Die St. Petermer Tracht

Von Carmen Anton

Fronleichnam in St. Peter, um 1958 [Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe]

Fronleichnam in St. Peter, um 1958 [Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe]

St. Peter liegt im Hochschwarzwald und ist somit Teil des größten zusammenhängenden Trachtengebietes in Baden-Württemberg. Innerhalb der Region unterscheiden sich die lokalen Varianten fast ausschließlich durch dekorative Details, Stickereien sowie die Kopfbedeckung der Damen.

Als Drehort des 1950 erschienenen Heimatfilmes „Schwarzwaldmädel“ trug das Klosterdorf, dessen Abtei im 11. Jahrhundert als Grablege der Zähringer gegründet wurde, indirekt zur weiteren Popularisierung der Gutacher Tracht bei. Dabei verfügt St. Peter selbst über eine zwar international weniger bekannte, indes jedoch nicht weniger prächtige, farbenfrohe Tracht.

Werden in evangelischen Gemeinden Tracht und Schäppel zum ersten Mal zur Konfirmation getragen, so markiert im katholischen St. Peter traditionell die Kommunion den Beginn der Lebensphase bis zur Hochzeit, in welchem es den ledigen Mädchen gestattet ist, zu hohen Feierlichkeiten ihre Brautkrone zu tragen.

Den Grundstock der St. Petermer Tracht für die Dame bilden eine weiße Bluse mit Stehkragen und Puffärmeln, ein einfarbiger, bunter Rock mit angesetztem, schwarzem Mieder, welches goldene Stickereien in Form von Blumen zieren, schwarze, flache Lederschuhe sowie ein Paar hohe Strümpfe. Die obligatorische Schürze tragen Mädchen und ledige Frauen in Weiß. Passend dazu wählen sie auch die Farbe ihrer Strümpfe. Verheiratete hingegen tragen schwarze Strümpfe und mit Blumenmustern verzierte Schürzen in gedeckten Farben, welche auf den Rockstoff abgestimmt werden. Je nach Witterung kann ein schwarzes Jäckchen, der Schoppen oder der Peter, das Ensemble komplettieren.

Die möglichen Kopfbedeckungen bieten je nach Stand und Anlass große Auswahl. Neben dem Schäppel können ledige Frauen und Mädchen auch das weiße „Kränzli“, einen leichteren und somit bequemeren Kopfputz in Reifform, gefertigt aus Drahtgestell, weißen Wachstropfen und grünen Myrtenblättern, tragen. Historisch wurde aus finanziellen Gründen innerhalb einer Familie bloß ein einziger Schäppel vorgehalten. So konnte es geschehen, dass von mehreren Schwestern immer bloß eine die Brautkrone trug, während die anderen mit dem Kranz vorliebnahmen.

Darüber hinaus fand mit dem Schnapphut der Strohhut – ebenso wie in Gutach – in einer Variation Einzug in die St. Petermer Tracht. Es bleibt somit festzuhalten, dass Mode und regionale Kleinindustrie sich im Falle dieser Kopfbedeckung konfessionsübergreifend in weiten Teilen der Bevölkerung niederschlugen.

Für die Trauer wurde der Hut schwarz, sonst weiß lasiert. Traditionell zieren ihn schwarze Bänder aus Samt und Seide, die in einer Schleife am Hinterkopf bis zum Rocksaum hinabfallen. Besetzt ist das Hutband an der Krempe mit je einer roten Seidenrose rechts und links.

Verheiratete Frauen tragen darüber hinaus die Backenhaube, auch Kappe genannt. Diese ist schwarz, ihr Boden mit goldenen Stickereien verziert. Gehalten wird sie von zwei unter dem Kinn zur Schleife vereinigten Bändern. Auch an ihrer Rückseite fallen zwei schwarze Bänder am Rücken der Trägerin hinab.

St. Peter: Tracht mit Schäppele und Kommunionkerze; Mutter und Töchterchen, 1957 [Quelle: Staatsarchiv Freiburg]

Tracht mit Schäppele und Kommunionkerze; Mutter und Töchterchen, 1957
[Quelle: Staatsarchiv Freiburg, Signatur W 134 Nr. 048502a]

Herren tragen in St. Peter ein langes, weißes Hemd, eine schwarze Hose, die von breiten, handbestickten Trägern gehalten wird, eine rote Weste mit goldenen Knöpfen sowie die schwarzen Joppe, eine Jacke. Den Feinschliff erhält die Aufmachung durch schwarze Schuhe, den ebenfalls schwarzen, runden und niedrigen Filzhut mit breiter Krempe sowie eine golden bestickte Krawatte aus einem geknüpften Tuch. Als besonderes Detail bleibt das gestickte Wappen St. Peters auf dem Revers der Jacke hervorzuheben.

Seit 2008 hält die Gemeinde einen Trachtenfundus im Rathaus vor. Hier können vor allem, aber nicht ausschließlich Kinder ihre ersten Trachten für bspw. die Kommunion oder für die Trachtentanzgruppe leihen und so an dem traditionsreichen Brauch teilhaben, ohne dass eigens eine absehbar bald zu klein gewordene Kindertracht erworben werden muss.

Dass die Tracht zu St. Peter auch überregional noch immer eine gewisse Bekanntheit genießt, lässt sich unter anderem daran ersehen, dass 2009 zwei junge Mädchen in ihrer Heimattracht Bundeskanzlerin Angela Merkel und den damaligen US-Präsidenten Barack Obama in Baden-Baden begrüßen durften, um so die Lebendigkeit von Brauchtum und Heimatverbundenheit zu symbolisieren.

Literatur

  • Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg e.V.(Hrsg.), Trachtenvielfalt in Baden-Württemberg, Neckartailfingen 2016.

 

Zitierhinweis: Carmen Anton, Die St. Petermer Tracht, in: Alltagskultur im Südwesten. URL: [...], Stand: 08.08.2020