Renner, Anna Maria 

Geburtsdatum/-ort: 29.03.1896;  Karlsruhe
Sterbedatum/-ort: 16.09.1983;  Rheinfelden
Beruf/Funktion:
  • Landeshistorikerin und Pädagogin
Kurzbiografie: Grundschule und Höhere Mädchenschule Karlsruhe bis Herbst 1912
1912-1915 Prinzessin Wilhelm-Stift (Lehrerinnen-Seminar) Karlsruhe
1915 Höhere Lehrerinnenprüfung
1915-1918 Hilfslehrerin Volksschule Durmersheim
1918-1929 Volksschule Karlsruhe
1929 Ergänzungsreifeprüfung am Realgymnasium Heidelberg
1929-1931 Studium an den Universitäten München und Heidelberg
1933 Promotion Heidelberg
1931-1934 Realgymnasium Karlsruhe
1934-1939 Lehrerin Volksschule Karlsruhe
1939 Versetzt nach Schlierstadt (Odenwald)
1940-1944 Mittelschule Karlsruhe
1947-1949 Mädchen-Realschule St. Ursula, Freiburg i. Br, Studium an der Universität
1949 Staatsprüfung für das höhere Lehramt (Deutsch, Französisch, Englisch, Philosophie)
1949 Okt. Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Akademie in Gengenbach
1955 Studienprof.
1959 Leiterin der Berufspädagogischen Ausbildung
1962 Ruhestand
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Eltern: Vater: Hermann Renner, Hauptlehrer
Mutter: Ida Katharina, geb. Kropp
GND-ID: GND/1012383814

Biografie: Otto B. Roegele (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 2, 228-229

Erst in ihren letzten Lebensjahren hat Renner das Ziel ihres beruflichen Strebens, das ihr von Anfang an vor Augen stand, ganz erreicht: das Lehramt an einer wissenschaftlichen Hochschule, das es ihr ermöglichte, ohne andere Verpflichtung zu forschen und zu erziehen, sich selbst und andere zu bilden. Obwohl sie dieses Ziel mit immensem Fleiß, mit nachgeholtem Abitur, Promotion im Beruf und Staatsexamen im 55. Lebensjahr, mit Strenge gegen sich selbst und nicht ohne Ehrgeiz verfolgte, hat sie, um ihm näherzukommen, doch nie die Überzeugungen verleugnet, auch nicht im „Dritten Reich“; als die Schulbehörde die Aufgabe des Religionsunterrichts verlangte, weigerte sie sich und nahm die Versetzung in ein Odenwalddorf in Kauf, obwohl sie dort keine Möglichkeit mehr hatte, ihre Studien in Archiv und Bibliothek der Landeshauptstadt fortzusetzen.
Der kunst- und landesgeschichtlichen Forschung hatte sie sich schon früh verschrieben. Ihre lebenslange Liebe galt der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden, in der sie eine Seelenverwandte sah: eine Frau von tiefer Religiosität und innerer Unabhängigkeit, von hoher Sensibilität des Gewissens und tatkräftiger Menschenliebe. Ein Auftrag der Historischen Kommission des Landes führte sie zu längeren Studienaufenthalten nach Böhmen, während deren die Archive in Schlackenwerth und Raudnitz neu geordnet und die auf Baden bezüglichen Materialien aufgenommen werden konnten. Hier lernte Renner die sachsen-lauenburgische Prinzessin aus ihrer Herkunft und Heimat verstehen, erarbeitete sich die Welt des böhmischen Barock, seiner Heiligen und seiner Künstler, jene Welt, die Sibylla Augusta (samt ihrem beträchtlichen Vermögen) in das kriegszerstörte Baden mitbrachte, als sie die Gattin des Türkenlouis wurde.
Später wandte sich Renner der Gestalt des Markgrafen Bernhard II. von Baden zu, eines Zeitgenossen und Beraters Kaiser Friedrichs III. und des Humanisten Aeneas Silvius, des späteren Pius II. Bernhard wurde 1769 seliggesprochen, um nach dem Aussterben der katholischen Linie des Hauses Baden als eine Art himmlischer Landesvater zu fungieren. Mit der Ikonographie Bernhards leistete Renner einen wichtigen Beitrag auch zur Kultgeschichte der Seligen. Mit der Edition aller Quellen zur Lebensgeschichte schuf sie die unentbehrliche Grundlage für jede weitere Beschäftigung mit dem Thema, auch für den Heiligsprechungsprozeß, der in Rom schon lange anhängig ist. Für diesen schrieb sie ferner eine Interpretation der Vita Bernhards unter dem Aspekt der „heroischen Tugenden“.
Bleibende Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft erwarb sich Renner durch die Gründung des „Kreises der Freunde der Kathedrale von Chartres“. Unermüdlich warb sie um Verständnis für die Botschaft dieses Bauwerks. Seine Krönung erfuhr ihr Bemühen 1971, als François Lorin das von dem Kreis der Freunde gestiftete Friedensfenster im nördlichen Querhaus der Kathedrale einsetzen konnte.
Renner war eine Erzieherin mit Leib und Seele, die an sich selbst wie an ihre Schüler und ihre Mitwelt hohe Ansprüche stellte. Bescheiden in der Lebensführung, war sie eine emanzipierte Frau, selbständig in ihrem Denken, ganz auf sich angewiesen in ihrem Werdegang, freilich auf eine heute sehr altmodisch erscheinende Weise. So akribisch sie Bücher und Dokumente zu nutzen wußte, so wichtig war es ihr, von allem auch eine sinnliche Anschauung zu gewinnen. Reisen führten sie nach Italien, zumal nach Rom, nach Böhmen und immer wieder nach Frankreich. Sie fühlte sich dem Erbe der Geschichte verbunden, zugleich offen für Herausforderungen durch die Gegenwart. Weil sie ihr deutsches Volk liebte, war sie eine leidenschaftliche Befürworterin der Einigung Europas. Christlich-abendländischem Geiste verpflichtet, wirkte sie voll Vertrauen in das Gute im Menschen. Das erklärt ihre starke Wirkung in Schule und Lehrerbildung.
Werke: Bauernhäuser in Gamshurst, in: BH 22, 1935; Zur Baugeschichte des Rastatter Schlosses, in: ZGO 87, 1935; Die Schloßkirche zu Rastatt und ihr Meister Michael Rohrer, 1936; Kleinkunst in Favorite, in: BH 24, 1937; Der Stadtplan von Rastatt und seine Entwicklung, in: BH 24, 1937; Thomas Lefebvre, ein unbekannter badischer Baumeister, in: ZGO 90, 1938; Theusing und Schlackenwerth, in: Die Ortenau 25, 1938; Sibylla Augusta, Markgräfin von Baden, 1938, 1955, 1976; Heimatbücher und Dorfgeschichten, in: ZGO 93, 1941; Die Kunstinventare der Markgrafen von Baden-Baden, 1941; Schloß Schlackenwerth, die Heimat der Markgräfin Sibylla Augusta. Nach dem Schloßinventar von 1685, in: ZGO 93,1941; Heimatbücher und Ortschroniken aus dem Elsaß, in: ZGO 95, 1943; Das herzogl. sachsen-lauenburgische und markgräfliche bad. Herrschaftsarchiv Schlackenwerth, in: ZGO 95, 1943; Markgraf Bernhard II. von Baden. Eine ikonographische Studie, 1953; Markgraf Bernhard II. von Baden. Quellen zu seiner Lebensgeschichte, 1958; Der Heilige in der Welt (Markgraf Bernhard von Baden), 1963.
Nachweis: Bildnachweise: Foto StAF, Bildnissammlung.

Literatur: Otto B. Roegele, A. M. Renner, in: FDA 103, 1983, 355 f.; Elisabeth Suhm, Als Erzieherin ein Vorbild, zum Tod von A. M. Renner, in: Gengenbacher Bl. 15, 1983, 40.
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