Medien - Berichterstattung über die Rede des Prinzen Max von Baden zum Verfassungsjubiläum

Florian Brückner, Universität Stuttgart

Prinz Max von Baden, Großherzogin Luise und Graf Zeppelin mit von ausgetauschten Verwundeten aus französischer Kriegsgefangenschaft am Bahnhof Konstanz, 25. September 1915 (Quelle: Landesarchiv BW, GLAK 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 22 b, 2)

Prinz Max von Baden, Großherzogin Luise und Graf Zeppelin mit ausgetauschten Verwundeten aus französischer Kriegsgefangenschaft am Bahnhof Konstanz, 25. September 1915 (Quelle: Landesarchiv BW, GLAK 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 22 b, 2)

Kontext: Zeitungen in der Weimarer Republik bzw. in Baden

In der Weimarer Republik entwickelte sich eine breite und vielfältige Zeitungslandschaft, auch weil der noch im Aufbau begriffene Rundfunk als konkurrierendes Medium anfänglich nur wenige Menschen erreichte. Neben großen deutschlandweit erscheinenden Blättern wie der Vossischen Zeitung oder der Deutschen Allgemeinen Zeitung kamen in Baden etliche teils überaus traditionsreiche Lokal- und Regionalzeitungen zur Verbreitung. Exemplarisch seien die Lahrer Zeitung, der Schwarzwälder Bote, die in Mannheim erscheinende linksliberale Neue badische Landeszeitung, das Offenburger Tageblatt oder die Freiburger Zeitung genannt. Besagte Vielfalt wird auch am Beispiel der Landeshauptstadt deutlich: Hier erschienen etwa die Karlsruher Zeitung, das Karlsruher Tagblatt, die Badische Presse und der Badische Beobachter.

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In welchem Maße Zeitungen am Ende Kriegs einerseits die Zeichen der Zeit erkannten, andererseits aber zu politischen Fehleinschätzungen neigten bzw. sich die bisherige Kriegspropaganda zu eigen machten, zeigt die Berichterstattung über eine Rede Max von Badens (1867-1929) vom 22. August 1918, die dieser anlässlich des 100-jährigen badischen Verfassungsjubiläums hielt.

Dem Festakt im Halbmondsaal der Zweiten Kammer des Ständehauses in Karlsruhe wohnten beide Kammern, Großherzog Friedrich II., seine Minister und ihr Gefolge sowie die Großherzoginnen Hilda (1864-1952) und Luise (1838-1923) bei.

Die Rede fiel in eine Phase, in der sich Max von Baden angesichts der verheerenden militärischen Lage bereits als Gesandter für Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ins Gespräch zu bringen suchte. In ihr beschwor er die Schrift Immanuel Kants (1724-1804) „Zum ewigen Frieden“ von 1795. Max von Baden argumentierte, der kriegsbedingte Burgfrieden habe die Bildung einer deutschen „Volksgemeinschaft“ bewirkt, nun müsse der innerdeutsche Zusammenhalt zu einem Friedensschluss mit den Alliierten führen und damit auf die internationale Ebene übertragen werden. Er hob dabei auf demokratische Grundpositionen wie die Achtung der Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit und die persönliche Freiheit des Einzelnen ab. Die politisch Verantwortlichen hätten mit Bezug auf Platons Politeia auf das Wohl der Völker zu achten, die keine Rachegefühle und Revanchegelüste gegeneinander hegen sollten. Seine Absage an Lynchjustiz, die Ausgrenzung Andersdenkender, Pogrome gegen Fremde und "sonstige despotische Gewohnheiten" sollte den Kriegsgegnern Friedensbereitschaft signalisieren. Zudem sprach Prinz Max die vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson angeregte Gründung eines Völkerbundes als internationale Friedensschlichtungsinstanz an. Die Völker, so Max von Baden, sollten in diesem Sinne künftig in einer „Liga der Nationen“ zusammenarbeiten.

Die von politischer und militärischer Propaganda über vier Jahre lang geblendete Presse unterstützte die vom Prinzen signalisierte Friedensbereitschaft folglich nur bedingt: Allen voran linksliberale Presseorgane wie das Berliner Tageblatt begrüßten die Forderung nach einem Verständigungsfrieden, überraschenderweise allerdings auch ein traditionell konservatives Presseorgan wie die Börsenzeitung. Sollte ein ewiger Frieden erreicht werden, seien die Opfer der Soldaten im Ersten Weltkrieg nicht umsonst gewesen. Zu befürworten sei überdies die Idee eines Völkerbundes. Zwischen den Völkern solle die Rechtsstaatlichkeit über dem Faustrecht stehen – der Krieg als Ultima Ratio sei nicht mehr vermittelbar.

In der Mehrheit waren jedoch Zeitungen, die zwar Friedensverhandlungen begrüßten, diese jedoch aber mittels eines deutschen ‚Siegfriedens‘ in die Wege zu leiten gedachten. Die konservativen Hamburger Nachrichten urteilten, Max von Badens Forderung nach einer Gesundung der „deutsche[n] Volksseele“ sei fehlgeleitet, da die Deutschen den Krieg bereits von Anfang an „mit Moral und christlicher Nächstenliebe“ geführt hätten. Damit perpetuierten sie das gängige Narrativ der Kriegspropaganda vom vermeintlich gerechten Verteidigungskrieg des Deutschen Reiches. Die Forderung des Prinzen nach Versöhnung sei zwar begrüßenswert, jedoch nicht ohne Kampf zu erreichen.

Die aus Budapest berichtende deutschsprachige Tageszeitung Pester Lloyd mutmaßte, dass die von Baden geäußerten Standpunkte mit dem hohenzollerischen Kaiserhaus in Preußen abgestimmt seien und die offizielle Regierungsmeinung des Reiches darstellten. Sie stimmte partiell den Ausführungen von Badens zu, war allerdings auch der Meinung, dass die Versöhnungsbereitschaft der Kriegsgegner noch nicht ausreiche und weiterhin gekämpft werden müsse. Diese Meinung wurde auch vom Wiener Echo vertreten. Weite Teile der Presselandschaft waren offenkundig immer noch der Meinung, die deutsche Armee könne endlos weiterkämpfen, womit sowohl die politische als auch die militärische Lage vollends fehleingeschätzt und die militärische Führung weiterhin rückhaltlos unterstützt wurde.

GND-Verknüpfung: Medien [4169187-8]

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Die vorgestellten Dokumente im Online-Findmittelsystem des Landesarchivs BW: 

Artikel des Berliner Tageblatts, 23.8.1918

Artikel der Hamburger Nachrichten

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