Alker, Hermann Reinhard 

Geburtsdatum/-ort: 12.03.1885; Lambrecht/Pfalz
Sterbedatum/-ort: 25.05.1967;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Architekt
Kurzbiografie: 1895-1901 Besuch der Realschule Neustadt/Haardt
1901-1904 Baugewerkschule Kaiserslautern
1904-1911 Studium der Architektur in Karlsruhe
1911 Assistent bei F. Ostendorf
1914/15 Vertretung des Lehrstuhls von F. Ostendorf, anschließend Kriegsdienst
1918 Assistent bei K. Caesar
1919 Regierungs-Baumeister
1920 Promotion zum Dr.-Ing. (Referent: W. Sackur, Correferent: K. Wulzinger)
1921 Habilitation an der Architekturabteilung der Technischen Hochschule Karlsruhe
1924 außerordentlicher Prof. in Karlsruhe
1937/38 Stadtbaurat in München
1939 Lehrstuhl für Architektur in Karlsruhe (Nachfolge von H. Billing)
1945 Entlassung (Wiederbesetzung des Lehrstuhls mit E. Eiermann 1947)
1950 Emeritierung
Weitere Angaben zur Person: Religion: prot.
Verheiratet: 1935 Herta, geb. von Hollander
Eltern: Vater: Philipp Alker, Bahnmeister in Lambrecht (1839-1905)
Mutter: Elisabeth, geb. Webel aus Freinsheim/Pfalz (1846-1920)
Geschwister: 6 Brüder
7 Schwestern
Kinder: eine Tochter
GND-ID: GND/118992376

Biografie: Karlfriedrich Ohr (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 2, 1-2

Durch zwei seiner älteren Brüder, die in Tivoli bei Rom Fuß gefaßt hatten (Richard als Betriebsleiter des ersten italienischen E-Werkes und Friedrich als Kunstmaler), fand Alker schon in jungen Jahren Gelegenheit zu Studienreisen nach Italien. Das daraus erwachsene Bildungserlebnis war für den künstlerisch begabten Architekturstudenten der Technischen Hochschule Karlsruhe entscheidend. Von seinem Lehrer Durm angeregt, befaßte er sich mit der umstrittenen Frage nach Michelangelos Anteil an der überkommenen Baugestalt der Peterskirche in Rom. Die Folge war eine lebenslange Auseinandersetzung mit dem als Vorbild bewunderten, vielseitigen Renaissance-Künstler. Ursprünglich vom Vater nur zur Abrundung seiner Ausbildung als Bautechniker, der alsbald in das väterliche Büro hätte eintreten sollen, für ein Jahr als Gasthörer zu C. Schäfer nach Karlsruhe geschickt, wurde Alker Assistent bei F. Ostendorf.
Die damalige Architektenausbildung war nicht im heutigen Sinn von Fachlehrern bestimmt gewesen. So wurde die Geschichte der abendländischen Architektur, deren möglichst breite Kenntnis zum Rüstzeug des praktischen Architekten gehört hatte, von den Entwurfslehrern selbst vermittelt. Es war daher nichts Ungewöhnliches, daß Entwurfslehrer sich mit aktuellen Fragen der Architekturgeschichte auseinandersetzten. In Karlsruhe hatte J. Durm grundlegende Handbücher über die Architektur der Griechen und Römer sowie der italienischen Renaissance herausgegeben, die er auf ausgedehnten Reisen zum großen Teil mit eigenen Zeichnungen und Plänen reich illustriert hatte. C. Schäfer galt als hervorragender Kenner der mittelalterlichen Baukunst, W. Sackur beschäftigte sich eingehend mit Vitruv und der Bautechnik des Altertums.
Alker promovierte mit einer Dissertation über die Portalfassade von St. Peter in Rom und habilitierte sich mit einer Schrift über die Villa d'Este in Tivoli bei Rom und deren Baumeister Pirro Ligorio. Zugleich wies er sich als Architekt von überzeugender Gestaltungskraft aus. Nach seinem Vorbild des Universalkünstlers der Renaissance gehörte es zu seinem Selbstverständnis als Architekturlehrer, daß er Lehraufträge der verschiedensten Art übernahm: Baustoffkunde, Baukonstruktion für Bauingenieure, Darstellende Geometrie, Gebäudelehre, Geschichte der Architektur und Gartenkunst der italienischen Renaissance.
Der Architekt Alker suchte – ganz im Sinne seines Lehrers F. Ostendorf – gültige Lösungen für die Dauer, die er entschieden und kompromißlos vertrat. Diese Haltung hat ihm freilich nicht nur Freunde verschafft. Nachdem der dem Nationalsozialismus schwärmerisch Zugewandte 1937/38 als Stadtbaurat für besondere Aufgaben nach München („Hauptstadt der Bewegung“) berufen wurde, zog sich der ehrgeizige Mann bald die Feindschaft des dortigen Gauleiters zu. Dies sollte ihn jedoch nicht davor bewahren, daß er 1945 wegen seines Engagements für das Dritte Reich als Hochschullehrer entlassen wurde. Trotz späterer Umwandlung der Entlassung in eine ordnungsgemäße Emeritierung konnte der leidenschaftliche und begeisterungsfähige Lehrer Alker seine Verbitterung darüber nicht verwinden.
Die frühen Bauten Alkers – vornehmlich Wohnbauten – stehen deutlich unter dem Einfluß F. Ostendorfs. Einzelhaus und Wohnblock werden als allseitig freistehende Architekturen mit möglichst axial-symmetrisch geordneten Fassaden konzipiert. Der gleichen Gesetzmäßigkeit wird auch eine ganze Wohnsiedlung aus mehrgeschossigen Mietshäusern (Dornwäldle bei Karlsruhe-Durlach) unterworfen. Verputzte Lochfassaden mit Sprossenfenstern und Holzklappläden, mit Ziegel- oder Schieferdächern in Gestalt von Walm-, Zelt-, Mansard- oder geschweiften Satteldächern sind die traditionsgebundenen Formen einer Bauweise, mit der ein harmonisches Ganzes erreicht wurde. Gleichzeitig setzte sich Alker mit dem neuen Baustoff Beton auseinander und schuf Bauwerke von bemerkenswertem Rang: so das Tribünengebäude des Hochschulstadions in Karlsruhe und den Umbau der gotischen Stiftskirche in Neustadt/Haardt (hier besonders die seitlichen Emporen, kürzlich leider abgebrochen). Zu den herausragenden Leistungen dürfen außerdem gezählt werden: der kubische Wohnblock der SÜWOBAG Ebertstr. / Schwarzwaldstr. / Schnetzlerstr. / Klosestr. in Karlsruhe als Beispiel des „Neuen Bauens“ und das Freilichttheater auf dem Heiligenberg bei Heidelberg, errichtet als Feierstätte des Dritten Reiches („Thingstätte“). Kennzeichnend für Alkers Bauten ist die konsequente Durcharbeitung bis in die Einzelheiten (Türen, Fenster, Beschläge und Lampen) mit kraftvoll kantigen Formen, die seine Handschrift stets unverkennbar tragen, darin zugleich Zeugnisse des Expressionismus der zwanziger Jahre.
Alker hat sich nach dem Krieg immer wieder entschieden gegen den Anspruch der verkürzenden Bezeichnung „Bauhaus-Zeit“ für die Jahre der Entwicklung einer neuen Architektur zwischen 1910 und 1930 gewandt, weil er darin eine ungerechtfertigte Zurücksetzung anderer Architektur-Schulen jener Zeit sah.
Werke: Die Portalfassade von St. Peter in Rom nach dem Michelangelo-Entwurf (Dissertation) Karlsruhe 1920; Das Michelangelo-Modell zur Kuppel von St. Peter in Rom, in: Repertorium für Kunstwissenschaft 43/1922, 98 f.; Michelangelo und seine Kuppel von St. Peter in Rom, Karlsruhe 1968; – und Schürer, K., Zur Umrißlinie der Peterskuppel in Rom, in: Bildmessung und Luftbildwesen 31/1963, 70-74; Verzeichnis der Bauten und Projekte (umfangreich, unvollständig): in StAF (Nachlass befindet sich nicht mehr im Besitz der Familie, sondern im saai).
Nachweis: Bildnachweise: Foto konnte nicht ermittelt werden.

Literatur: E. Sackur, Das Modell des Michelangelo zur Kuppel von St. Peter in Rom, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 41/1921, 301; G. A. Platz, Die Baukunst der neuesten Zeit, (Die Propyläen-Kunstgeschichte, Ergänzungsbände) Berlin 1927, 124 und 545; Wasmuths Lexikon der Baukunst I, 92, Berlin 1929; Wasmuths Monatshefte für Baukunst XIII/1929, 412-418; Wasmuths Monatshefte Baukunst & Städtebau XV/1931, 499-504, dgl. XVI/ 1932, 7-10; Der Führer v. 26.9.1936, 3; Die Bauzeitung 49 (bzw. 35) Jg. 1938, 102; Der Baumeister XXXVI/1938, 153-156 u. Beilage, 42; Vollmer, I, 29 f.; J. Göricke, Bauten in Karlsruhe, ein Architekturführer, Karlsruhe 1971, 601, 622, 659 (mit unrichtigen Angaben zum Lebenslauf Alkers); Fridericiana, Zs. der Univ. Karlsruhe, Heft 18, 150 Jahre Univ. Karlsruhe 1825-1975, Architekten der Fridericiana etc., 109-113.
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