Bassermann, August 

Geburtsdatum/-ort: 04.12.1847;  Mannheim
Sterbedatum/-ort: 28.02.1931;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Theaterintendant
Kurzbiografie: 1866 Abschluß des Lyceums Mannheim
1866-1870 Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin und Heidelberg
1870 Teilnahme am deutsch-französischen Krieg als Leutnant
1872 Promotion an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg
1873-1886 Schauspieler in Dresden, Wien, New York, Stuttgart
1886-1895 Schauspieler und Oberregisseur in Mannheim
1895-1904 Intendant des Nationaltheaters Mannheim
1904-1919 Generalintendant des Großherzoglichen Hoftheaters Karlsruhe
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Verheiratet: Mannheim 1910 Sofie, geb. Benas (1866-1943)
Eltern: Vater: Ludwig Alexander Bassermann, Tabakhändler
Mutter: Elise, geb. Reinhardt
Kinder: keine
GND-ID: GND/116079991

Biografie: Karl Otto Watzinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 3, 22-23

Schon als Schüler war Bassermann ein eifriger Theaterbesucher, doch der Wunsch des Vaters, daß er einen bürgerlichen Beruf ergreife, veranlaßte ihn, Rechtswissenschaft zu studieren. Nach dem Kriegserlebnis von 1870/71 entschied er sich für die Schauspielerlaufbahn und ging in die Schauspielschulen von Berlin und Wien. Nach vier Engagements auf großen Bühnen kam er mit fast 40 Jahren in seine Heimatstadt zurück, wo er zum Oberregisseur und Intendanten aufrückte.
Bassermann verstand es, den veralteten Betrieb des Mannheimer Theaters auf das Niveau einer Großstadtbühne zu heben, indem er organisatorische und technische Neuerungen wie die elektrische Beleuchtung einführte. Dem theaterfreudigen Mannheimer Publikum ermöglichte er den Besuch des Theaters durch verbilligte Volks- und Schülervorstellungen. Im Schauspiel nahm er sich besonders zeitgenössischer Stücke an, die er selbst inszenierte, wie „Jugend“ und „Erde“ von Max Halbe, „Die versunkene Glocke“ und „Fuhrmann Henschel“ von Gerhard Hauptmann, „Heimat“ von Hermann Sudermann, „König Heinrich“ von Ernst Wildenbruch. Wenn Bassermann auch vom Schauspiel kam, so schenkte er doch der in Mannheim besonders beliebten Oper dieselbe Aufmerksamkeit. Schon in seiner ersten Spielzeit führte er den „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner auf. Es gelang ihm auch, einen präzise arbeitenden Kapellmeister und hervorragende Sänger zu gewinnen.
Als ihn der Großherzog nach Karlsruhe berief, war es für ihn und die Mannheimer kein leichter Abschied, aber er bezeichnete es bei seiner letzten Vorstellung als eine Auszeichnung, daß ein Mannheimer Bürgersohn zum Leiter des Karlsruher Hoftheaters erkoren worden ist. Seine Intendanz in Karlsruhe eröffnete er mit einer begeistert aufgenommenen Inszenierung von „Julius Caesar“ von William Shakespeare. Auch in Karlsruhe widmete er sich dem Schauspiel der Gegenwart, indem er besonders ausländische Dramatiker ins Repertoire aufnahm wie John Galsworthy „Der Menschenfreund“, Henrik Ibsen „Ein Volksfeind“, August Strindberg „Ostern“, Oskar Wilde, „Eine Frau ohne Bedeutung“. In der Oper führte er Richard Strauß ein, wobei er immer bestrebt war, neben der Moderne die Klassik nicht zu vergessen.
Erst im Alter von 72 Jahren ging er nach dem Ersten Weltkrieg, in dem das Hoftheater ohne Unterbrechung gespielt hatte, in den Ruhestand, den er in Karlsruhe in enger Verbindung mit seinem geliebten Theater verbrachte. Im Tode kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo seine Urne im Familiengrab Bassermann auf dem Mannheimer Hauptfriedhof beigesetzt wurde.
Nachweis: Bildnachweise: Theatersammlung der Stadt Mannheim

Literatur: Alte Mannheimer Familien, 4. Teil, 129-131, Mannheim 1923 Dr. Ernst Leopold Stahl, Das Mannheimer Nationaltheater, Mannheim 1929, 185-223.
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