Landwirtschaft

Landwirtschaft im Schwarzwald
Dokumentarphotographie: Landwirtschaft im Schwarzwald, 1950-1970 [Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Südwesten noch überwiegend agrarisch geprägt. Ein Großteil der Bevölkerung wohnte auf dem Land und in Baden lebten rund drei Viertel der Menschen von der Landwirtschaft. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation auf den Höfen jedoch zunehmend und es fand eine Massenabwanderung von Arbeitskräften in die Industrie statt. Bis 1914 verlor die Landwirtschaft ihre Stellung als bedeutendster volkswirtschaftlicher Produktionszweig und musste mit immer weniger Arbeitskräften die Versorgung der Menschen mit Grundnahrungsmitteln gewährleisten.

Blickt man auf volkskundliche Fotografien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die das bäuerliche Leben im deutschen Südwesten dokumentieren, so sieht man wenig von diesem harten Kampf ums Überleben.

Die Idealisierung des Bauerntums als vermeintlich „ursprüngliche“ Lebensform ist kennzeichnend für die Volkskunde dieser Zeit. Es galt, Berufe und Lebensweisen fotografisch festzuhalten, die durch die fortschreitende Industrialisierung, veränderte Produktionsweisen und Verstädterung bedroht schienen. Aber wie viel Inszenierung steckt in diesen Darstellungen? Was sagt die Idealisierung des landwirtschaftlichen Arbeitens über die damalige Zeit aus? Und inwieweit prägt diese Agrarromantik noch heute unsere Vorstellungen vom Leben und Arbeiten auf dem Land?