Schrempp, Erhard 

Geburtsdatum/-ort: 02.11.1910;  Gengenbach
Sterbedatum/-ort: 29.08.1971;  Offenburg, beigesetzt 01.09.1971 Gengenbach
Beruf/Funktion:
  • Wagnermeister, Bürgermeister, CDU-Politiker
Kurzbiografie: 1917-1921 Volksschule Gengenbach
1921-1925 Bürgerschule Gengenbach
1925-1928 Wagnerlehre
1928 Gesellenprüfung
1934 Übernahme des väterlichen Betriebes
1935 Meisterprüfung
1939-1945 Kriegsdienst
1945 Gründungsmitglied der BCSV (CDU) Gengenbach
1946 Gemeinderat
194671971 Bürgermeister Gengenbach
1952-1971 Kreisverbandsvorsitzender und Vorstandsmitglied des Verbandes Badischer Gemeinden
1953-1971 Mitglied des Kreistages und Kreisrat Offenburg
1960-1969 Gründer und 2. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für reichsstädtische Geschichtsforschung, Denkmalpflege und bürgerschaftliche Bildung (ARG)
1960-1970 Mitglied des Landtags Baden-Württemberg (Direktvertreter des Wahlkreises Offenburg)
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1942 Klara Katharina, geb. Hermann
Eltern: Vater: Josef Schrempp, Wagnermeister
Mutter: Frieda, geb. Santo
Geschwister: 3 (2 Brüder, 1 Schwester)
Kinder: 3 (2 Söhne, 1 Tochter)
GND-ID: GND/1012304094

Biografie: Clemens Siebler (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 2, 252-254

In Gengenbach aufgewachsen, erlernte Schrempp in der Werkstätte seines Vaters das Wagnerhandwerk. Nach der Lehrzeit ging er, einem alten Gesellenbrauch folgend, in die Fremde. Stationen auf seiner Wanderschaft waren neben Deutschland die Schweiz, Österreich und Frankreich. Mit 23 Jahren übernahm er den väterlichen Betrieb; nach dem Besuch der Meisterschule in Kaiserslautern bestand er 1935 die Meisterprüfung. Unmittelbar am Kriegsbeginn wurde er zum Heeresdienst eingezogen, und seit 1942 gehörte er einer in Rußland und Finnland operierenden Pioniereinheit an. 1945 kehrte er in die Heimat zurück. Schrempp, der aus der katholischen Jugendbewegung und der Kolpingsfamilie hervorgegangen war, hatte früh gelernt, Verantwortung in der Gemeinschaft zu übernehmen. Am Beginn der Dreißigerjahre war er Mitglied des Windthorstbundes, der Jugendorganisation des Zentrums, gewesen. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der „Badisch-Christlich-Sozialen Volkspartei“ (später CDU) in Gengenbach. Danach wirkte er für kurze Zeit als Stadtrat. Da er politisch unbelastet war, wurde er 1946 vom Gemeinderat und mit Zustimmung der französischen Militärregierung zum Bürgermeister der ehemaligen Freien Reichsstadt gewählt; in diesem Amt bestätigten ihn seit 1948 seine Mitbürger ununterbrochen, zum letztenmal 1969 für weitere zwölf Jahre. Schrempp war kein „Fachbürgermeister“ im herkömmlichen Sinn; aber er brachte für dieses Amt hohe menschliche Qualitäten und einen gesunden politischen Spürsinn mit. Diese Bürgertugenden waren in den Jahren des Wiederaufbaus nicht weniger gefragt als eine juristische Ausbildung. Da er sich mit der ganzen Persönlichkeit für das Allgemeinwohl einsetzte, fand er nicht nur als Stadtoberhaupt Anerkennung. In verschiedenen lokalen und regionalen Verbänden wurde seine Mitarbeit geschätzt, und er diente der jungen Demokratie gleichermaßen als Kreisrat und Mitglied des Kreistages und zehn Jahre als Abgeordneter im Stuttgarter Landesparlament. Überall war sein Rat gefragt, und wenn er nicht allen ein bequemer Gesprächspartner war, so versagte man seinem Sachverstand doch nie den gebührenden Respekt. Meinungsverschiedenheiten argumentativ auszutragen, hatte der streitbare Bürgermeister nie gescheut. Auch mit der Besatzungsmacht hatte er sich angelegt; man hat ihn deshalb zweimal zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, und er durfte eine Zeitlang das Rathaus nicht betreten. Als Mitglied mehrerer Ausschüsse war er seiner Fraktion und dem gesamten Landtag eine wertvolle Kraft. Vor allem aber tat er sich dort mit seiner beharrlichen Forderung nach einer fairen Volksabstimmung in der Badenfrage hervor. Aus seiner Option für ein selbständiges Bundesland Baden hatte er nie ein Hehl gemacht; auf zahlreichen Veranstaltungen des Heimatbundes Badenerland erwies er sich immer wieder als ein mitreißender Redner.
Besonders seiner Heimatstadt Gengenbach war er innerlich verbunden. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges ging es ihm vordringlich um die Erhaltung des altertümlichen Stadtbildes. Der handwerkerfahrene Bürgermeister, der im Arbeitskittel beim Aufbau des zur Hälfte kriegszerstörten Rathauses mitgeholfen hatte, zeigte sich schon damals weitblickend, denn die Hälfte der Bevölkerung befürwortete den restlichen Abbruch. Zahlreich sind die von Schrempp ergriffenen Initiativen bei der Errichtung und Modernisierung öffentlicher Gebäude im Unterrichts-, Gesundheits- und Sozialbereich, und er sah in der Gründung der Winzergenossenschaft, vor allem aber in der Ansiedlung von Industrie eine zukunftsweisende Existenzsicherung für die Gengenbacher Bürgerschaft. Ob seiner städteplanerischen und denkmalpflegerischen Sachkompetenz schenkte man ihm auch in der „Arbeitsgemeinschaft für reichsstädtische Geschichtsforschung, Denkmalpflege und bürgerschaftliche Bildung“ (ARG) gerne Gehör; 1960 hatte er sie in Gengenbach gegründet, und er war ihr 2. Vorsitzender bis zu seiner schweren Erkrankung (1969), die ihn auch zwang, sein Landtagsmandat vorzeitig aufzugeben. Erst sechzigjährig verstarb Schrempp im Offenburger Josefskrankenhaus.
Nachweis: Bildnachweise: Foto StAF, Bildnissammlung.

Literatur: Verhandlungen des Landtags von Baden-Württemberg, 3. bis 5. Wahlperiode, Stuttgart 1960/68; Otto Ernst Sutter, Denkmalpflege in Gengenbach, in: Jb. für Geschichte der oberdeutschen Reichsstädte, hg. Arbeitsgemeinschaft für reichsstädtische Geschichtsforschung. Denkmalpflege und bürgerschaftliche Bildung, Bd. 11, Stuttgart 1965, 262 f.; ders., Der Maibaum auf dem Nollen. Zur 4. Wiederwahl von Bürgermeister E. Schrempp, in: Gengenbacher Blätter, hg. Bürgermeister E. Schrempp, Heft 2, Gengenbach 1969, 2 f.; H. Hempel, Bürgermeister E. Schrempp zum Gedenken (1945-1971), in: Gengenbacher Blätter, hg. Bürgermeister E. Schrempp, Heft 2, Gengenbach 1971, 3 f.; N. N., E. Schrempp in memoriam, in: Jb. für Geschichte der oberdeutschen Reichstädte, hg. Arbeitsgemeinschaft für reichsstädtische Geschichtsforschung, Denkmalpflege und bürgerschaftliche Bildung, Bd. 17, Stuttgart 1971, 7 f.; Franz Engesser, E. Schrempp, in: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden, 52, 1972, 7 f.; Gerhard Hepp, Der badische Landesteil in BW, in: Bad. Geschichte vom Großherzogtum bis zur Gegenwart, hg. Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg, Stuttgart 1979, 271 f.
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