Das Herzogtum Schwaben

Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, nimmt mit dieser Urkunde das Benediktinerkloster Ellwangen 814 unter seinen eigenen kaiserlichen Schutz. (HStAS H 51 U 2)

Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, nimmt mit dieser Urkunde das Benediktinerkloster Ellwangen 814 unter seinen eigenen kaiserlichen Schutz (Landesarchiv HStAS H 51 U 2)

Die Herrscherjahre der letzten ostfränkischen Karolinger leiten den Übergang vom fränkischen zum Deutschen Reich ein, der bereits im Vertrag von Verdun 843 eine Vorstufe hatte und dessen entscheidende Zeitmarken der Sturz Karls III. 887, die Erhebung des Sachsen Heinrich zum König 919 und die Nachfolge seines Sohns Otto ohne Erbteilung 936 sind. Es war eine Krisenzeit, bestimmt durch von außen drohende Gefahren und neue verfassungsrechtliche Bildungen im Innern. Die Normannen sind rheinaufwärts bis in die Gegend von Worms gekommen; im Gegensatz zum linksrheinischen Gebiet lassen sich im Bereich des heutigen Baden-Württemberg keine zum Schutz vor ihnen errichtete Befestigungen nachweisen. Viel gefährlicher für Süddeutschland wurden die Ungarn, die erstmals 909 so weit nach Westen vordrangen und dann beinahe jährlich wiederkehrten. Da das Königtum zum Widerstand zu schwach war, wurde dieser vom Adel organisiert, was wiederum die Stellung einzelner Vornehmer festigte und zur Bildung neuer Stammesherzogtümer beitrug.

Um die Führung in Schwaben bemühten sich zwei Geschlechter, die Hunfridinger, ursprünglich Markgrafen von Rätien, sowie die Grafen Erchanger und Berthold aus dem Geschlecht der Alaholfinger, denen die Verwaltung des Königsguts mit seinem Schwerpunkt im Bodenseegebiet anvertraut war. Gegenspieler beider Dynastien war der Konstanzer Bischof, der keine lokale Gewalt in seiner Nähe aufkommen lassen wollte. Nachdem 911 der Hunfridinger Burchard als Opfer dieser Auseinandersetzung getötet worden und sein Besitz eingezogen war, schien sich die Entscheidung zugunsten der Alaholfinger zu neigen, zumal diese 913 gemeinsam mit Arnulf von Bayern einen vielbeachteten Sieg über die Ungarn am Inn erfochten. Bischof Salomo von Konstanz bekämpfte sie und hatte König Konrad, ihren Schwager, auf seiner Seite. Nach dem Sieg über ein königliches Heer bei Wahlwies (bei Stockach) ließ sich Erchanger zum Herzog ausrufen. Nun handelten die Bischöfe, vielleicht ohne volle Abstimmung mit dem König. Die Synode von Hohenaltheim verurteilte die beiden Brüder zur Klosterbuße, der König aber ließ sie hinrichten. Damit war jedoch nur für Burchard II., den Sohn des 911 umgebrachten Hunfridingers, der Weg zum Herzogtum frei. Er konnte 919 sein Ansehen durch einen Sieg über den König Rudolf von Hochburgund, als es um die Frage der Reichweite seiner Macht nach Südwesten ging, verstärken.

Die Krypta unter dem Pfarrhaus von Unterregenbach bei Langenburg (FaBi Kreisbeschreibung SHA)

Die Krypta unter dem Pfarrhaus von Unterregenbach bei Langenburg (Landesarchiv FaBi Kreisbeschreibung SHA)

Der schwäbische, wie auch der fränkische Herzog haben unter dem ersten Herrscher aus dem sächsischen Hause, der ihnen weitgehenden Spielraum ließ, treu zum Königtum gehalten. Neue verheerende Ungarneinfälle suchten vor allem 926 den Süden Schwabens heim. An einigen Punkten wird von gegen sie angelegten Fluchtburgen berichtet. Gemäß der vom König in Worms verkündeten Mauerbauordnung erhielten die Kerne der Bischofsstätte und wohl auch einzelne Klöster Befestigungen. Ebenfalls 926 fiel Herzog Burchard II. in Italien. Buchards Nachfolger wurde Hermann I., ein vom König begünstigter Spross des Konradinerhauses. Indem er die Witwe seines Vorgängers heiratete, befestigte er seine Stellung und begründete den in der Folgezeit immer wieder auftauchenden Anspruch seiner Nachkommen auf die Herzogswürde.
Während Herzog Hermann ohne Schwanken auch zu Otto dem Großen hielt, hat sich Eberhard von Franken bald mit dem neuen Herrscher überworfen. Ein allgemeiner Aufstand, unterstützt vom Bruder des Königs, brach aus. In Schwaben bekamen die Gegner des Königs Breisach in ihre Hände. Die Erhebung erlosch nach großen Anfangserfolgen, als 939 Eberhards eigene Vettern diesen bei Andernach überfielen und niedermachten. Dies war das Ende des Herzogtums Franken. Der König hat Franken wieder zur ihm unmittelbar unterstehenden Grundlage seiner Herrschaft gemacht. Nach dem Tod Herzog Hermanns wurde 948 Ottos eigener Sohn Liudolf, der Hermanns Tochter heiratete, Herzog in Schwaben. Damit schien der Einfluss des Königs auch hier gesichert. Doch flammte bereits 953 wieder ein Aufstand der Herzöge Liudolf und Konrad des Roten, der inzwischen in Lothringen zu dieser Würde gekommen war, auf. Sie hatten sich mit dem König wegen der Italienpolitik entzweit und fühlten sich am Hof zurückgesetzt. Auch der Mainzer Erzbischof Friedrich hielt zu den Aufständischen, die fast ganz Schwaben, Franken und Bayern in ihre Hand bekamen. Eine Zusammenarbeit mit den wieder ins Land einbrechenden Ungarn scheint ihnen keinen Nutzen gebracht zu haben. Konrad der Rote und Erzbischof Friedrich unterwarfen sich zuerst. Liudolf versuchte Regensburg zu verteidigen und stellte sich danach bei Illertissen zur Schlacht, wo die Bischöfe den Frieden vermitteln konnten. Beide Herzöge gingen ihrer Würde verlustig. Konrad der Rote fiel 955 gegen die Ungarn bei Augsburg, nachdem er der Schlacht die entscheidende Wendung gegeben hatte, Liudolf blieb 957 auf einem Italienzug.

Bleibulle, anhängend an einer Urkunde Kaiser Ottos III., 999 (HStAS H 51 U 4)

Bleibulle, anhängend an einer Urkunde Kaiser Ottos III., 999 (Landesarchiv HStAS H 51 U 4)

Im Herzogtum Schwaben folgte Burchard II., der Sohn des ersten Hunfridingerherzogs. Seine Gemahlin Hedwig von Bayern, eine der gebildetsten Frauen des 10. Jahrhunderts, hat auch nach seinem Tod auf dem Hohentwiel gelebt und das dortige, um 1005 nach Stein am Rhein verlegte Kloster gestiftet. Nach Liudolfs Sohn Otto I. stellten wiederum die Konradiner den Herzog, Verwandte, aber keine unmittelbaren Nachkommen Hermanns I. Sie führten neben dem schwäbischen auch den elsässischen Herzogstitel. Hermann II. versuchte 1002 König zu werden, doch konnte er sich nicht gegen den Bayernherzog, dann König Heinrich II. durchsetzen. 1012 ging das schwäbische Herzogtum an Ernst I. über, den babenbergischen Gemahl der Konradinerin Gisela. Diese wurde in dritter Ehe die Gattin des salischen Königs Konrad II. und brachte der salischen Familie auch Güter in Schwaben, u. a. Waiblingen, zu. Im Herzogtum Schwaben war 1015 Giselas Sohn Ernst II. gefolgt. Er überwarf, sich mit seinem königlichen Stiefvater, als dieser die Kaiser Heinrich II. überlassene Anwartschaft auf Hochburgund ebenfalls beanspruchte, während Ernst nähere verwandtschaftliche Ansprüche hatte. Mit dem Grafen Werner von Kiburg zog er sich nach dem Scheitern seines Aufstandes auf die Burg Falkenstein bei Schramberg zurück und kam 1030 bei einem Streifzug in die Baar um. Mit Ernsts Bruder Hermann III. erlosch die babenbergische Herzogslinie in Schwaben. Neuer Herzog wurde Heinrich, der Sohn Giselas und Konrads II., der ein Jahr später als Heinrich III. im Königtum folgte. Erst 1045 konnte er sich dazu entschließen, das Herzogtum Schwaben wieder auszugeben. Dritter Schwabenherzog nach Heinrich III. wurde Rudolf von Rheinfelden (1057-80). Er hatte Agnes, die Tochter des Königs, geraubt, war aber von dessen Witwe als Schwiegersohn und Herzog anerkannt worden und verknüpfte so verwandtschaftliche Beziehungen zum Königs- und damit auch zum alten Herzogshaus mit großem Einfluss auf die Reichspolitik.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)

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