Broßmer, Fritz 

Geburtsdatum/-ort: 19.09.1891;  Ettenheim
Sterbedatum/-ort: 03.02.1963;  Freiburg i. Br.
Beruf/Funktion:
  • Graphiker, Mundartdichter
Kurzbiografie: 1897-1907 Volksschule, Gymnasium Ettenheim (Mittlere Reife)
1907-1911 Schriftsetzerlehre in der Druckerei Joseph Leibold in Ettenheim
1911-1914 Wanderjahre (Schweiz)
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Sanitäter
seit 1919 Schriftsetzer, Korrektor und Lehrlingsausbilder in verschiedenen Betrieben in Freiburg i. Br.
seit 1922 Schriftstellerische Tätigkeit, bis 1950 Veröffentlichung von elf Bändchen mit Gedichten und Erzählungen sowie von Theaterstücken in alemannischer Mundart
1944 Verlust von Hab und Gut beim Bombenangriff auf Freiburg
seit 1946 Selbständiger Graphiker in Freiburg
1957 Ehrenbürger von Ettenheim
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1918 Maria, geb. Bohn
Eltern: Vater: Joseph Broßmer, Stoffdrucker und Färber, Bürgermeister
Mutter: Luise, geb. May
Geschwister: 3
Kinder: 1
GND-ID: GND/1012179613

Biografie: Horst Ferdinand (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 2, 48-49

Nichts deutete in den frühen Jahren des Ettenheimer Schulbuben darauf hin, daß er dereinst in seiner Vaterstadt zu hohen Ehren kommen sollte. Daß er schon in dieser Zeit ein waches Auge und eine genaue Beobachtungsgabe gehabt haben muß, kam in der in den zwanziger Jahren rasch aufeinanderfolgenden Serie von mundartlichen Veröffentlichungen zum Vorschein. Er war aber nicht nur ein aufmerksamer Beobachter der sich um ihn herum abspielenden Lebensvorgänge, sondern er besaß auch die Gabe des Speicherns dieser Erlebnisse, die er jederzeit „abrufen“ konnte. Die Reime flogen ihm nur so zu, und er war ein Meister der komprimierten mundartlichen Darstellung von Szenen aus dem alemannischen Alltag zwischen Dreisam und Unditz. Sein Ettenheimer Landsmann Ernst Ochs, der bekannte Herausgeber des „Badischen Wörterbuchs“ (Freiburg 1925/1940), wußte den Quellenwert dieser Erzählungen sehr wohl zu schätzen, wie aus den zahlreichen Broßmer-Zitaten in diesem Standardwerk hervorgeht. In den dreißiger Jahren begann Broßmer Heimattage, Vereinsfeste und ähnliche Veranstaltungen zu organisieren. Unzählige Male trug er bei solchen Gelegenheiten – später auch im Rundfunk – seine „Schnitz“ und „Schtückli“ vor. Auch als Verfasser volkstümlicher und heute noch aufgeführter Theaterstücke in alemannischer Mundart (u.a. „S' groß Los“, „D'r Pudding“, „D'r scheen Fund“, „D'Brotwurscht“, „D'Linzerdaart“) machte er sich einen Namen. Eine erste ausführliche Analyse des Schaffens von Broßmer lieferte B. Uttenweiler, der „Lachen, Freude und Humor“ als die Wurzeln von Broßmers Werk bezeichnet, das von einer „starken, innigen Heimatverbundenheit“ getragen wird. – Gewiß hat vieles nur Unterhaltungswert, zuweilen aber findet Broßmer zu einer Ausdruckskraft, die einzelne seiner Gedichte in die Nähe der Großen – Hebel, Burte - rückt. Es verwundert, daß Broßmer, der auch ein hochtalentierter Graphiker war und in altmeisterlicher Manier viele schöne Illustrationen, Kanontafeln, Urkunden etc. schuf, nicht mit einem der zahlreichen Heimatpreise bedacht worden ist. Immerhin finden wir seinen Namen in der renommierten „Geschichte der Literatur in Baden“ W. Öfterings (III. Teil S. 179), und auch unter „Dichter und Dichtung der Ortenau“ von O. Basler ist der „fröhliche Heimatdichter“ verzeichnet, der „in guter Mundart mehrere Bändchen lustiger Erzählungen und schnurriger Geschichten“ herausbrachte („Die Ortenau“ 40. Heft 1960, S. 445). Einzig seine Vaterstadt hielt eine Auszeichnung für ihn bereit, die Würde des Ehrenbürgers, die ihm als Dank seiner Mitbürger für ein ganz besonderes Zeugnis der Heimattreue übertragen wurde, das Ettenheimer „Goldene Buch“. In diesem von ihm selbst von der ersten bis zur letzten Zeile in schwungvoller Fraktur geschriebenen und mit prächtigen Initialen und Buchmalereien geschmückten Folianten sind in von Kennern der jeweiligen Gebiete verfaßten Artikeln alle geschichtlichen, volks- und heimatkundlichen Fakten geschildert und auch alle Institutionen der Stadt beschrieben, die für Ettenheim von Bedeutung sind oder waren. Aus diesem Buch spricht nicht nur die unverbrüchliche Heimatliebe des Autors, sondern auch sein bewundernswertes graphisches Gestaltungsvermögen, sein mönchischer Fleiß, seine liebenswerte Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit, und er hat sich damit für immer in die Annalen seiner Heimatstadt eingeschrieben.
Werke: (Auswahl; bis auf die letztgenannte Veröffentlichung erschienen alle in Freiburg i. Br.): „D'r Schnitzsack“ (1922, drei Auflagen), „Krut un Ruewe“ (1922, 1925 2. Aufl.), „Bibilikäs“ (1923, 1925 2. Aufl.), „D'r Schwartemage“ (1923), „Leberknöpfli“ (1924), „D'r Katzerolli“ (1925), „D'r Pfiffedeckel“ (1926), „Ziewelekueche“ (1928), „S'Schtädtli“ (1935), „D'r Seppli“ (1938), „D'r Schnauzli“ (1950); „Krut un Ruewe“, allerhand luschtige Vortragsschtückli, zum Gedenken an Fritz Broßmer zusammengestellt und herausgegeben von Hubert Machleid (Ettenheim 1980).
Nachweis: Bildnachweise: in Broßmer Uttenweiler vgl. Lit.

Literatur: Johannes B. Ferdinand, F. Broßmer zum 65. Geburtstag, in: Ettenheimer Heimatbote vom 19. 9. 1956; Anna Strickler-Vögele, Zum Gedenken an F. Broßmer, in: Ettenheimer Heimatbote vom 11. 9. 1966; Bernhard Uttenweiler, F. Broßmer, ein Heimat- und Mundartdichter aus Ettenheim, in: Der Schwarzwald, Zs. des Schwarzwaldvereins 1984, Heft 2, 76-79.
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