und ist die wohl wichtigste Quelle für die Aktivitäten der deutschen Kriegssammlungen.

Im Jahr 1917 erschien das Verzeichnis Die Kriegssammlungen. Ein Nachweis ihrer Einrichtung und ihres Bestandes von Albert Buddecke[4], Chef der Sichtungsstelle für Kriegsbeute und Bibliothekswesen beim Stellvertretenden Generalstab der Armee in Berlin.[5] Die Sichtungsstelle war im Sommer 1916 eingerichtet worden, um das Frontschrifttum militärischer Einheiten und die erbeuteten Militaria zentral einzusammeln, an die einzelnen Kriegssammlungen weiter zu verteilen und dadurch Kontrolle über die Sammeltätigkeit zu gewinnen. Buddecke hat das Verzeichnis aufgrund einer reichsweiten Fragebogenaktion erstellt und darin 217 Kriegssammlungen im Deutschen Reich erfasst.

Die Absicht, „nach einem siegreichen Kriege in Schausammlungen die Erinnerung an große Begebenheiten festzuhalten“, wobei das Gesammelte lehrreich verwendet werden könnte, war nach dem verlorenen Krieg obsolet. Karl von Stockmayer stellte fest, auch der öffentlich beauftragte Kriegssammler müsse „am Schlusse einsehen, dass unter der Einwirkung der Niederlage und des wirtschaftlichen Niedergangs kein Mensch Zeit und Sinn für wissenschaftliche Mikrologie aufzubringen vermag“.[6] So sind nach Kriegsende die meisten Sammlungen nicht mehr gepflegt und angemessen für die Benutzung erschlossen worden. Sie gerieten in Vergessenheit, auch dort, wo sie über den Zweiten Weltkrieg hinweg erhalten blieben, und mussten bis zu ihrer Präsentation im Webportal Kriegssammlungen in Deutschland 1914–1918 als „hidden collections“ gelten, deren heutige Besitzer oft überrascht sind, wenn sie feststellen, dass ihre Bestände Teil einer umfassenden Sammelbewegung waren.

Aufbau und Inhalt

Der Sammeleifer bezog sich nicht nur auf die über den Buchhandel verfügbare Kriegsliteratur, sondern auch auf Feld- und Schützengrabenzeitungen aus Frontgebieten, auf Drucksachen aus Lazaretten und Gefangenenlagern, auf Zeitungen der besetzten Gebiete und Quellenmaterial der Kriegsgegner. Hinzu kamen Heimatzeitungen von Kommunen, Vereinen, Schulen, Firmen oder Kirchengemeinden für die Frontsoldaten. Gesammelt wurden Landkarten, Maueranschläge und Fliegerabwürfe, Fotos, Feldpostbriefe und Soldatentagebücher. Begehrt waren auch Kriegsmalerei und Kriegsgrafik, dazu Kriegspostkarten und Bilderbogen. Material der Kriegswirtschaft wie Notgeld, Lebensmittelkarten, Speisekarten und Kriegsersatzstoffe wurde aufgehoben, aber auch Gegenstände mit Andenkencharakter wurden zusammengetragen wie Vivatbänder, Gedenkmünzen, Orden, Briefmarken und Porzellangegenstände mit Kriegsmotiven. Ziel war überall, einen repräsentativen Querschnitt des Materials für die Nutzung vor Ort zusammenzustellen.[7]

Dabei wurden auch Gegenstände gesammelt, die Trophäencharakter hatten oder als besondere Rarissima gelten konnten: Den umfassenden Sammlungsbestand des Bayerischen Schulmuseums in Augsburg beispielsweise bereicherten so spezielle Gegenstände wie „ein Hindernis-Schraubenpfahl aus Eisen für Stacheldraht“, eine „Pfeife, die König Ludwig III. den Soldaten an Weihnachten schenkte“, „Damen-Modejournale aus Feindesländern“ und Ersatzstoffe wie „Wolle aus Brennesseln“. Ähnlich umfassend war der Bestand der städtischen Kriegssammlung, die sich heute im Stadtarchiv Bamberg befindet und Kriegseinwickelpapier, Kriegsservietten und Feldgrau-Topfreiniger überliefert. Leider sind die „von den Russen zum Abdichten ihrer Schützengräben benutzte[n] Pergament-Handschriften“ im Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig nicht erhalten.

Überlieferungslage und ggf. vorarchivische/archivische Bearbeitungsschritte

Viele Kriegssammlungen sind den Zerstörungen des folgenden Zweiten Weltkriegs komplett zum Opfer gefallen wie die Kriegssammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Viele sind in den Jahren 1939–1945 durch Kriegsverluste dezimiert worden wie die heute an der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart angesiedelte Bibliothek für Zeitgeschichte, die größte und maßgebende Kriegssammlung in Deutschland. Manche sind gewandert, ohne dass das jemals irgendwo publik gemacht worden wäre, wie die Kriegssammlung der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf, die 1927 an das Düsseldorfer Stadtarchiv abgegeben wurde, aber dort nicht mehr nachweisbar ist.

Bis zum Gedenkjahr 2014 hatten sich nur wenige Institutionen aktiv um ihre Kriegssammlungen gekümmert. Die Staatsbibliothek zu Berlin hatte ihre Sondersammlung „Krieg 1914“[8] 1999 ausgestellt und einen Katalog[9] dazu veröffentlicht. Die Universitätsbibliothek Heidelberg hatte 2005 ihre Feldzeitungen[10] des Ersten Weltkrieges in ihren Digitalen Sammlungen bereitgestellt. Die Bibliothèque Nationale et Universitaire de Strasbourg, im Ersten Weltkrieg eine der großen Kriegssammlungen des Deutschen Reichs, bot seit 2008 zehn deutsche Feldzeitungen des Ersten Weltkriegs aus der Vogesen-Region online an; sie hatte im selben Jahr gemeinsam mit der Württembergischen Landesbibliothek in Strasbourg, Stuttgart und Paris eine Ausstellung unter dem Titel „In Papiergewittern“[11] über die Kriegssammlungen dieser beiden Bibliotheken gezeigt. Die Lippische Landesbibliothek Detmold hatte ihre Kriegssammlung[12] in den Jahren ab 2005 erschlossen, einen gedruckten Bestandskatalog[13] vorgelegt und die andernorts noch nicht digitalisierten Bestände ihrer Feldzeitungen[14], insgesamt 52 Titel, online gestellt.

Aufgrund ihres universalen Sammelanspruchs bzw. ihres konkret regionalen Sammelauftrags haben sich die wissenschaftlichen Landes- und Stadtbibliotheken in der Kriegssammelbewegung der Jahre 1914–1918 besonders engagiert. Sie haben einst planvoll gesammelt und halten das Material noch jetzt in großer Fülle bereit. Heute in der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbandes zusammengeschlossen, haben sie 2012 die Initiative ergriffen, die Kriegssammlungen zum Jahrhundertgedenken vernetzt sichtbar und leichter zugänglich zu machen.

Grundlage dafür war das oben genannte Verzeichnis Die Kriegssammlungen von Albert Buddecke. Die Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken hat den aktuellen Verbleib sowie den Erhaltungs- und Erschließungszustand dieser und weiterer Sammlungen ermittelt und die Sammlungen nach einheitlichem Standard detailliert beschrieben. Unter der Webadresse http://www.kriegssammlungen.de bietet sie seit Februar 2014 ein Webportal zu den Kriegssammlungen 1914–1918 in Deutschland an. Es ergänzt das nationalbibliothekarische Projekt Europeana Collections 1914–1918[15] und das Clio-online Themenportal Erster Weltkrieg.[16] Derzeit werden 236 Sammlungen und die ihnen bis heute verbliebenen Bestände im Einzelnen beschrieben. Das Portal ist offen für den Nachweis weiterer Kriegssammlungen und wird durch Korrekturen und Nachträge aktuell gehalten.

Aus Baden-Württemberg sind zwanzig Kriegssammlungen erfasst, davon sieben in Bibliotheken, sechs in Archiven, vier in Museen sowie drei weitere bei Vereinen, Verlagen und Privatpersonen. Die für die Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart sowie für die Universitätsbibliotheken in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Tübingen, für das Deutsche Volksliedarchiv und den Landesverein Badische Heimat nachgewiesenen Sammlungen sind genuin dort aufgebaut worden; das Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg verwahrt die Kriegssammlung des Reichsmarineamts. Bei den Einrichtungen des Landesarchivs Baden-Württemberg in Karlsruhe, Sigmaringen und Stuttgart und beim Stadtarchiv Karlsruhe ist die Kriegssammlung jeweils nur ein Sammlungsbestand neben einer viel größeren relevanten Aktenüberlieferung aus den Jahren 1914–1918.

Im Rahmen der Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken haben sich viele Sammlungseigner zu Erschließungsmaßnahmen anregen lassen. Mehrere davon sind in einem 2014 erschienenen Sammelband dokumentiert.

Quellenkritik und Auswertungsmöglichkeiten

Die erhaltenen Kriegssammlungen bieten der Forschung umfangreiche, zum Teil durch Spezialisierung besonders interessante und in toto relevante Bestände von wissenschaftlichem Wert. Nicht nur die einzelnen Sammlungen und die in ihnen überlieferten Sammelobjekte sind ergiebige Quellen für mentalitäts- und alltagsgeschichtliche Fragestellungen – auch die Sammelbewegung als solche gibt entscheidend Aufschluss für die Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs.

Hinweise zur Benutzung

Für den Einstieg in die Nutzung lokaler Kriegssammlungen empfiehlt sich das Webportal „Kriegssammlungen in Deutschland 1914–1918“. Es ermöglicht die Recherche nach den Sammlungen bestimmter Regionen, Orte und Sammler ebenso wie die nach den Beständen verschiedener Materialgattungen, sofern sie noch heute erhalten sind. Die Indexsuche verwendet ein kontrolliertes Vokabular für die erhaltenen Sammlungsmaterialien. Auch eine Volltextsuche wird angeboten. Personen und Körperschaften sind mit der GND verknüpft und mit Wikipedia verlinkt.

Die Trefferanzeige bietet die Beschreibung der Sammlung bei Buddecke, sofern vorhanden. Es sind die Materialarten aufgelistet, die aus der ursprünglichen Sammlung erhalten sind, dazu Informationen über Ergänzungen, Verluste und Abgaben an andere Institutionen. Dem schließen sich die verfügbaren Informationen zum einstigen Aufbau der Sammlung an, zu Materialbeschaffung, Inventarisierung, Tauschbeziehungen, Mitgliedschaft in Kriegssammlervereinigungen, zeitgenössischer öffentlicher Präsentation der Sammlung sowie zur Verfügbarkeit von gedruckten Quellen und Aktenmaterial. Zeitgenössische Berichte über die Sammlung, sofern vorhanden, werden umfassend zitiert, weitere Angaben zur Geschichte der Sammlung hinzugefügt. Der Vorteil des Webportals, Datensätze von unbegrenztem Umfang zu ermöglichen, konnte für manche Sammlung gut genutzt werden, zuweilen sind geradezu kleine Monografien entstanden.

Es folgen die Angaben zum zeitgenössischen Nachweis sowie zur heutigen Erschließungssituation, mit Links zu Online-Katalogen und Online-Findbüchern, dann die Angaben zur Digitalisierung und ggf. der Link zu den lokalen Digitalen Sammlungen bzw. den überregionalen Webportalen. Beigegeben ist ein Literaturverzeichnis zur Sammlung mit Verlinkung zu online verfügbaren Ressourcen. Zwecks Erleichterung der Nutzung stellt die Datenbank die Adressdaten der bestandshaltenden Institutionen und den aktuellen Ansprechpartner zur Verfügung. Der Datensatz schließt mit Angaben zu Vorhaben der jeweiligen Institution zum Jahrhundertgedenken 2014/2018, etwa zur Erschließung, Digitalisierung oder Ausstellung des Sammlungsmaterials.

Forschungs- und Editionsgeschichte

Die Forschung in Deutschland hat bis zum Gedenkjahr 2014 die Kriegssammlungen wenig genutzt. 1993 wurden sie unter der Fragestellung „Denkmäler oder Laboratoires d’histoire?“ erstmals Gegenstand eines Beitrags in einem Sammelband zur Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs.[17] 2002 befasste sich ein Beitrag in einem Sammelband zum Kriegsalltag in Darmstadt unter mentalitätsgeschichtlichem Aspekt mit den dortigen Kriegssammlungen.[18] Gleichzeitig wurden die in den Kriegssammlungen überlieferten Feldzeitungen im Rahmen der Meinungsforschung zum Thema einer geschichtswissenschaftlichen Dissertation.[19] Insbesondere die Feldzeitungen haben seither eine Reihe weiterer Forschungsarbeiten zu mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen evoziert. Die grundlegende Arbeit von Aibe-Marlene Gerdes zu den spezifischen Bedingungen und erinnerungskulturellen Zielen des massenhaften Sammelns erschien 2016.

Ergänzend zum Webportal hat die Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken 2014 einen Themenband Kriegssammlungen 1914-1918 mit 30 Beiträgen aus Bibliotheken, Archiven und Museen herausgegeben. Er ist eine repräsentative Bestandsaufnahme der Kriegssammlungen in Deutschland und Österreich. Exemplarisch wird dargestellt, wie das große Ereignis Weltkrieg gesammelt, dokumentiert und erinnert wurde. Sammlungen verschiedenster Art und Größe sind dabei, Protagonisten der Sammelbewegung und Nebenakteure. Mehrere Beiträge fokussieren auf einzelne Sammelgegenstände wie Bilderbogen, Vivatbänder, Postkarten, Notgeld, Fliegerabwürfe, Plakate und Fotografien. Andere informieren über die damals überall angestrebten musealen Projekte oder berichten am lokalen Beispiel von den weit verbreiteten kommunalen Ehrenalben- und Kriegschronik-Vorhaben. Auch der Frage, wie die Sammlungen untereinander durch Kooperation und Konkurrenz verbunden waren, wird nachgegangen. Vor- und Nachgeschichte werden beleuchtet und auch der Blick von außen auf die deutsche Sammelwut ist ein Thema. Nicht zuletzt richtet sich der Blick auf heute, wenn von Projekten berichtet wird, die das Sammlungsmaterial auf zeitgemäße und interessante Weise sowohl für die Forschung als auch für die Allgemeinheit präsentieren.

Aus Baden-Württemberg sind die Kriegssammlungen des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg, des Stadtarchivs Karlsruhe, der Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart und der Universitätsbibliothek Tübingen im Sammelband mit Beiträgen vertreten. Später sind auch zu den Kriegssammlungen des Fürstlich Hohenzollerischen Archivars Gustav Hebeisen und der Universitätsbibliothek Freiburg noch Publikationen erschienen.

Anmerkungen

[1] von Stockmayer, Zukunft, S. 173.
[2] Schultze, Kriegssammlungen.
[3] Pust, Kriegssammlervereinigungen.
[4] https://www.kriegssammlungen.de/albert-buddecke.html.
[5] Buddecke, Kriegssammlungen.
[6] von Stockmayer, Zukunft, S. 173.
[7] Pust, Kriegssammlungen.
[8] http://staatsbibliothek-berlin.de/de/sammlungen/galerie/a-z-archiv/sammlung-krieg-1914/.
[9] Hamann, „Krieg 1914“.
[10] http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/feldzeitungen.html.
[11] 1914–1918. In Papiergewittern.
[12] http://www.llb-detmold.de/wir-ueber-uns/aus-unserer-arbeit/texte/2009-6.html.
[13] Hiller von Gaertringen, Kriegssammlung.
[14] http://s2w.hbz-nrw.de/llb/nav/classification/1086972.
[15] http://www.europeana-collections-1914-1918.eu/.
[16] https://www.erster-weltkrieg.clio-online.de/.
[17] Brandt, Kriegssammlungen.
[18] Lange, „... da schreibt ein Volk seine Annalen“.
[19] Lipp, Meinungslenkung.

Literatur

  • 1914–1918. In Papiergewittern. Die Kriegssammlungen der Bibliotheken. Begleitband zur Ausstellung „Orages de Papier“, die zunächst in der Bibliothèque Nationale et Universitaire de Strasbourg und anschließend in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart sowie im Hôtel des Invalides in Paris gezeigt wird, hg. von Christophe Didier, Paris 2008.
  • Brandt, Susanne, Kriegssammlungen im Ersten Weltkrieg. Denkmäler oder Laboratoires d’histoire?, in: „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch...“. Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkriegs, hg. von Gerhard Hirschfeld u.a. (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte N.F. 1), Essen 1993, S. 241–258.
  • Brandt, Susanne, Kriegssammlungen, in: Enzyklopädie Erster Weltkrieg, hg. von Gerhard Hirschfeld u.a., 2. Auflage, Paderborn 2009, S. 657f.
  • Bräunche, Ernst Otto, „Erinnerung an die große Zeit“. Die Kriegssammlungen des Stadtarchivs Karlsruhe, in: Kriegssammlungen 1914–1918, S. [297]–311.
  • Buddecke, Albert, Die Kriegssammlungen. Ein Nachweis ihrer Einrichtung und ihres Bestandes, Oldenburg i. Gr. 1917, http://s2w.hbz-nrw.de/llb/content/titleinfo/1839977 (21.1.2018).
  • Eckert, Martin, Die Kriegssammlung der Universität Freiburg i.Br., in: Badische Heimat 94 (2014), S. 170–182.
  • Erinnern an den Ersten Weltkrieg. Archivische Überlieferungsbildung und Sammlungsaktivitäten in der Weimarer Republik, hg. von Rainer Hering/Robert Kretzschmar/Wolfgang Zimmermann (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg A 25), Stuttgart 2015.
  • Fischer, Michael, Jedes Deutschen Ehrenpflicht. Die Sammeltätigkeit des Deutschen Volksliedarchivs als patriotische Aufgabe, in: Kriegssammlungen 1914–1918, S. [217]–226.
  • Gerdes, Aibe-Marlene, Ein Abbild der gewaltigen Ereignisse. Die Kriegssammlungen zum Ersten Weltkrieg (Zeit der Weltkriege 4), Essen 2016.
  • Hamann, Larissa, Propaganda von Rio bis Sigmaringen. Die Kriegssammlung des Fürstlich Hohenzollerischen Archivars Hebeisen, in: Archivnachrichten 48 (2014), S. 26f.
  • Hamann, Olaf, „Krieg 1914“. Eine Sondersammlung der Staatsbibliothek zu Berlin. Katalog zur Ausstellung 17. Februar bis 27. März 1999, Berlin 1999.
  • Hiller von Gaertringen, Julia, Die Kriegssammlung der Fürstlichen Bibliothek Detmold. Soldatenzeitungen des Ersten Weltkriegs in der Lippischen Landesbibliothek. Bestandskatalog (Auswahl- und Ausstellungskataloge der Lippischen Landesbibliothek Detmold 37), Detmold 2010.
  • Hiller von Gaertringen, Julia, Kriegsschuh und Streckfleisch. Badische Landesbibliothek stellt digitalisierte Materialien zum Ersten Weltkrieg bereit, in: Badische Heimat 94 (2014), S. 245–252.
  • Kriegssammlungen 1914–1918, hg. von Julia Hiller von Gaertringen (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie Sonderbände 114), Frankfurt a.M. 2014.
  • Lagler, Wilfried, Karl Geiger und sein „Liebeskriegswerk“. Die Sammlung „Kriegsliteratur Laiblin“ in der Universitätsbibliothek Tübingen, in: Kriegssammlungen 1914–1918, S. [423]–433.
  • Lange, Thomas, „... da schreibt ein Volk seine Annalen“. Die Darmstädter Weltkriegssammlungen im Kontext von Kriegsvorbereitung und Kriegsmentalität, in: Kriegsalltage. Darmstadt und die Technische Hochschule im Ersten Weltkrieg, hg. von Ute Schneider/Dems., Darmstadt 2002, S. 105–145.
  • Lipp, Anne, Meinungslenkung im Krieg. Kriegserfahrungen deutscher Soldaten und ihre Deutung 1914–1918 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 159), Göttingen 2003.
  • Mitteilungen des Verbandes deutscher Kriegssammlungen 1 (1919) – 3 (1921), http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/mitteilungenvdk (21.1.2018).
  • Pust, Hans-Christian, Kriegssammlervereinigungen und ihre Publikationsorgane, in: Kriegssammlungen 1914–1918, S. [69]–81.
  • Pust, Hans-Christian, Die Kriegssammlung der Königlichen Hofbibliothek Stuttgart, in: WLB-forum 15 (2013), S. 22–28.
  • Pust, Hans-Christian, Was sammelten Kriegssammlungen? in: Kriegssammlungen 1914–1918, S. [49]–67.
  • Schröter, Marcus, Auf der Suche nach der Wahrheit im Krieg der Worte. Die Kriegssammlung der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau, in: Erinnern an den Ersten Weltkrieg. Archivische Überlieferungsbildung und Sammlungsaktivitäten in der Weimarer Republik, hg. von Rainer Hering u.a. (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg Serie A 25), Stuttgart 2015, S. 149–206.
  • Schultze, Walther, Kriegssammlungen, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 45 (1918), S. 15–26, http://www.digizeitschriften.de/dms/resolveppn/?PID=GDZPPN000275786 (21.1.2018).
  • Stockmayer, Karl von, Die Zukunft der deutschen Kriegssammlungen, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 37 (1920), S. 169–173, http://www.digizeitschriften.de/dms/resolveppn/?PID=GDZPPN000277096 (21.1.2018).
  • Westerhoff, Christian, Alle beachtenswerten Kriegsmomente festgehalten! Die Fotosammlungen der Bibliothek für Zeitgeschichte zum Ersten Weltkrieg, in: Kriegssammlungen 1914–1918, S. [409]–421.
  • Westerhoff, Christian, 100 Jahre Bibliothek für Zeitgeschichte: von der privaten Kriegssammlung zu einer der größten europäischen Spezialbibliotheken zur Zeitgeschichte, in: BuB. Forum Bibliothek und Information 67 (2015), S. 662–665.

Zugriff auf die digitalisierten Quellen

Zitierhinweis:  Julia Hiller von Gaertringen, Kriegssammlungen 1914–1918, in: Südwestdeutsche Archivalienkunde, URL: […], Stand: 21.1.2018.

 

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