Salm, Hedwig 

Geburtsdatum/-ort: 14.09.1889;  Neuenweg, Landkreis Lörrach
Sterbedatum/-ort: 19.09.1981;  Freiburg i. Br.
Beruf/Funktion:
  • Dichterin und Mundartautorin
Kurzbiografie: 1890-1902 Besuch der Volksschule in Tegernau
1902 Besuch der höheren Töchterschule (heute Goethegymnasium) in Freiburg
1965 Hebel-Gedenk-Plakette der Gemeinde Hausen im Wiesental
1979 Goldene Ehrennadel des Bundes „Heimat und Volksleben“; Ehrenbürgerin von Tegernau
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 1910 Freiburg, Karl Salm (1881-1917), Taubstummenlehrer
Eltern: Rudolf Lohrer (1866-1940), Rektor
Anna, geb. Fiedler (1867-1956)
Geschwister: keine
Kinder: Dr. jur. Karl; Irmgard
GND-ID: GND/1012299295

Biografie: Clemens Siebler (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 337-338

Geboren wurde Salm in der kleinen Schwarzwaldgemeinde Neuenweg; ihre Kindheit verbrachte sie in Tegernau, wo ihr Vater Lehrer war. Im Zuge seiner Versetzung kam die Familie nach Freiburg. Hier besuchte sie die höhere Schule. Sie hatte den Wunsch, Musik zu studieren, doch die begonnene Ausbildung wurde durch ihre frühe Heirat unterbrochen. Schon nach siebenjähriger Ehe verlor sie ihren Mann, der 1917 in Rumänien fiel. Mit ihren beiden Kindern fand sie Aufnahme im Elternhaus. Bis zu ihrem Tod lebte sie in Freiburg.
Dank ihrer musischen Begabung hatte sich in Salm bereits im Mädchenalter künstlerischer Gestaltungswille geregt. Als Witwe stellte sie ihn ausschließlich in den Dienst des geschriebenen Wortes, und so erwuchs ihr in schwerer Zeit eine ausfüllende Betätigung, die allmählich über das widerfahrene Leid hinweghalf.
Bei der Abfassung ihrer ersten Gedichte fand sie Förderung durch Karl Berner (1863-1941) und den ehemaligen Chefredakteur der Freiburger Zeitung, Max Bittrich (1867-1959), der sich gleichfalls schriftstellerisch betätigte. Doch galt in jenen frühen Jahren ihr Interesse hauptsächlich der Prosa, der Wiedergabe von Heimaterzählungen und heimatgeschichtlichen Berichten. Ihrer Novelle „Der Baumflorian“ (1930) liegt eine wahre Begebenheit aus der bäuerlichen Welt des Schwarzwaldes zugrunde. Einige ihrer frühen Werke erschienen in Zeitungen und Zeitschriften. Besonders bekannt wurde die mundartliche Kurzerzählung „Das Forellenquintett“ (1934). Neben hochsprachlichen Gedichten und Sprüchen verfaßte sie damals auch Mundartspiele, so das mehrfach aufgeführte Bauernstück „Geld sott me ha!“ und ein Festspiel aus Anlaß der 1000-Jahr-Feier der Stadt Waldkirch (1936).
Ihre reifste Dichtung hat Salm jedoch in alemannischer Mundart hervorgebracht, zu der sie erst verhältnismäßig spät fand. Indem sie sich immer wieder von J. P. Hebel und H. Burte inspirieren ließ, überrascht und fasziniert sie mit einer originellen Lyrik, die ihr aus der Kraft intensiver Rückerinnerung an die angestammte Heimat des Kleinen Wiesentales gelang; dort wurde ihr trotz seiner räumlichen Enge unerschöpflicher Reichtum und lebenslange Beglückung zuteil. In variationsreichen Bildern spiegeln diese Gedichte die Natur und Landschaft und die wechselvollen Stimmungen des Jahres wider („Brunnen am Weg“, 1954). Ihre insgesamt fünf Lyrikbändchen sind Sammlungen bereits weitverbreiteter gedruckter, aber auch noch unveröffentlichter Gedichte; das letzte, „Erlebter Hochschwarzwald“ (1979), erschien im zeitlichen Umfeld ihres 90. Geburtstages.
Als Lyrikerin begnügt sich Salm nicht mit der bloßen Abfassung einer bestimmten Strophensequenz. Worauf sie letztlich abzielt, ist die Auflösung des strophischen Gedichtes in einen nur wenige Verse umfassenden Spruch. Mit dieser Kunst, Gedanken zu verdichten und sie in Merksprüchen zu komprimieren, hat sie es zu unbestrittener Meisterschaft gebracht. „Sie sind das Vollendetste ihres Werkes, gleichen Schneeballen, geballten Wahrheiten und bedeuten im alemannischen Sprachraum etwas Neuartiges, Einmaliges und Unerreichtes“ (Richard Gang). Damit wird sie selbst, ihren eigenen Worten zufolge, vom bloßen Dichter zum „Verdichter“ (Vorwort zu „Erlebter Hochschwarzwald“).
Angesichts solcher Fähigkeiten ist Salm mehr als nur eine Heimatdichterin im landläufigen Sinn. Zwar schöpft sie unablässig aus der Kraft der Heimat, aber ihre ausgesprochenen Wahrheiten übersteigen jede verengende räumliche und zeitliche Begrenzung.
Die ehrenden Auszeichnungen, die Salm zuteil geworden sind, machen ihre herausragende Stellung als Dichterin und Mundartautorin sichtbar: Für ihre besonderen Verdienste um die alemannische Mundart in Wort und Schrift erhielt sie 1965 die von der Gemeinde Hausen im Wiesental gestiftete Hebel-Gedenk-Plakette; mit der Goldenen Ehrennadel würdigte 1979 der Bund „Heimat und Volksleben“ ihren Einsatz für die Erhaltung des heimischen Volkstums. Anläßlich ihres 90. Geburtstages wurde sie zur Ehrenbürgerin der Heimatgemeinde Tegernau ernannt.
Quellen: Nachlaß: StAF und Privatbesitz der Familie
Werke: (Auswahl) Der Baumflorian, 1930; Das Forellenquintett. Ein heiteres Stücklein aus der Hebelheimat, in: EJ 15. Jg., 1934, 93-95; Geld sott me ha! (ungedruckt, o. J.), Archiv für alemannische Mundartspiele im Bund „Heimat und Volksleben“, Denzlingen; Treu und Frei. Ein Spiel um Kampf und Liebe aus Waldkirchs tausendjähriger Vergangenheit. 1000-Jahr-Feier der Stadt Waldkirch, 1936 (ungedruckt), Stadtarchiv Waldkirch; Gedichte, in: Oberländer Chronik. Heimatgeschichtliche Beilage des Südkurier, Konstanz 1953 ff., passim; Brunnen am Weg. Alemannische Gedichte und Sprüche, 1954; Aus des Herzens Fülle. Ein Spruchbuch, 1959; Rosen im Heimatgarten. Gedichte in alemannischer Mundart, 1968; Wege und Brücken. Neue gesammelte alemannische Gedichte und Merksprüche, 1977; Erlebter Hochschwarzwald. Alemannische Gedichte, 1979
Nachweis: Bildnachweise: EJ 1956, 23; BH 1964, 260; BH 1989, 580

Literatur: E. Baader, Hedwig Salm. Eine alemannische Dichterin, in: Die Markgrafschaft, 6. Jg., H. 10, 1954, 9-10; H. Burte, Markgräfler Dichterinnen. Hedwig Salm, in: Markgräfler Jahrbuch, Bd. 3, 1954, 143; R. Gäng, Nachwort zu Hedwig Salm, Brunnen am Weg, 152-155; K. W. Sträub, Hedwig Salm. Ein alemannischer Angelus silesius, in: EJ 1956, 23-25; H. Baum, Hedwig Salm zum 75. Geburtstag, Betrachtung ihrer Glockengedichte, in: BH, 44. Jg., 1964, 259-261 und in: Die Markgrafschaft, 16. Jg., H. 8, 1964, 6; R. Gang, Hedwig Salm 75 Jahre alt, in: BZ, 19. Jg., Nr. 212, 1964, 11; F. Mölbert, Nachwort zu Hedwig Salm, Rosen im Heimatgarten, 117-120; G. Jung, Am Fuße des Belchen geboren. Hedwig Salm zum 80sten, in: Das Markgräflerland, 31. Jg., H. 2/3, 1969, 74-75; W. F. Fischer, Nachwort zu Hedwig Salm, Wege und Brücken, 137-139; O. S., Von Tegernau nach Freiburg. Die Mundartdichterin Hedwig Salm wird 90 Jahre alt, in: BZ, 34. Jg., Nr. 213, 1979, 20; H. Bender, Eine Rose im Heimatgarten. In memoriam Hedwig Salm (1889-1981), in: Das Markgräflerland 1982, H. 2, 191-197; Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, hg. von W. Schuder, 59. Jg., 1984, 1024; Der Johann Peter Hebel-Preis 1936-1988, Dokumentation von M. Bosch, 1988, 348; L. Vögely, Die Dichterin aus dem Kleinen Wiesental Hedwig Salm. Ein Gedenkblatt zu ihrem 100. Geburtstag, in: BH, 69. Jg., 1989, 579-582; Deutsches Literatur-Lexikon Bd. 13 (1991), Sp. 732.
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