Hirsch, Berta 

Geburtsdatum/-ort: 17.09.1850; Worms
Sterbedatum/-ort: 10.01.1913;  Mannheim
Beruf/Funktion:
  • Kultur- und Sozialpolitikerin
Kurzbiografie: 1857 Übersiedlung der Familie Eberstadt nach Mannheim
1906-1912 Leiterin in der Bernhard-Kahn-Lesehalle in Mannheim
Weitere Angaben zur Person: Religion: isr.
Verheiratet: 1872 Emil Hirsch (1840-1918), Getreidegroßkaufmann
Eltern: Vater: Ferdinand Eberstadt (1808-1888), Textilwarenhändler
Mutter: Sara, geb. Seligmann
Kinder: 3 Töchter, u. a. Johanna (geb. 1876), verheiratet mit Gerhard von Schulze-Gävernitz (1864-1943), Prof. für Staatsrecht in Freiburg, Mitglied des Reichstags
GND-ID: GND/1012273156

Biografie: Karl Otto Watzinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 139-140

Hirsch stammte aus einer seit dem 17. Jahrhundert in Worms ansässigen Familie. Ihr Vater, führendes Mitglied des Demokratenvereins, war von 1849-1852 Bürgermeister von Worms. Wegen der auch in Hessen vordringenden Reaktion legte er 1852 sein Amt nieder. In Mannheim führte Hirsch nach ihrer Heirat einen Salon, in dem Dichter und Künstler, aber auch fortschrittliche Politiker wie Ludwig Frank und Friedrich Naumann verkehrten. Dort wurden nicht nur geistreiche Gespräche geführt, sondern auch die drängenden sozialen Fragen des deutschen Kaiserreiches besprochen. Hirsch war nicht nur Gastgeberin, sondern hielt den Kreis durch ihre umfassende Bildung und rege Anteilnahme an den Problemen der Zeit zusammen. Friedrich Naumann nannte sie in einem Nachruf „Frau Kultur“, da von ihrem Wesen Güte und Menschlichkeit ausgingen. Ihr besonderes Anliegen war die Volksbildung, so daß sie in den Beirat des 1903 gegründeten Vereins für Volksbildung“ eintrat.
Als durch eine Stiftung der Familie Kahn die „Bernhard-Kahn-Lesehalle“ mitten im Arbeiterviertel der Neckarstadt errichtet wurde, übernahm sie die Leitung und widmete sich besonders den beiden Kinderlesezimmern. Im übrigen war die Lesehalle nach englischem Vorbild reichlich mit Zeitungen und Zeitschriften ausgestattet. Zu ihrer Unterstützung zog Hirsch Mädchen aus der Jugendgruppe des „Vereins für Frauenbildung-Frauenstudium“ heran, die ihre Arbeit fortsetzten, als Krankheit sie an Haus und Bett fesselte.
Nachweis: Bildnachweise: StadtA Mannheim.

Literatur: Friedrich Naumann, Frau Kultur, Die Hilfe 1913, 4, 56 ff.; Fritz Reuter, Warmaisa, 1000 Jahre Juden in Worms, Worms 1984, 155-158; Willi Wendling, B. Hirsch. Die Gründerin u. Leiterin d. Ersten Bücherhalle mit Kinderlesezimmern, in: Bibliothekar. Arbeit zw. Theorie u. Praxis, Stuttgart 1976, 107-118; ders. B. Hirsch, in: Mannheimer Hefte 1977, 1, 29-33; Karl Watzinger, Gesch. d. Juden in Mannheim, 1987 2. Aufl., 102 f.
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