Frauenarbeit, Männerarbeit?

Frauenerwerbsarbeit
Aufbau der Ausstellungshallen für die Oberrheinische Hotel- und Gaststätten-Fachausstellung, 1955 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe. Bildarchiv Schlesiger 1955]

Mit der stärkeren Trennung von Familien- und Arbeitsbereich seit Beginn der Industrialisierung veränderte sich auch die Definition von Arbeit. Als Arbeit galt fortan vor allem die bezahlte Lohnarbeit, was zur Folge hatte, dass andere, meist von Frauen ausgeübte Arbeitsformen wie beispielsweise die Hausarbeit oder die Kindererziehung größtenteils unsichtbar und ohne Anerkennung blieben. Wenn Frauen einer Lohnarbeit nachgingen, diente das vor allem der Aufbesserung des Familieneinkommens, bot aber keine Grundlage für ein eigenständiges und unabhängiges Auskommen. Das Modell vom Mann als Ernährer und der Hausfrau als Zuverdienerin wurde zu einem wirkmächtigen Element sozialer Ordnungsvorstellungen.

Mit dem Anwachsen der Großbetriebe in den Städten in den 1920er-Jahren zeichnet sich eine erste Veränderung ab und Frauen fanden zunehmend Stellen im Angestelltensektor. Doch weiterhin wurden Frauen schlechter ausgebildet und bezahlt.

Die Geschlechterideologie des Nationalsozialismus machte die ersten emanzipatorischen Errungenschaften der 1920er Jahre zunichte. Das Bild der ‚deutschen‘ Hausfrau und Mutter wurde ideologisch aufgeladen und erwerbstätige Frauen entsprachen nicht dem propagierten Weiblichkeitsideal.

Auch in den Nachkriegsjahren blieb der Weg zur Gleichberechtigung steinig, erst im Jahr 1977 beseitigte eine Reform des Ehe- und Familienrechts in der Bundesrepublik die Regelung, dass Frauen nur arbeiten dürfen, solange sie die Familie nicht vernachlässigen.

Heutzutage zeigt die immer breitgeführtere Diskussion um den Wert von Care-Arbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und den Gender Pay Gap, dass strukturelle Ungleichheiten in Bezug auf die Erwerbsbiografien von Frauen und Männern weiterhin bestehen, aber es zunehmend Bemühungen gibt, diese abzubauen.