Schwarzweber, Hermann 

Geburtsdatum/-ort: 01.06.1884;  Freiburg i. Br.
Sterbedatum/-ort: 26.11.1972;  Freiburg i. Br.
Beruf/Funktion:
  • Pädagoge, Präsident der „Badischen Heimat“
Kurzbiografie: 1903 Abitur, anschließend zwei Semester in Innsbruck: Geschichte, Erdkunde
1904 Fortsetzung des Studiums in Freiburg: Geschichte, Erdkunde, Deutsch, Latein
1907 Promotion in Freiburg bei Heinrich Finke mit dem Thema „Die Landstände Vorderösterreichs im 15. Jahrhundert“
1908 Staatsexamen und „Probekandidat“ am Bertholdsgymnasium Freiburg
1909 Gründungsmitglied der „Badischen Heimat“, Lehramtspraktikant in Pforzheim
1911 Beamter auf Lebenszeit, Ernennung zum Professor
1913 Versetzung nach Freiburg an das Lehrerinnenseminar bzw. an die „Höhere Mädchenschule“
1914-1918 Militärdienst zuerst bei einer „Kraftfahrtruppe“ in Müllheim/Baden, dann in Immenstadt als Skilehrer und Ausbilder im bayerischen „Schneeschuhbataillon“, ab 1916 an der Westfront, Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse und dem „Zähringer Löwen“
1919 Leiter der ersten Lehrerskikurse des Schulministeriums
1926 Vorsitzender der Ortsgruppe Freiburg der „Badischen Heimat“, Gründungsmitglied der „Geographischen Gesellschaft“
1940-1944 Kriegsteilnehmer als Hauptmann der Reserve, meist in Frankreich
1949 Aktiv bei der Wiedergründung der „Badischen Heimat“
1952-1968 Präsident des Landesvereins „Badische Heimat“ und Schriftleiter der Zeitschrift
1959 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
1968 Ehrenpräsident der „Badischen Heimat“
Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Verheiratet: 1912 Pforzheim, Luise, geb. Lauer (1892-1968)
Eltern: Hermann (1845-1929), Hafnermeister
Maria, geb. Willoth (1859-1944)
Geschwister: 1
Kinder: Annemarie (1913)
Hermann (1917-1942)
Eva (1918)
GND-ID: GND/1012305163

Biografie: Adolf Schmid (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 376-378

Schwarzweber erzählte gern von seinem Vater, dem „vollbärtigen Hafnermeister“, und von der Familie, die im 18. Jahrhundert aus dem Elsaß nach Freiburg gezogen war: „Mein Vater war, wie das besonders der elsässischen Tradition entsprach, Hafnermeister gewesen, noch ganz das Gewerbe der alten Zeit betreibend ...“. Es blieb ihm nicht nur die lebhafte Erinnerung an den Vater, Schwarzweber hat selbst in handwerklicher Tätigkeit sein Leben lang den Ausgleich für seine geistig-wissenschaftliche Tätigkeit gefunden.
Als Gymnasiast gründete Schwarzweber u. a. einen „dramatisch-literarischen Schülerverein“, auch den Stenographenclub „Industria“; er fand aber auch genug Zeit zum Klettern im Höllental, zum Ski- und Schlittschuhlaufen. Nach dem Abitur zog es ihn nach Innsbruck, er studierte Geschichte und Geographie, wurde auch Mitglied im „Akademischen Alpinen Verein“ und war jedes Wochenende auf Berg- oder Skitour. Zum dritten Semester kam Schwarzweber zurück nach Freiburg, wurde aktiv in der katholischen Studentenverbindung Arminia und galt bei seinen Kommilitonen als bester Stadtführer. Viel Freizeit verbrachte er auf Wanderungen durch den Schwarzwald, er photographierte, hielt Vorträge, schrieb; und im Winter wurde er zu einem der Pioniere des Skisports im Schwarzwald, verfaßte dazu auch eine „Skichronik“. In guter Zeit schloß er das Studium ab, promovierte und kam als „Probekandidat“ an seine alte Schule. Als Lehramtspraktikant fand er an einer Pforzheimer Mädchenschule seine erste Dienststelle – und seine Frau, Luise Lauer, die er 1912 heiratete. Früh wurde er zum Professor befördert und – ganz wunschgemäß – nach Freiburg versetzt. Bei vielen seiner Schülerinnen ist Schwarzweber als kompetenter, vor allem auch als gütiger Lehrer in Erinnerung geblieben, dem es ein Anliegen war, die Augen und die Wege zu öffnen zu allem, was Natur und Kultur an Schönem zu bieten haben, auch über politische und geographische Grenzen hinweg; Innsbruck und Tirol/Südtirol spielten dabei immer gewichtige Rollen.
Den II. Weltkrieg erlebte Schwarzweber von 1940 bis 1944 in Paris, wo er sich vor allem für Kunst und Kultur interessierte, aber zum sportlichen Ausgleich oft zweimal am Tag zu Fuß den Eiffelturm bestieg. Daß er seinen einzigen Sohn an der Ostfront verlor, war für ihn ein fast unerträglicher Schicksalsschlag.
1945 kam Schwarzweber wieder an seine alte Schule (heute: Goethe-Gymnasium) in Freiburg. Wieder wurde er aktiv im Geographen- und im Historikerverband, im Alpenverein, überall geschätzt wegen seiner Vielseitigkeit. Zwei Jahrzehnte lang schrieb er als Kunstkritiker für die Zeitung, eröffnete selbst Kunstausstellungen, bot Vorträge an, organisierte Photowettbewerbe. Schwarzweber arbeitete als Mitglied des städtischen Kulturausschusses, der Rat des sachkundigen Bürgers war gefragt beim Wiederaufbau der kulturellen Einrichtungen. Gefragt war auch sein realistischer Sinn beim Verein der Haus- und Grundeigentümer, wo er den Vorsitz übernahm und als „menschlicher Anwalt“ viel Anerkennung fand.
Den ersten Platz bei den vielen Aktivitäten räumte Schwarzweber sicher der Arbeit für die „Badische Heimat“ ein. Schon 1909 war er bei der Gründung des Landesvereins dabei, 1926 wurde er Vorsitzender der Freiburger Ortsgruppe, blieb es über Jahrzehnte, sehr engagiert: „Überall gilt Wehren und Warnen, Erhalten und Bewahren!“ Er sah sich vereinnahmt durch die „Heimat“-Politik der NS-Zeit, die Gauleitung der NSDAP zählte auch den „Professor Schwarzweber ... zu den sehr umstrittenen Persönlichkeiten des früheren Zentrums“. Sehr große Probleme ergaben sich auch beim Neubeginn der „Badischen Heimat“ 1949: Schwarzweber wollte auf keinen Fall das Auseinanderbrechen in Nord und Süd zulassen – schwierig in einer Zeit, als die „Altbaden“-Frage und das Ringen um einen „Südweststaat“ die Politik bewegten und dem „Bund Heimat und Volksleben“ die besseren Startchancen gegeben wurden. Schwarzweber bearbeitete diese Frage mit Klugheit und Unnachgiebigkeit, er wollte keine „Südbadische Heimat“ – und er schaffte es, übernahm 1952 schließlich auch den Vorsitz des Landesvereins, erfuhr dabei viel Zustimmung. Gerühmt wurde allenthalben der „sympathische Schwarzwälder“, der jeden Berg, jeden Ort seiner Heimatregion kannte, vor allem auch viele Menschen, und der seinem Land in vielen Texten und Bildern das Loblied zu singen verstand. So rundete sich das Charakterbild eines allgemein geschätzten Heimatfreundes und Mitbürgers. Über sein Lebenswerk setzte er selbst den Vers Goethes:
„Manches Herrliche der Welt
ist in Krieg und Streit zerronnen.
Wer beschützet und erhält,
hat das schönste Los gewonnen“.
Quellen: Archiv der BH Freiburg; StAF (C 25/1-380); Freiburger Photohistorische Sammlung (FPS/Michael Guttenberg; ca. 2 000 Schwarzwald-Aufnahmen)
Werke: Der Schwarzwald, das deutsche Bergland (mit 170 Photos), 1925; Südtirol, ein deutsches Volksschicksal, 1934; Bauernleben im Schwarzwald, 1942 (zusammen mit Alwin Tolle); Verzeichnis seiner in der „Badischen Heimat“ veröffentlichten Texte im „Autoren- und Personenverzeichnis“ des Landesvereins, Dezember 1971 (51. Jg., H. 4); es sind überwiegend biographische Würdigungen badischer Künstler; Lebensblätter eines alten Freiburgers. In: Freiburger Almanach 1961
Nachweis: Bildnachweise: Ölgemälde von Fritz Kayser, im Besitz der Familie Hermann Schwarzweber/Lörrach. Porträtphoto in BH 1973/1 (1968)

Literatur: Franz Laubenberger, Unser Ehrenpräsident Prof. Dr. Hermann Schwarzweber. Ansprache bei der Trauerfeier am 1.12.1972. In: BH 1973/H. 1; W. Bergdolt, In memoriam Hermann Schwarzweber. In: BH 1973, H 1
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