Schwan, Anton 

Geburtsdatum/-ort: 07.04.1903;  Karlsruhe
Sterbedatum/-ort: 11.02.1964;  Tauberbischofsheim, beigesetzt am 17.2.1964 auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Landrat, Zentrums-/CDU-Politiker
Kurzbiografie: 1913-1921 Besuch des humanistischen Bismarck-Gymnasiums in Karlsruhe
1921-1923 Studium der Volkswirtschaft an den Universitäten Freiburg und Heidelberg
1923 Übernahme mit zwei Brüdern der großväterlichen Firma, der Papiergroßhandlung Jakob Trotter in Karlsruhe, seit 1933 als selbständiger Handelsvertreter tätig
1933 Wahl als Abgeordneter der Zentrumsfraktion in den badischen Landtag
1939-1945 Kriegsteilnehmer, Ende April 1945 bei Immendingen verwundet
1946-1948 Generalsekretär der CDU Nordbaden
1946-1950 Abgeordneter für die CDU-Fraktion im Landtag von Württemberg-Baden für den Wahlkreis Tauberbischofsheim
1948-1964 Landrat in Tauberbischofsheim
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1. 1930 Hildegard, geb. Specker (gest. 1936)
2. 1936 Valeria, geb. Wahl
Eltern: Vater: Anton Schwan (1875-1923), geb. in Kuppenheim, Oberregierungssekretär in Karlsruhe
Mutter: Maria, geb. Trotter (1878-1939), aus Nußloch bei Heidelberg
Geschwister: 6 Brüder (Johannes, Karl, Hans, Berthold, Walter, Werner)
Kinder: 4 Söhne: Bernhard (geb. 1933), Industrial-Designer, Christoph (geb. 1941), Architekt, Dr. Konrad (geb. 1940), Diplomvolkswirt, 1 Tochter: Irmgard (1935-1940)
GND-ID: GND/1012404277

Biografie: Gerd F. Hepp (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 2, 254-255

Seine Herkunft aus einem mittelständischen und katholischen Milieu hat den Werdegang Schwans entscheidend geprägt. Schon in jungen Jahren engagierte er sich in der katholischen Jugendbewegung. So gründete er 1921 zusammen mit dem Jesuitenpater Esch in Karlsruhe den Katholischen Mittelschülerbund. Während seines Studiums war er maßgeblich am Aufbau einer Organisation der katholischen Studentenschaft beteiligt. Als der frühe Tod seines Vaters ihn zum Abbruch seines Studiums und zum Eintritt in das Familienunternehmen zwang, hat er dennoch als Autodidakt zielstrebig sein Wissen erweitert. Kurz vor der Machtergreifung schaffte er noch als jüngstes Mitglied der Zentrumsfraktion den Einzug in den Badischen Landtag.
Während der Naziherrschaft widmete er sich ganz seinen geschäftlichen Verpflichtungen. Politisch aktiv wurde er erst wieder nach Kriegsende, wobei er im Herbst 1945 maßgeblich an der Gründung der CDU in Nordbaden beteiligt war, bevor er Anfang 1946 deren Generalsekretär wurde. Beim Aufbau einer Parteiorganisation auf lokaler und Kreisebene aus dem Nichts leistete Schwan bis 1948 ein immenses Arbeitspensum. In dieser Zeit war er auch Chefredakteur der Südwestdeutschen Union, dem publizistischen Sprachrohr der nordbadischen CDU. Parallel hierzu nahm er bis 1950 auch noch das Mandat eines Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg wahr.
Eine einschneidende Zäsur im Leben Schwans bildete dann im Jahre 1948, mitten in einer schweren Zeit, seine Wahl zum Landrat in Tauberbischofsheim. In seiner 16 Jahre währenden Amtszeit hat er die Entwicklung des Landkreises entscheidend geprägt. Noch vor der Währungsreform gründete er die Fränkische Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH, die in dem von Heimatvertriebenen und Evakuierten überbevölkerten Landkreis eine maßgebliche Verbesserung der Wohnverhältnisse bewirkte. Seiner Initiative war das Zustandekommen des Tauberplans in den fünfziger Jahren zu verdanken (Auslaufen der landwirtschaftlichen Kümmerbetriebe, Schaffung existenzfähiger Familienbetriebe, Förderung der gewerblich-industriellen Wirtschaft). 1955 entstand die von ihm initiierte Planungsgemeinschaft Odenwald, die eine gemeinsame Neuorientierung des badischen Frankenlandes und des Odenwaldes in die Wege leitete. Besondere Verdienste hat sich Schwan auch beim Ausbau des Berufsfach- und Fachschulwesens im Kreis erworben, wobei ihm der Abbau des Bildungsgefälles zwischen Stadt und Land ein besonderes Anliegen war. In seine Amtszeit fallen auch der Bau eines Alters- und Pflegeheimes (1951/52), sowie der Neubau des Landratsamtes (1958/59). Seiner Initiative war es zu verdanken, daß die geplante Autobahn Würzburg-Heilbronn durch den Landkreis geführt wurde. Sein letztes Werk, den Bau des neuen Kreiskrankenhauses, sah er selbst als die Krönung seiner Aufbauarbeit an. Im übrigen galt Schwan auch im Amt als ein Mann, der sehr wohl nüchterne Sachlichkeit mit menschlicher Wärme zu verbinden verstand. Als Mitglied der „Vereinigung Südwest“ hat er zudem auch als Landrat seine ganze Kraft und Autorität für das Zustandekommen des Südweststaates in die Waagschale geworfen.
Nachweis: Bildnachweise: Foto StAF, Bildnissammlung.
Suche