Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg 

Datierung :
  • 1917
Objekttyp: Video
Inhalt:
  • Drei Frauen in Uniform gehen durch eine Allee, sie tragen lange Holzleitern und Tornister mit der Aufschrift "Gasgesellschaft". Sie arbeiten in Berufen, in denen sie in der Öffentlichkeit stehen und körperlich arbeiten. In typischen Männerberufen also. Die Frauen reinigen Gaslaternen auf den Straßen, schrubben Waggons und warten eine Lokomotive. Sie schaufeln Kohle, wiegen sie ab und heben die schweren Säcke auf eine Kutsche, wo ein Mann sie entgegennimmt. Ein Passant bleibt stehen - verwundert? Ebenso beobachten zwei Schuljungen neugierig die Frau, die auf einer Leiter ein Schaufenster putzt. Eine weitere Frau reinigt eine Lampe an den Bahngleisen, indem sie diese auseinanderbaut, die Einzelteile entstaubt und die Lampe wieder zusammensetzt. Der Film endet mit mehreren Frauen, die zu Fuß und auf dem Rad ein Gebäude mit der Aufschrift "Telephon und Telegraph" verlassen und zwei Frauen, die sich im Automobil auf der Straße begegnen. Die Inszenierung stellt die Frauen und wie sie scheinbar mit großer Freude die Arbeit erledigen, in den Mittelpunkt. Männer erscheinen nur am Rande. Ob es sich dabei in diesem Ausmaß um eine realistische Darstellung handelt, ist fragwürdig. Während des Ersten Weltkriegs erhöhte sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen stark, auch in Branchen, die bis dahin Männern vorbehalten waren. Der Frauenanteil beim Fabrikpersonal erhöhte sich auf Reichsebene von sieben auf neun Prozent zwischen Juli 1914 und Juli 1916, in der chemischen Industrie auf 23 Prozent und in der elektrischen auf 55 Prozent. Auch im heutigen Baden-Württemberg stieg die Zahl der Fabrikarbeiterinnen, wie zum Beispiel in der Metallindustrie von 560 Arbeiterinnen 1914 auf 7.547 im November 1918. Frauen übernahmen außerdem zunehmend Aufgaben im öffentlichen Dienst, im Telefon- und Telegraphendienst oder als Schaffnerinnen und Wagenführerinnen. Nach dem Krieg mussten viele Frauen diese Arbeitsplätze wieder für Männer freigeben und der Anteil der Frauen in Lohnarbeit sank auf ein niedrigeres Niveau als vor dem Krieg. Außerdem wurden ihnen niedrigere Löhne gezahlt als den Männern. Aktivistinnen der bürgerlichen Frauenbewegung argumentierten vor dem Hintergrund, dass Frauen erfolgreich Verantwortung übernommen hätten. Die gesellschaftliche Teilhabe, für die sie kämpften, war in dieser Zeit teilweise realisiert: Vaterländische Frauenvereine organisierten in den größeren Städten Kriegshilfeangebote, wie den Ausbau von Volksküchen, Nähstuben und Lazaretten oder auch die Einrichtung von Kriegskinderheimen. Über diesen Weg gelangten Frauen in kommunale Kommissionen wie den Kriegsfürsorgeausschuss oder saßen, wie z.B. 18 von ihnen in Heidelberg, stimmberechtigt im Unterausschuss für Kriegsfürsorge des städtischen Hauptausschusses. Auch hier stießen Frauen also in Bereiche vor, die lange Männern vorbehalten waren. Auch Sozialdemokratinnen beteiligten sich an diesen Initiativen, die unter anderem darauf abzielten, die negativen Effekte des Krieges - wie Arbeitslosigkeit in bestimmten Branchen - für Frauen abzumildern. Eine umfangreiche emanzipatorische Wirkung konnte die Beschäftigung von Frauen in den vorherigen Männerdomänen allerdings kaum entfalten, zu sehr wurden Frauen nach dem Krieg wieder systematisch aus der Erwerbsarbeit ausgegrenzt. Die meisten von ihnen mussten ihre Arbeitsplätze nach dem Krieg für Heimkehrer freigeben. Nora Wohlfarth, LABW
Quelle/Sammlung: Landesfilmsammlung Baden-Württemberg
Identifikatoren/​Sonstige Nummern: 1366 [Archivnummer]
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