Baden im Bild

Wochenmarkt auf dem Marktplatz von Karlsruhe, im Hintergrund das Rathaus, um 1910 (GLAK 498-1 Nr. 558)

Wochenmarkt auf dem Marktplatz von Karlsruhe, im Hintergrund das Rathaus, um 1910 (Landesarchiv GLAK 498-1 Nr. 558)

Keiner hatte damit gerechnet: Am 2. April 1945 – kurz vor Kriegsende – wurde das von 1529 bis 1539 erbaute Wasserschloss Menzingen durch einen Bombenangriff fast komplett zerstört. Die heutige Ruine spiegelt nur noch rudimentär den einst erhabenen Anblick dieser baulichen Perle im Kraichgau wider.
Dass wir diesen einstmals bedeutenden Bau der Renaissancebaukunst nördlich der Alpen zumindest auf mehreren schwarz-weiß Fotos betrachten können, verdanken wir dem am 1. Juli 1869 in Karlsruhe geborenen Hoffotografen Wilhelm Kratt. Während die meisten seiner Kollegen ihr Auskommen in der Porträtfotografie fanden, widmete sich Kratt der erheblich mühevolleren sowie wirtschaftlich riskanten Tätigkeit als Reisefotograf mit dem Schwerpunkt Kunstdenkmäler.
Wilhelm Kratt bereiste vor allem das badische und schwäbische Franken, fotografierte Bauten in der Region Bruchsal und Bretten, machte mehrfach Station im Tauber-Kreis und kam sogar bis in das badische Bodenseegebiet – bepackt mit Kameras und mehreren Kilogramm schweren, leicht zerbrechlichen Fotoglasplatten. Seine Heimatstadt Karlsruhe dokumentierte er mit über 500 Aufnahmen. Für die Reihe Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden steuerte Kratt zahlreiche Abbildungen bei.
90 Prozent seiner Fotografien hatte Kratt auf Vorrat produziert – in der Hoffnung, aus seinem bis 1934 auf circa 12.000 Glasplatten angewachsenen Fundus für seine Auftraggeber rasch die gewünschten Aufnahmen bereitstellen zu können.
Seit 1934 verkaufte Kratt in mehrere Raten seine Fotoglasplattensammlung an den badischen Staat. Nach seinem Tod 1949 erfolgten Restverkäufe durch seine Witwe. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bilden die Aufnahmen nun eine einzigartige Dokumentation von historisch bedeutsamen Bauwerken im Oberrheingebiet.
In den folgenden Jahrzehnten nutzte die Denkmalpflege diesen Fundus. 2008 übergab das Regierungspräsidium Karlsruhe Referat Denkmalpflege die knapp 9000 Fotoglasplatten an das Generallandesarchiv Karlsruhe. Die Aufnahmen wurden – finanziert durch die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg – digitalisiert, archivgerecht verpackt und verzeichnet (Bestand 498-1).

Über das Internetangebot (https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/startbild.php?bestand=22964) des Landesarchivs können diese Aufnahmen ebenfalls von jedermann eingesehen und gegebenenfalls Reproduktionen bestellt werden.

Jürgen Treffeisen

Partner: Landesarchiv Baden-Württemberg